sagen:graessepreussen648
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| + | ====== Das große Weinfaß auf den Spiegelsbergen ====== | ||
| + | Nach Otmar S. 295 etc., | ||
| + | abgedruckt in den Sagen aus der Vorzeit des Harzes S. 86 etc. | ||
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| + | Einst saß der Bischof Heinrich von Halberstadt (gegen Ende des 16. Jahrhunderts) mit einem andern fremden Bischof, der seit einem Monate schon sein Gast war, an einem schönen Sommerabend im Freien vor seinem Schlosse zu Gröningen. Sie hatten, seitdem sie sich zur Mittagstafel gesetzt, von nichts als von dem großen Weinfaß gesprochen, welches sich damals ein Bischof am Rhein hatte erbauen lassen und waren darin einig, daß eigentlich ein jeder geistliche Herr ein solches haben solle. Allein mit der Ausführung konnten sie nicht auf's Reine kommen. Da trieb der bischöfliche Hirte Konrad die schöne ihm anvertraute Schafheerde quer über den Schloßhof und bot seinem Herrn einen guten Abend. Der Bischof dankte ihm gnädig und sprach: »Höre, Konrad, wo ist denn Harm?« Da pfiff der Schäfer und ein schöner großer Widder sprang erst zum Schäfer und dann zum Bischof, der ihn streichelte und mit den Brocken, die er selbst von der Tafel für ihn aufbewahrt hatte, fütterte. Er sprach dann noch einige Worte mit ihm und fragte ihn lächelnd, wann er denn Hochzeit machen werde? Konrad zuckte die Achseln und trieb seine Heerde in den Stall. | ||
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| + | Da wunderte sich der fremde Bischof gar sehr, wie es komme, daß sein geistlicher Herr Bruder soviel Umstände mit seinem Schäfer mache, allein dieser sagte, sein Schäfer sei der beste und ehrlichste Mensch in seinem Sprengel und verdiene seine Gnade im vollen Maße. Darüber lachte aber der fremde Bischof laut und meinte, er habe darin mehr Erfahrung, ganz ehrliche Diener zu finden sei ganz unmöglich, wenigstens an einem geistlichen oder fürstlichen Hofe, sie seien alle Schelme und betrögen ihre Herren, nur einer mehr, der andere weniger. Der Halberstädter Bischof aber widersprach ihm auf das Entschiedenste und vertheidigte die Treue seines Schäfers, so daß, indem Jener von seiner Behauptung nicht abstehen wollte, nichts übrig blieb, als den armen Konrad in Versuchung zu führen. Die beiden Bischöfe wetteten um ein Weinfaß, das 150 Fuder Wein fassen könnte, das sollte der, welcher die Wette verlöre, dem andern bauen lassen. Damit gingen sie Beide schlafen. | ||
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| + | Der fremde Bischof aber ließ, ehe er sich niederlegte, | ||
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| + | Sie ging wie zufällig in die Gegend, wo Konrad seine Heerde durchtreiben mußte, krauten. Ihr Konrad freute sich nicht wenig, als er seine Schöne erblickte, er flog zu ihr hin, um sie zu begrüßen, allein sie empfing ihn wider Erwarten ziemlich kalt und als er sie fragte, warum sie nicht freundlicher sei, da versetzte sie, wenn er ihr nichts Neues über ihr zukünftiges Häuschen sagen könne, wie er dies beschaffen wolle, werde er noch oft so ein finsteres Gesicht bei ihr zu sehen bekommen. Darüber ward denn Konrad ganz traurig und meinte, ob es denn sonst nichts gebe, was er ihr zu Gefallen thun könne, um ihr ein freundliches Gesicht abzugewinnen. Darauf antwortete die Liese, welche dieses Anerbieten eben nur bezweckt hatte, sofort damit, daß sie ihm sagte, er möge ihr seinen Harm schenken, daß sie ihn verkaufen und sich von dem Erlös ein Häuschen kaufen könne. Traurig erwiederte Konrad: »Verlange was Du willst, nimm die besten zehn Schafe aus der Heerde, nimm alle fünfzig, die mir gehören, nur den Widder laß mir, zwar gehört er mir eigenthümlich, | ||
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| + | Konrad ließ sich denn endlich überreden, ihr den Widder noch vor Mittag zu überliefern und sie versprach ihm dafür, binnen vier Wochen seine Frau zu werden, und damit trennten sie sich. Als jedoch der Schäfer seine Geliebte nicht mehr sah, da fing er an Gewissensbisse zu empfinden, zwar stiegen böse Gedanken in ihm auf, die ihm vorspiegelten, | ||
