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sagen:graessepreussen498

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-====== Das Heidengrab und der Ottilienstein ======+====== Der rothe Stein ======
  
-    Nach Bechstein Bd. II. S. 25.+    Nach Bechstein Bd. II. S. 27.
  
-Ueber der Bergstadt Suhl(a) erhebt sich der Dell- oder Döllbergauf dessen Kuppe ein Hügel ruht, der das Heidengrab heißt. Auf diesem Hügel hat vermuthlich ein Tempel der alten Germanen gestandenum den sich die Sachsen schaartenals sie von Karl d. Gr. gedrängt wurden. Lange hatten die Letzteren vergeblich das Lager ihrer Gegner gesuchtbis aufsteigender Rauch es ihnen verrieth, dann aber umzingelten und erstürmten sie es, erschlugen Alle, die darin waren, und brachen natürlich auch die Mauern des TempelsDie Leichname ruhen in dem großen Hügel, den man noch das Heidengrab nennt.+Wenn man von [[geo:Suhl]] die Straße nach [[geo:zellamehlis|Zella]] zu gehtsteht, ehe man in das sogenannte Oberland gelangt, ohnweit des Weges ein rothfarbiger Porphyrfels nackt zu Tage, der heißt der rothe Stein. An seinem Fuße entspringt eine Quelle, deren Rinnsal man das rothe Bächel heißt. In diesen Stein ist eine [[wesen:verfluchtejungfrau|Jungfrau]] gebannt und gezaubertwelcher vergönnt istalle sieben Jahre zu erscheinen; da sitzt sie, strählt ihr Goldhaar und nießt. Ein Mann hörte sie sechsmal nießen und rief ihr freundlich sein »Gott helf!« hinauf; als sie aber zum siebenten Male nießteward er zornig und schleuderte einen Fluch zum rothen Stein hinaufDa rief eine klagende Stimme: »O hättest Du nur noch einmal gewünscht, daß Gott mir helfe, so wäre mir geholfen und ich erlöst worden! Nun muß ich im Steine bleiben bis zum jüngsten Tage.«
  
-Unmittelbar über der Stadt Suhl zur Linken erhebt sich steil emporsteigend die waldige Wand des Dombergesan der ein riesiger Felsblock zu Tage tritt, der sogenannte Ottilienstein. Hier wandelt eine weiße Frau herum, die auf Erlösung harrt. Das soll dieselbe Frau gewesen seindie einst hier ein Hirte traf und die ihm weissagte, die Stadt werde bald in Feuer aufgehen. Ueber diese Prophezeiung erboste sich der Hirte so, daß er die Weissagerin vom Felsen herunterstieß; sie ging aber unversehrt vom jähen Absturz hinweg, und Suhl brannte wirklich bald nachher abIm Mittelalter stand auf dem Felsen, den heute ein Lusthäuschen in Form einer Kapelle zierteine wirkliche Kapelle, der heil. Ottilie gewidmet. Dort sah ein armer Kupferschmiedslehrling häufig zur Nachtzeit ein Lichtchen schimmern und beschloß endlich hinzugehen und nachzusehen, was es damit für eine Bewandtniß habe. Er klettert zum Stein hinaufkommt an den Ort, den er sich genau gemerkt, und findet kein Licht. Aber ein Kober stand dort und der Kober war voll gelber Frösche. Flugs schüttete er den Kober aus – da wurden die Frösche zu eitel gelbgrünen leuchtenden Johanniswürmchen, die in die Büsche flogen. Den Kober aber nahm der Lehrling mit nach Hausedort sah er nach, ob noch etwas darin sei, und da waren allerdings noch ein paar Frösche darinWie er diese aber ausschüttete, da wurden keine Johanniswürmchen daraus, sondern blanke Goldstücke. So fand einst auch die Enkelin einer armen Frau, welche in dem Lautergrunde nahe bei Suhl einen kleinen Garten hatte, mitten im Wege einen Topf, der voll lebendiger Roßkäfer war, die heraus- und herumkrochen. Das Kind sammelte einige dieser Käfer und brachte sie seiner Großmutter, die hieß es aber schnell hingehen und den ganzen Topf holen. Als aber das Mädchen wieder in den Garten zur Stelle kam, waren Topf und Käfer verschwunden, und nur die wenigen, die sie eingefangen, hatten sich in Petersbatzen verwandelt.+Bisweilen gehtwenn sie erscheinen darf, die Jungfrau bis zum rothen Bächel hinabüberschreitet es und wäscht sich darinEines Tages schritt ein Hochzeitszug am rothen Steine vorübervielleicht hinauf nach dem Gasthause zum fröhlichen Mann, da rief es mit heller Stimme aus dem Steine heraus: »Heute rothüber's Jahr todt!« so daß allen im Brautzuge das Herz erschrackEin Jahr darauf aber war die junge Frau todt, der als glückliche Braut die schaurige Weissagung gegolten hatte.
  
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-  * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 457-458;//+  * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 458-459;//
  
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