sagen:graessepreussenii047
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| + | ====== Der Dombaumeister zu Cölln ====== | ||
| + | Nach S. Weyden, Cölns Legenden, Sagen etc. Cöln 1839, in 8. S. 5 etc. | ||
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| + | Zwar war schon am 14. August 1248, dem Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt, | ||
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| + | Der Erzbischof aber den Geist des Mannes höchlich bewundernd, der einen so kühnen Plan ersonnen, fragte ihn ob er sich getraue, denselben auch auszuführen, | ||
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| + | So saß er eines Abends im Spätherbst vor seinem Kamine, alle seine Zeichnungen vor sich, fest entschlossen ein Ende zu machen und Alles dem Feuer zu opfern, und hatte schon den Arm erhoben um die großen Pergamentrollen in die Flammen zu schleudern, als sein Auge zufällig durch das hohe Bogenfenster auf den vom Mondenlichte beglänzten Dombau fiel, und da kam auf einmal ein tiefes Gefühl der Reue über seine Kleinmüthigkeit über ihn, eine gewisse, vorher lange nicht gefühlte Wemuth und zugleich Herzensruhe zog in ihm ein, daß er zerknirscht beschloß, nie wieder einem so gottlosen Gedanken Raum in seiner Brust zu geben, sondern fest gelobte, sich mit ganzer Kraft zu Gottes Ehre dem Baue wieder hinzugeben und ihn soweit zu fördern, als es des Ewigen Wille sei. Und mit der Ruhe der Seele erlangte der Meister auch seine Thatkraft wieder, er vermied den fremden Magister, dessen Einflüsterungen er leider ein nur zu geneigtes Ohr geschenkt hatte, und als hätte es gegolten, den Dom in einem Jahre fertig zu machen, wurde an dem Werke so eifrig fortgearbeitet, | ||
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| + | So stand denn eines Abends mit dem Stolze des Bewußtseins, | ||
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| + | Von dieser Stunde an aber verfiel der Meister wieder in seinen alten Trübsinn, er konnte sich nicht von dem Gedanken los machen, daß er nun doch seinen Bau nicht vollenden werde, und wie er auch trieb und schaffte, er kam doch nicht so schnell vorwärts, wie er gehofft. Natürlich trug er aber auch seinen innern Kummer mit in seine Familie über, allein allen Fragen seiner besorgten Hausfrau, was ihm fehle und worüber er sich sorge, wich er ängstlich aus, sodaß diese vor Neugierde fast umkam. Da auf einmal kam, freilich in Abwesenheit Meister Gerhards, wieder der fremde Magister ins Haus, fragte seine Gattin nach ihm, wie es ihm gehe, und als er vernommen, daß er sich zwar in soweit ganz wohl befinde, daß aber ein geheimer Kummer an seinem Herzen zu nagen scheine, den sie freilich nicht heilen könne, da er ihn eben verschwiegen halte. Der Fremde aber meinte, es gebe schon ein Mittel, das Geheimniß auch wider seinen Willen ihm abzulocken, und auf ihr Befragen versicherte er ihr, er wolle ihr einen übrigens ganz unschädlichen Trank bringen, den solle sie ihrem Manne unter sein Abendgetränk mischen und sie werde sehen, daß er im Traume ihr alle seine Geheimnisse verrathen werde. Wie gedacht so geschehen, die unglückliche Frau mischte ihrem Manne das höllische Gebräu und richtig versank er sofort in tiefen Schlaf und erzählte ihr wie im Traume redend den Hergang der Sache, seine Begegnung mit dem Bösen und die Wette, fügte aber hinzu: »er wird die Wette doch nicht gewinnen, denn er wird nie einen Tropfen Wasser in dem Bächlein fließen machen, läßt er nicht von Viertel- zu Viertelstunde ein Luftloch in dem Kanale, und daran wird er nicht denken.« | ||
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| + | Am andern Morgen aber, als der Meister kaum hinaus auf den Bau gegangen war, kam auch der fremde Magister wieder und erkundigte sich neugierig, ob denn sein Mittel gewirkt habe. Die schwatzhafte Frau aber bejahete nicht blos diese Frage, sondern erzählte ihm auch haarklein, was er ihr im Traume geoffenbart hatte. Als jener aber vernommen, was er wissen wollte, verschwand er plötzlich mit höhnischem Lachen. Meister Gerhard aber stand inzwischen hoch oben auf des Thurmes Platte und trieb die Arbeiter zu immer eifrigerer Thätigkeit an, denn er sah ein schweres Gewitter aus Abend her über die Stadt heranziehen. Noch regte sich kein Lüftchen, es herrschte eine dumpfe Schwüle in den Lüften, da auf einmal glaubte der Meister ein sonderbares Geräusch zu vernehmen, und wahrlich ein lustiges Bächlein rann heran und zwei Enten schwammen auf demselben und ihr munteres Geschnatter scholl herauf in die Luft. Da erfaßte wilde Verzweiflung den Meister, er stürzte sich hinab von der Zinne des Doms, in demselben Augenblick aber entlud sich das Wetter mit furchtbarer Gewalt, mit wildem Grimm rollte der Donner durch die von allen Seiten durch Blitze zerrissene und wie in einem Feuermeer stehende Luft. Von den Thürmen aber erscholl die Feuerglocke, | ||
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| + | Meister Gerhard aber hält noch in nächtlicher Stunde seinen Gang um den Bau, sich an seinem Werke weidend, das noch Keiner nach ihm zu vollenden vermocht hat. Indeß der böse Feind war schon darüber ergrimmt, daß der Bau wenigstens so weit vollendet war, denn im Jahre 1438 schleuderte er eine der mächtigsten Spitzsäulen durch das Gewölbe der Chorrundung, | ||
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| + | Der geheimnißvolle Bann scheint aber endlich gehoben zu sein, denn bekanntlich gedeiht der Wiederherstellungsbau des herrlichen Werkes zur Freude aller Frommen und Kunstfreunde und wenn er dereinst vollendet sein wird, da wird wohl auch der spukende Meister die langersehnte Ruhe finden.((Ganz anders ist die Sage erzählt bei Ziehnert, Preußens Sagen Bd. I. S. 288 und bei Kiefer S. 37 etc.)) | ||
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sagen/graessepreussenii047.1737476693.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
