sagen:graessepreussenii031
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| + | ====== Der starke Hermel ====== | ||
| + | Nach Montanus Bd. I. S. 355 etc. | ||
| + | Leibing S. 48. | ||
| + | Müller S. 26 etc. | ||
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| + | Vor alten Zeiten kamen große Heidenheere den Rhein herabgezogen, | ||
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| + | Es lebte in jenen Bergen ein junger Bursche, den sie alle den starken Hermel nannten. Derselbe war von hoher Gestalt, wohl sechs Ellen lang, breitschultrig und hatte gewaltige Kräfte. Man sagte, er habe sieben Jahre an seiner Mutter Brust gelegen, daher sei er so stark geworden. Dabei war er aber so gutmüthig, daß er keinem Kinde etwas zu Leide gethan hätte. Seine Geduld war so groß, daß man ihn kaum zum Zorne reizen konnte, und in seiner Einfalt that er Alles, was ihm seine Herren befahlen. Als er zwanzig Jahre alt war, sollte er den fremden Heiden dienen. Die freuten sich sehr des kräftigen Gesellen und meinten, daß er ihnen manch schönes Stück Arbeit verrichten solle. Das that er denn auch, aber viel besser, als den Herren lieb war. | ||
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| + | Als der Tag kam, wo er seine Arbeit beginnen sollte, da schlief er bis die Sonne hoch am Himmel stand, und es kümmerte ihn wenig, daß die anderen Dienstleute schon lange in der Scheune gedroschen hatten. »Fauler Tagedieb«, sprach man zu ihm, »Du wirst wohl Dein Tagewerk nicht mit den Andern fertig bekommen!« Da sah er sich um nach dem, was die Anderen schon gedroschen und nach dem, was noch übrig war, und sprach dann ruhig: »Um so geringer Arbeit willen hättet Ihr mich wohl nicht so früh in meinem Schlafe zu stören brauchen, mit dem ganzen Vorrath mag ich schon noch vor Mittagszeit fertig werden, wenn man mir nur darnach genug Bier und Fleisch zur Mahlzeit und Stroh zum Lager geben will.« Dies wurde ihm versprochen. Darauf ging der starke Hermel in den Wald und zog einen mannshohen Eichenstumpf aus der Erde, wie man eine Rübe aus dem Felde zieht, hierauf riß er eine der längsten Tannen aus und befestigte daran den Eichenstumpf mit einem tüchtigen Seil. »So«, sprach er, »nun hab' ich einen guten Dreschflegel.« Damit ging er zur Scheune, deckte vorsichtig das Dach ab, wie man einen Deckel vom Topfe nimmt, und stellte es bei Seite, daß es keinen Schaden litt beim Dreschen. Wer hatte jemals solch Dreschen gesehen? Das Stroh stob umher, nicht anders, als habe es ein Wirbelwind ergriffen. So war er denn in einer halben Stunde mit dem ganzen Vorrath zu Ende. Darauf kehrte er das Dach um, schüttete das gesammte Korn in die Höhlung desselben und schüttelte es wie eine Futterschwinge, | ||
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| + | Das war den Heiden denn doch zu viel. Sie sprachen: »Wenn der starke Hermel also mit Bäumen, Häusern, Ochsen und Wagen umspringt, so kann er uns am Ende wohl mehr schaden als nützen. Es ist Zeit, daß wir ihn los werden.« Sie hielten also Rath, wie man ihn am Besten aus dem Wege räumen könnte. Unterdessen aber gaben sie ihm einige Malter Mehl, damit er daraus für sich und seine Genossen Brod backen möge. Als man hinkam, um dasselbe abzuholen, da lag der starke Hermel wieder auf seinem Stroh und schnarchte laut. Der Ofen war längst erkaltet und weder Brod noch Mehl zu finden. Man weckte ihn endlich auf und fragte ihn darnach. Er rieb sich die Augen und die Stirn und sagte nach langem Besinnen: »Ihr hattet mir keine Zuspeise zu meinem Ochsenbraten gegeben, da habe ich das Brod, wie es aus dem Ofen kam, zu dem Fleische verspeist. Für solche Mahlzeit will ich Euch wohl alle Tage arbeiten, so viel ich vermag.« Da meinten die Heiden, daß es Zeit sei, ihren Plan auszuführen und Einer sprach zum starken Hermel: »Komm hinunter in den Hof, Hermel, dort sollst Du einen Brunnen reinigen, der ist fünfzig Klafter tief, wenn Du das gethan, so magst Du ein Nachtmahl bekommen, wie Du es gern hast.« Der starke Hermel stieg getrost in den tiefen Brunnen und füllte unten den Eimer mit Schlamm, der alsdann heraufgezogen wurde. Unterdessen wälzten die Heiden hinterlistig eine Menge großer Steine an den Rand des Brunnens und stürzten sie dann plötzlich hinab, um den starken Hermel zu zerschmettern. Der sang aber ein lustiges Lied zur Arbeit und ließ sich darin gar nicht durch die stürzenden Steine stören. Nur zuletzt als immer gewaltigere Blöcke fielen, rief er hinauf: »So jagt doch die Hühner dort oben vom Brunnenrande hinweg, sie scharren mir so viel Kieselsteine und Staub in die Augen, daß ich nicht mehr arbeiten kann.