sagen:graessepreussenii034
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Nächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:graessepreussenii034 [2025/01/21 17:20] – angelegt ewusch | sagen:graessepreussenii034 [2025/01/30 17:50] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 3: | Zeile 3: | ||
| [[sagen: | [[sagen: | ||
| + | ====== Das Heinzelmännchen ====== | ||
| + | Romantisch behandelt von Müller, Siegburg S. 167 etc. | ||
| + | |||
| + | Einst lebte in der heiligen Reichsstadt Cölln ein armer Schneiderlehrling, | ||
| + | |||
| + | Nach vierjähriger Abwesenheit zog es ihn aber doch zu sehr in seine Vaterstadt zurück, und so eilte er denn rüstigen Schrittes nach dem vielthürmigen Cölln zurück; er hatte von Frankfurt aus den Weg durchs Gebirge gewählt und war vom letzten Nachtlager schon vor Tages Anbruch aufgebrochen, | ||
| + | |||
| + | Der Schneider lachte über sich selbst, denn er glaubte, seine Einbildungskraft habe ihm einen Streich gespielt, und nachdem er sich mittlerweile auch hinreichend ausgeruht fühlte, setzte er seinen Weg wieder fort. Als aber die Sonne in ihrer ganzen Majestät hinter dem Dome niedersank, da hatte er auch das Thor des alten Cölln erreicht und sein erster Gang war natürlich nach dem Hause des Altmeisters. Ehe er aber dasselbe noch erreichte, besann er sich, daß jetzt gerade die Zeit sei, wo seine Geliebte an den Brunnen zu gehen pflegte um einige Augenblicke mit andern jungen Mädchen zu verplaudern. Und siehe, er hatte sich nicht geirrt, schon von weitem hatte sie ihn erblickt, sie rief ihm einen freudigen Willkommen zu, sprang ihm in die geöffneten Arme und so zogen sie denn Hand in Hand nach dem Hause ihres Vaters. Dieser aber stand schon vor der Thüre und war im Begriff, sein Töchterchen, | ||
| + | |||
| + | Mittlerweile ward aber der Altmeister, weil er einer der wohlhabendsten Mitglieder der Cöllner Schneiderzunft war, zum Bannerherrn derselben erwählt und diese Standeserhöhung machte ihm den Kopf vor Eitelkeit schwindelig, | ||
| + | |||
| + | Erwacht hielt er alles so lange für einen Traum, bis ihn die Fragen seiner Tochter und Gesellen, warum er im Gesichte so braun und blau aussehe, eines Besseren belehrten. Er wußte auf Befragen nichts anderes zu[43] erwidern, als er sei im Schlafe aus seinem Bette gefallen. Mittlerweile kam ihm aber doch immer wieder der Gedanke, er brauche sein im Stillen den Quälgeistern gegebenes Versprechen nicht zu halten, aber siehe da augenblicklich fing das Stechen, Schlagen und Kneipen wieder an, so daß er wie besessen auf von seinem Stuhle und in der Stube herumsprang, | ||
| + | |||
| + | Da war nun freilich guter Rath theuer, zu einem Kleide für die Braut wäre freilich leicht Rath geworden, denn die Jungfrau Margarethe hatte eine reiche Garderobe und da ließ sich leicht irgend ein Kleid zu einem Brautkleide verwenden, allein damit war es nicht abgethan, eine Hochzeit kostet Geld, und der Bräutigam hatte nichts als seine zwei Hände und wenige Sparpfennige. Da dachte er, der kleine Heinzelmann mag Dir helfen, und so nahm er denn wenige Tage vor der bereits angesetzten Hochzeit Abschied von seiner Braut, angeblich um einige Familiengeschäfte in Ordnung zu bringen. Das war aber nur ein Vorwand, denn er marschirte wieder ins Siebengebirge und als die Sonne im Mittag stand, da war er wieder auf der Berghalde angelangt, wo