sagen:graessepreussenii067
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| + | ====== Der Münsterbau, | ||
| + | Nach Müller S. 6. | ||
| + | etc. Poetisch behandelt v. Ziehnert Bd. I. S. 12 etc. | ||
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| + | Auf keins der vielen Bauwerke, welche Kaiser Karl der Große in seinem langen Leben unternommen hat, wendete er so viel Sorgfalt als auf den Bau des Münsters zu Aachen, er ließ aus Rom und Ravenna Säulen und Marmorsteine, | ||
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| + | Da war nun guter Rath theuer, aber wie immer half ein schlauer Mönch dem geängstigten Collegium aus der Noth. Er meinte nämlich, der Teufel habe ja nur die erste Seele verlangt, die zur Thüre des Doms hereingehen werde, dies müsse ja nicht nothwendig eine Menschenseele sein, eine Thierseele werde dies auch thun, und so athmeten die Rathsherrn wieder auf, denn sie sahen, daß der Mönch doch noch listiger sei als der Teufel selbst. Endlich war der Bau fertig und über Nacht brachte der Teufel das schöne, große, broncene Thor zum Haupteingange und hing dasselbe mit eigenen Händen in die Angeln. Am folgenden Tage stand dasselbe aber weitgeöffnet und hinter demselben saß der Teufel, denn es stand zu erwarten, daß heute die Neugierde eine Menge Leute in den Münster locken werde, und die erste Seele war dem Vertrage nach sein. Nun hatten aber die Rathsherren in der Umgegend einen Wolf einfangen und einstweilen in einem Käfig füttern lassen, damit er dem Teufel als erste Seele in den Münster zugetrieben werde, und so geschah es auch. Mit Blitzes Schnelle fuhr der Teufel aus seinem Verstecke über den Wolf her und riß ihm lebendig die Seele aus. Vor Wuth aber über den Betrug, daß man ihm eine Wolfsseele statt einer Menschenseele geopfert, verließ er mit Heulen und Zähnefletschen den Münster und schlug in seinem Grimm die eherne Thüre mit solcher Gewalt hinter sich zu, daß sie einen Riß bekam, er sich selbst aber den Daumen der rechten Hand in einem der Thürknäufe abrenkte, welcher bald erkaltete und heute noch als Wahrzeichen in dem Thürknaufe stecken soll. Einheimische und Fremde bemühten sich bis jetzt noch vergebens denselben herauszuziehen, | ||
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| + | Zum ewigen Andenken an diese Begebenheiten ließ der Aachener Stadtrath das Bild des Wolfes in Erz gießen mit einem Loche an der Stelle der Brust, wo ihm der Teufel die Seele ausriß, und weil die Seele eines Wolfes einem Tannenzapfen oder einer Artischocke gleichen soll, hat man auch diese in Erz gießen lassen. Auf steinernen Säulen stehen diese beiden Güsse an dem Hauptthore des Münsters, der Wolf rechts, der Tannenzapfen links, das Thor selbst aber heißt die Wolfsthüre und jene beiden Bilder sind die Wahrzeichen der Stadt Aachen, welche jeder Fremde gesehen haben muß. | ||
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