« – »Ei«, dachten die Heiden, »wenn Du das Kieselsteine nennst, so wollen wir Dich schon etwas anderes lehren.« Da mußten zehn Mann mit Hebebäumen einen gewaltigen Mühlstein an den Brunnenrand rollen und ihn endlich hineinstürzen. »Jetzt wird er nicht mehr spotten«, jubelten die feigen Männer. Aber da lachte der starke Hermel recht herzlich aus dem Grunde des Brunnens herauf und rief: »Tausend Dank, Ihr lieben Herrn, für den schönen dauerhaften Halskragen, den Ihr mir da heruntergeworfen habt.« Da schauten sie erstaunt hinab, und siehe da, der Hermel arbeitete ruhig fort und trug den Mühlstein um seinen Hals, wie ein Knabe sein feines Sonntagskräglein. | ||
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| + | Das war den Heiden denn doch zu arg und sie beschlossen, | ||
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| + | Bei Tagesanbruch riefen die Heiden den Hermel wieder und sprachen zu ihm: »Hermel, Du machst uns zu armen Leuten, wenn Du noch länger bei uns bleibst; gehe Du also in die Hölle zum Teufel und sage ihm, er möge Dir einen Sack mit Geld geben, so groß und schwer, wie Du ihn tragen kannst, den bringe uns herauf, dann sollst Du gute Tage haben.« Der Hermel war's zufrieden und bat nur, daß sie ihm einen Wegweiser mitgäben, der ihn bis an's Thor der Hölle führe. Da gaben sie ihm einen Jungen, der führte ihn zum Heidenkeller bei Vollberg, dort stieg der Hermel hinab, und der Bursche kehrte zurück und erzählte das den Herren. Da jubelten sie wiederum und sprachen: »Nun endlich sind wir ihn los, jetzt ist es ganz gewiß um ihn geschehen. Nirgends ist der Hahn so frech als auf dem Mist, und den Teufel in der Hölle wird auch der Hermel nicht unterkriegen.« | ||
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| + | Der Hermel hatte unterdessen saure Arbeit. Er arbeitete sich stundenlang unter dem Berge in langen dunkeln Gängen durch, wohin niemals ein Sonnenstrahl gefallen war. Endlich stand er vor einem eisernen Thor. Er pochte und rüttelte daran, aber lange Zeit vergebens. Da that er einen gewaltigen Fußtritt dagegen, daß die Thür mit Krachen zusammenbrach. Da blickte er tief unten in einen großen Raum, der von unzähligen Feuern erhellt war, um die sich seltsame Gestalten bewegten, wie er sie nie gesehen hatte. Er stieg nun die große Treppe in die Tiefe hinab und verscheuchte mit dem Sacke, den er mitgenommen hatte, die großen Fledermäuse, | ||
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| + | Der Hermel wurde nun zu dem Höllenfürsten selbst geführt. Der saß auf einem feurigen Thron und fragte ihn, wer er sei und was er hier wolle. Da erzählte der Hermel ihm treulich, wie seine Herrn ihn nicht mehr auf der Erde ernähren könnten und ihn deshalb in die Hölle geschickt hätten, damit er hier Geld hole. Der Teufel lächelte und sagte: »Du bist ein wackerer Bursche, ich will Dir drei Stücklein vorschlagen, | ||
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| + | »Nur heraus damit, Herr Teufel«, sagte der Hermel. Da holte derselbe ein großes Jagdhorn, das war unten so weit, wie die größte Weintonne, und sprach: »Nun laßt uns sehen, wer am stärksten blasen kann!« Der Teufel setzte zuerst an und blies einen Ton, so gewaltig, daß der Berg erbebte und sechs der nächtlichen Feuer erloschen. Als aber der starke Hermel ins Horn stieß, gab es einen Knall, das Horn zerplatzte, und ein Stück flog dem Teufel an den Kopf, daß ihm die Hörner wackelten und das Blut aus der Nase floß. Ringsum aber waren wohl hundert Feuer erloschen und die beiden Bläser standen fast im Dunkeln. Darauf holte der Teufel einen Stein so groß wohl wie ein Backhaus und warf ihn grad in die Höhe, daß er wohl den Wipfel eines Pappelbaumes erreicht hätte. Nun sollte der Hermel werfen. Er wog den Stein lange in der Hand wie einen Ball und sagte dann: »Ich will, ehe ich werfe, doch hinausgehen in den Wald und einige Eichbäume holen, die stärksten, die ich finden kann.« – »Was willst Du denn damit?« fragte der Teufel. »Das Gewölbe stützen«, antwortete der Hermel, »damit es uns nicht über dem Kopfe zusammenbricht, | ||
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| + | Eines Tages schickten sie ihn hinaus in den Wald um dort Holz zu fällen. Nachdem er hier viele Bäume geschlagen und aufeinander geschichtet hatte, legte er sich nach seiner Gewohnheit hin um sein Mittagsschläfchen zu halten. Rings um ihn her waren viele Haufen gefällten Holzes aufgeschichtet, | ||
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