er vor nun mehr denn einem Jahre das Abenteuer mit der Eidechse bestanden hatte. Und siehe die Eidechse war auch wieder da und gleichzeitig auch das kleine Männlein mit dem grüngoldenen Mantel, der Krone und dem Scepter. Dasselbe nickte ihm freundlich zu mit dem Bedeuten, daß er ihm folgen solle und so ging es denn durch Schluchten und Gründe immer tiefer ins Gebirge bis dahin, wo der Auelberg und die Rosenau sich mit ihren Abhängen treffen und ein wildes Gerölle nach einem jähen Abgrunde führt. Der kleine Zwerg kletterte hinab, nicht ohne Anstrengung versuchte es auch der Schneider und befand sich bald in einem wunderschönen Garten, vor einem hohen Felsenthore, | ||
| + | |||
| + | Als er erwachte lag er aber unter derselben Buche, wo er sich zuerst niedergelassen hatte und hielt alles Gesehene so lange für einen Traum, bis er aufstand, denn da fühlte er an der Schwere seiner Taschen, daß allerdings die Goldstücke, | ||
| + | |||
| + | So konnte denn am andern Morgen die Hochzeit wirklich stattfinden. Nachdem dieselbe vorüber war, begab sich der Brautzug nach dem sogenannten Quattermarkt, | ||
| + | |||
| + | Als nun das junge Ehepaar allein war, da wartete aber eine neue Ueberraschung auf dasselbe, denn als die junge Frau in die Küche trat, da glänzte ihr das schönste und blankste Zinn- und Kupfergeschirr aus derselben entgegen und ebenso lachte sie das weißeste Linnenzeug aus den weitgeöffneten Schreinen an. | ||
| + | |||
| + | Unser Pärchen lebte nun selig in seinem Glücke dahin. Es war aber auch eine Lust zu sehen, wie in der kleinen Wirthschaft Alles wie an einem Fädchen ging. Wenn die junge Frau aufstand, fand sie das Haus vom Boden bis zum Keller gereinigt, alles den Tag über gebrauchte Geschirr aufgeräumt, | ||
| + | |||
| + | Als aber ein Jährlein ins Land gegangen war, da hatte sich auch die Familie des jungen Ehepaares um eine Person vermehrt, einen dicken, muntern Burschen hatte der Storch ins Haus gebracht und wie die Heinzelmännchen bisher die Wirthschaft und Schneiderei besorgt hatten, so nahmen sie sich nun in der Nacht der Erziehung des jungen Weltbürgers an und dieser gedieh nunmehr herrlich bei dieser Pflege. Hatte aber bis dahin die junge Frau immer ihre Neugierde bezwungen, allein jetzt vermochte sie es nicht länger zu ertragen, sie mußte sehen wie die kleinen Männchen ausschauten, | ||
| + | |||
| + | In dem Augenblicke, | ||
| + | |||
| + | Es kam aber genau so, wie Heinrich vorhergesehen hatte, die Heinzelmännchen waren und blieben fort, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche harrte man ihrer vergebens. In derselben Nacht aber, wo Gretchens Neugierde die freundlichen Kleinen verscheucht hatte, war am Ufer des Rheins ein buntes reges Treiben, aus allen Kanälen wimmelte es von den spannhohen Männlein, die ihre ganze Habe mit sich schleppten und sich eilten und sputeten, um noch vor dem ersten Scheine des Tages ein Schiff zu erreichen, das dazu bestimmt war, sie wegzuführen. Als sie Alle am Bord des Schiffes waren, hörte man ein leises Wimmern und Schluchzen, ein Zeichen, daß die Kleinen nicht gern von Cölln schieden. Sie fuhren fort, Niemand weiß, wohin; mit ihnen aber soll, wie die Sage geht, die alte gute Zeit verschwunden sein. | ||
| //Quelle: [[autor: | //Quelle: [[autor: | ||
sagen/graessepreussenii034.1737476450.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
