sagen:graessepreussenii051
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| + | ====== Frau Richmodis von Aducht und die zwei Schimmel ====== | ||
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| + | Nach Kiefer, Sagen des Rheinlands S. 48. | ||
| + | Poetisch behandelt v.E.v. Groote bei Ziehnert, Preuß. Sagen Bd. III. S. 215 etc | ||
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| + | Um die Mitte des 14. Jhdts. lebte zu Cölln auf dem Neumarkt ein Herr von Aducht, reich und hochangesehen, | ||
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| + | Doch hatte der tiefbetrübte Gatte, um sein geliebtes Weib wenigstens einigermaßen noch im Tode zu ehren, ihr ein kostbares Geschmeide und einen prachtvollen Ring ins Grab mitgegeben. Dieser Umstand war den Todtengräbern nicht entgangen, sie beschlossen das Grab zu öffnen und sich jener Kleinode zu bemächtigen. Sie stiegen also um die Mitternachtsstunde in die Gruft hinab und schon hatten sie die Leiche alles ihres Schmuckes beraubt, und bemühten sich eben ihr den etwas festsitzenden Ring vom Finger zu ziehen, als sie sich plötzlich aufrichtete und die Frevler mit großen Augen anstarrte – Frau Richmodis war nämlich nur scheintodt gewesen. Die Räuber in dem Wahn, der Geist der Abgeschiedenen wolle ihre Unthat rächen, ergriffen die Flucht und eilten so bestürzt davon, daß sie das Geschmeide sowohl als die Laterne, welche sie mitgebracht hatten, zurückließen. | ||
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| + | Nicht minder groß war aber das Entsetzen der aus dem Todesschlafe erwachten Frau Richmodis, als sie vollends zu sich kam und sah, an welchem Orte sie sich befand. Sie nahm jedoch nach und nach ihre Kräfte zusammen, raffte sich aus ihrer geistigen und körperlichen Betäubung auf, stieg aus dem Sarge und versuchte nun, die Leuchte in der Hand, aus der Gruft heraus zu klettern und den Weg nach ihrer Wohnung anzutreten. Dies gelang ihr auch, freilich mit vieler Mühe und sehr langsam, allein endlich langte sie doch an ihrem Hause an, wo Alles in tiefem Schlafe lag. Frau Richmodis mußte lange pochen, bis endlich einer der Diener des Hauses aufwachte und durchs Fenster hinaus fragte, wer da sei und so spät noch Einlaß begehre? Als sie dem Fragenden ihren Namen sagte und derselbe auch sofort die Stimme seiner Herrin erkannte, da eilte derselbe von Entsetzen ergriffen hinauf ins Schlafgemach des Hausherrn, weckte ihn und berichtete demselben zitternd vor Angst was er eben gehört hatte. Herr von Aducht aber wollte dem Diener nicht glauben, hieß ihn einen furchtsamen Thoren und rief endlich, da derselbe die Wahrheit seiner Aussage mit den feierlichsten Schwüren betheuerte: »Meine Hausfrau kann ebenso wenig vom Tode auferstanden sein, als meine zwei Pferde aus dem Stalle brechen und auf den Söller steigen werden, um von da hinab in die Straße zu schauen!« | ||
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| + | Kaum hatte er jedoch diese Worte gesprochen, da ließ sich auf der Treppe ein gewaltiges Trampeln und Poltern hören und mit Grauen sah Herr von Aducht, wie seine zwei Schimmel eben im Begriffe waren zum Speicher emporzuklimmen. Da leuchtete ihm ein, daß der Diener doch die Wahrheit gesprochen haben müsse und daß bei Gott kein Ding unmöglich sei, er eilte die Treppe hinunter, öffnete die Hausthüre und siehe vor derselben stand seine Gemahlin im Sterbekleide, | ||
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| + | Noch lange zeigte man aber in Cölln das ehemalige Aducht' | ||
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sagen/graessepreussenii051.1737476752.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
