sagen:graessepreussenii049
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| + | ====== Die Sage von der h. Ursula und den 11000 Jungfrauen ====== | ||
| + | Nach O. Schade, die Sage von der h. Ursula etc. Hannover 1854 in 8. S. 29 etc. | ||
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| + | In christlicher Zeit, als bereits die Enden der Erde sich zu Gott bekehrt hatten, lebte in Britannien ein König mit Namen Deonotus, der getreu alle Bräuche des katholischen Glaubens erfüllte, und also seine Unterthanen regierte, daß er allezeit gedachte, wie er selber wieder Gott unterthänig sein müßte. Er hatte eine Gemahlin, die an Adel und Glanz der Tugenden ihm gleich kam, Beide warteten mit Sehnsucht eines Sohnes, Gott aber schenkte ihnen eine Tochter. Weil sie nun einst wie David den Bären (ursus zu Latein genannt) erschlagen sollte, das ist den Teufel, fügte es Gott, daß sie in der Taufe Ursula genannt ward. In königlichen Ehren erzogen däuchte ihr die Welt doch geringe, vielmehr sann sie dem Gesetze des Herrn nach Tag und Nacht. Außer diesen Gaben des Herzens war sie noch von wunderbarer Schönheit, also daß der Ruf davon in die Weite ging. So vernahm von ihrer Schönheit und ihren Tugenden ein wilder Heidenfürst, | ||
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| + | Da gingen die Boten fröhlich heim zu ihrem Herrn. Und da der König und sein Sohn ihre gute Botschaft erfuhren, war großer Jubel bei Hofe und im ganzen Lande. Und der Sohn drang in den Vater, daß er ihn alsbald taufen ließe. Und die Jungfrauen wurden auserlesen, zu Hofe geführt und herrlich geschmückt, | ||
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| + | Am Gestade, errettet wie einst die Juden vor den Reisigen Pharao' | ||
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| + | Davor lag gerade das Volk der Hunnen. Die Jungfrauen aber stiegen ohne Arg aus, da ihnen die Milde der Einwohner schon einmal kund geworden war. Da stürzten plötzlich die Horden der Barbaren über sie her wie Wölfe in Schafheerden einbrechen und vertilgten eine unsägliche Menge mit unmenschlicher Grausamkeit. Als nun die Würger zur heiligen Ursula kamen, waren sie vom Zauber ihrer Schönheit gerührt und ihr Fürst selber wie vom Blitz getroffen bequemte sich zu schmeicheln und trug ihr an den Besieger Europas zum Gemahle zu nehmen. Die Jungfrau aber gedachte was Gottes ist und wies solchen Bräutigam ab wie den Fürsten der Finsterniß. Da ergrimmte der Heide und befahl sie zu tödten. Von einem Pfeile durchbohrt sank sie zu der herrlichen Schaar ihrer Genossen nieder, der himmlische Edelstein, und abermals getauft in der Taufe des Bluts zog sie mit ihren siegenden Schaaren gekrönt zur himmlischen Burg Cölln, aber die selige und noch seliger durch den unvergleichlichen Schatz sollte durch ihre Befreiung erfahren, wie der Tod seiner Heiligen werth gehalten ist vor dem Herrn. Denn es erschienen den Feinden so viel Reihen Bewaffneter als sie Jungfrauen gemordet hatten, die sie verfolgten und denen sie nicht zu widerstehen vermochten, so daß sie in wilder Flucht alle davon eilten. Da zogen die Cöllner aus den Thoren und fanden die Leichname der Jungfrauen, die sie schon von früher her kannten. Sie verehrten sie nicht wie Menschen, sondern wie Gott in menschlichen Leibern. Sie suchten die zerstreuten Glieder zusammen, bedeckten sie und gruben sie ein, legten andere in Särge und in kurzem (wie es noch heute dort zu sehen) ruhten die Ueberreste der heiligsten Jungfrauen zum ewigen Ruhme Cöllns in Frieden. Seit der Zeit hat es Niemand gewagt im Umkreise der jungfräulichen Grabstätte einen Leichnam zu beerdigen. Eine Zeit nachher aber kam ein gottseliger Mann, Clematius mit Namen, durch göttliche Gesichter ermahnt, gleichsam durch eine Gesandtschaft der heiligen Jungfrauen erregt, aus dem fernen Osten, der eine Kirche zu Ehren der heiligen Jungfrauen erbaute. | ||
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| + | Es war aber unter dem heiligen Heere eine Jungfrau Namens Cordula, die hatte sich jenes Tages allein in einem Schiffe verborgen, am andern Tage aber freiwillig mit männlichem Muthe gestellt und war so mit gleichem Ruhme der triumphirenden Schaar der Märtyrer gefolgt. Daran soll Niemand Arges haben, sintemal nicht Petrus der Verleugner, noch Thomas der Zweifler von apostolischen Ehren verworfen sind. | ||
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| + | Lange Zeit hernach erschien diese heilige Cordula der frommen Helentrud. Sie war über menschliche Kunst wunderbar gekleidet und trug auf dem Haupte einen Kranz von Lilien mit Rosen durchwebt. Sie sprach: »Ich bin eine der heiligen Cöllnischen Jungfrauen, die den Tag des Triumphes überlebend am folgenden sich freiwillig den Henkern gestellt und in Christo sterbend nicht ihre Genossen verlassen noch die Märtyrerkrone verloren hat. Aber meines Namens wird nicht gedacht. Darum bin ich Dir erschienen, daß man meiner am folgenden Tage sich erinnere.« Da nun Helentrud nach ihrem Namen fragte, antwortete die Heilige, sie solle ihr an die Stirn schauen, da stände er eingegraben. Sie gehorchte, sah und las, und erkannte genau den Namen Cordula. | ||
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| + | Um die Mitte des 7. Jhdts. soll nun zuerst der h. Cunibert, Bischof zu Cölln, den Leichnam der h. Ursula durch die Erscheinung einer weißen Taube aufgefunden haben. Ein halbes Jahrhundert später entdeckte man die Gebeine einer andern Jungfrau, der h. Cunera, als aber im Jahre 1106 Cölln belagert worden und die Mauern an mehreren Stellen zum Sturze gekommen waren, die Cöllner aber dieselben nach dem Abzug der Feinde wieder herrichten wollten und deshalb den Grund tiefer ausgruben, siehe da erschienen zwei Jungfrauen in himmlischem Lichte strahlend und ermahnten die Grabenden, daß sie der Stätte mehr Ehrfurcht zollten, in der die Schaar der Eilftausend, | ||
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| + | Im Jahre 1155 begann nun die 9 volle Jahre andauernde allgemeine Aufgrabung des St. Ursulafeldes, | ||
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sagen/graessepreussenii049.1737476724.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