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| + | Nun war aber für denselben Abend von den beiden Bischöfen Konrads Ehrlichkeitsprüfung angesetzt worden. Sie saßen abermals bei einem Becher Wein vor dem Schloßthore und erwarteten Konrad, der mit seiner Heerde vorbeikommen mußte, wo freilich der Widder fehlte, den der fremde Gast bereits in seinem Besitz hatte. Natürlich kam es auch so, Konrad kam mit seiner Heerde an, allein diesmal sprang kein Widder lustig zum Bischof Heinrich, um sich von ihm füttern zu lassen. Augenblicklich fragte dieser: »Wo ist Harm?« Da antwortete Konrad mit fester Stimme: »Den habe ich verkauft, Herr Bischof; ehrlich währt doch am Längsten, dies ist mein Wahlspruch und soll es immer bleiben!« Dem Diener des fremden Bischofs, welcher für seinen Herrn schon die Wette gewonnen zu haben geglaubt hatte und in der Nähe war, gefiel diese Rede Konrads nicht sonderlich. Der Bischof aber ward sehr zornig und fuhr den Schäfer hart an: »Warum hast Du ihn verkauft, ohne mir ein Wort zu sagen? ich hätte Dir das Zehnfache bezahlt!« Da versetzte Konrad: »Ein Schelm hat meine Braut verführt, wie einst die Schlange die Eva, und dann hat diese mich verführt, wie einst Eva den Adam. Ich weiß den Namen desselben, allein ich will ihn nicht nennen, wenn er mir meinen Harm wiedergiebt. Liese hatte ohne mein Wissen sich verleiten lassen, das Thier zu verkaufen, darum mußte ich dasselbe hergeben, so schwer es mir wurde, ihr Wort konnte ich sie nicht brechen lassen, das ist der Grund, warum ich den Widder weggegeben habe!« Zwar wollte Bischof Heinrich schmählen, allein der fremde Gast sprach: »Ich habe die Wette verloren, dies war die Probe.« Der Halberstädter aber freute sich mehr über die bestandene Ehrlichkeitsprüfung seines Schäfers, als über das gewonnene Weinfaß, und so versprach er ihm denn die Hochzeit auszurichten und noch die halbe ihm anvertraute Heerde dazu schenken zu wollen. Der Gast aber wollte nicht nachstehen, er gab ihm den Widder zurück und ließ ihm auch das dafür gezahlte Geld als Hochzeitsgeschenk. Treu seinem Worte ließ er aber das große Weinfaß bauen, das sonst so manchen Reisenden nach Gröningen zog, sich jetzt aber auf den Spiegelsbergen bei Halberstadt befindet. | ||
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| + | An dieses Weinfaß, dessen Erbauer Michael Werner aus Landau war, der auch das große Heidelberger Faß gemacht hatte, und für das ein besonderer Keller im Schlosse Gröningen hatte eingerichtet werden müssen, denn es faßte 141 Fuder Weins, war 636 Centner schwer (124 Centner wogen allein die eisernen Schienen und Reifen, sowie die 955 Schrauben daran), 30 Werkschuhe lang und 18 Werkschuhe dick und trug eine Aufschrift, worin alles dies gesagt war, knüpft sich aber noch eine andere Sage, welche also lautet: | ||
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| + | Als es noch zu Gröningen lag, trug es sich zu, daß an einer von den Kellerwänden, | ||
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| + | Noch hatte er nicht minutenlang gesessen, als er in der einen Kellerecke ein weißes aus dem Boden aufsteigendes Licht erblickte, das nach und nach den ganzen Kellerraum erhellte. So furchtlos und keck nun aber auch unser Andreas sonst war, so fing es ihm doch an etwas grausig zu Muthe zu werden, und als er nun gar noch in der Mitte des Lichtscheines ein kaum zwei Spannen hohes, erdfahles Männchen aus dem Kellersande sich hervorwühlen sah, da stiegen ihm die Haare zu Berge und er schlug ein Kreuz. Der Zwerg aber ließ sich dies nicht anfechten, sondern er kam auf ihn los und hieß ihn gutes Muthes sein und forderte ihn auf, sich eine Gnade von ihm auszubitten. Andreas aber verlangte zum großen Erstaunen des Erdmännchens weiter nichts, als daß er ihn aus dem Keller lassen solle. Da meinte dasselbe, wenn es weiter nichts wäre, das solle bald geschehen sein, so er aber wieder einmal Durst nach einem Trunke aus dem großen Weinfaß verspüre, solle er nur um Mitternacht mit dem linken kleinen Finger an den Mittelnagel des Thürschlosses dreimal klopfen, und er wolle ihm öffnen. Nun öffnete der Zwerg die eiserne Thür und Andreas lief, ohne sich umzusehen, so schnell als er konnte nach seiner Wohnung und gelobte sich selbst bei allen Heiligen, dem großen Fasse und dem Erdmännchen nie in seinem Leben wieder zu nahe kommen zu wollen. Nach einigen Stunden Morgenschlafes begab er sich zu dem Kellermeister, | ||
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| + | Nun war aber denselben Abend vorher auch der Kellermeister in den Keller gegangen und hatte sich, um ungestört den Geist und die Güte des neuen Getränkes zu prüfen, eingeschlossen, | ||
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| + | Unterdessen war auch Andreas von seinem Weinrausche erwacht und als er das Rasseln an der Thüre hörte, auf das große Weinfaß gestiegen und hatte sich darauf still niedergelegt. Hier konnte er, sich ruhig verhaltend, nicht leicht entdeckt werden, aber er kam auf den unklugen Einfall, während der Kellermeister im hintersten Theile des Kellers suchte, an der Vorderseite des Fasses herabzuspringen, | ||
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