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sagen:graessepreussen497

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-====== Das Gottesfeld ======+====== Das Heidengrab und der Ottilienstein ======
  
-    Nach Bechstein, Thüringer Sagenbuch Bd. II. S. 35.+    Nach Bechstein Bd. II. S. 25.
  
-Drei Stunden von [[geo:Schleusingen]] in der Richtung nach Suhl erhebt der Adlersberg seinen breitenkahlenunfruchtbaren Gipfel. An ihm liegt das Gottesfeldeine verrufene Stätteüber welche auch im heißesten Sommer die Luft kalt hinstreichtEine Stadt lag einst auf dieser aussichtreichen Höhereich und schön, aber die Tugend und Gottesfurcht wohnten nicht in ihrsondern die Einwohner waren gottlos und forderten durch Missethaten aller Art die Strafe des Himmels so lange heraus, bis sie sie traf. Die Stadt versank mit allen ihren Einwohnern, und das Feld, das der Zorn Gottes getroffen, wurde ein großes weites Grab. Einst wühlte ein wildes Schwein auf dem Berge und ein Hirte fand an dem Orte, wo dasselbe gewühlt, das Oehr einer großen Glocke dem Boden entragenwarf etwas auf sie und grub sie dann vollends aus. Darauf wurde die Glocke nach Schleusingen gebracht und dort geläutet. Aber ihr Ton war schauerlich und beim dritten Mal Läuten zersprang sie. Darauf wurde sie umgegossen, allein es war derselbe Schall wie vorher, es klang immer ohrzerreißender: Sau aus! Sau aus! und dann zersprang die Glocke abermals. Noch einmal goß man die Glocke um, aber der Ton war und blieb derselbe, worauf man, da man sie zu Gottes Ehre nicht läuten konnte, bestimmte, daß sie blos als Sturm- und Feuerglocke geläutet werde.+Ueber der Bergstadt [[geo:suhl|Suhl(a)]] erhebt sich der Dell- oder Döllbergauf dessen Kuppe ein Hügel ruhtder das Heidengrab heißt. Auf diesem Hügel hat vermuthlich ein Tempel der alten Germanen gestandenum den sich die Sachsen schaartenals sie von [[vip:karldergrosse|Karl d. Gr.]] gedrängt wurdenLange hatten die Letzteren vergeblich das Lager ihrer Gegner gesuchtbis aufsteigender Rauch es ihnen verriethdann aber umzingelten und erstürmten sie es, erschlugen Alle, die darin warenund brachen natürlich auch die Mauern des Tempels. Die Leichname ruhen in dem großen Hügelden man noch das Heidengrab nennt.
  
-//Quellen:// +Unmittelbar über der Stadt Suhl zur Linken erhebt sich steil emporsteigend die waldige Wand des Domberges, an der ein riesiger Felsblock zu Tage tritt, der sogenannte Ottilienstein. Hier wandelt eine [[wesen:weissefrau|weiße Frau]] herum, die auf Erlösung harrt. Das soll dieselbe Frau gewesen sein, die einst hier ein Hirte traf und die ihm weissagte, die Stadt werde bald in Feuer aufgehen. Ueber diese Prophezeiung erboste sich der Hirte so, daß er die Weissagerin vom Felsen herunterstieß; sie ging aber unversehrt vom jähen Absturz hinweg, und Suhl brannte wirklich bald nachher ab. Im Mittelalter stand auf dem Felsen, den heute ein Lusthäuschen in Form einer Kapelle ziert, eine wirkliche Kapelle, der [[vip:odilia|heil. Ottilie]] gewidmet. Dort sah ein armer Kupferschmiedslehrling häufig zur Nachtzeit ein Lichtchen schimmern und beschloß endlich hinzugehen und nachzusehen, was es damit für eine Bewandtniß habe. Er klettert zum Stein hinauf, kommt an den Ort, den er sich genau gemerkt, und findet kein Licht. Aber ein Kober stand dort und der Kober war voll gelber Frösche. Flugs schüttete er den Kober aus – da wurden die Frösche zu eitel gelbgrünen leuchtenden Johanniswürmchen, die in die Büsche flogen. Den Kober aber nahm der Lehrling mit nach Hause, dort sah er nach, ob noch etwas darin sei, und da waren allerdings noch ein paar Frösche darin. Wie er diese aber ausschüttete, da wurden keine Johanniswürmchen daraus, sondern blanke Goldstücke. So fand einst auch die Enkelin einer armen Frau, welche in dem Lautergrunde nahe bei Suhl einen kleinen Garten hatte, mitten im Wege einen Topf, der voll lebendiger Roßkäfer war, die heraus- und herumkrochen. Das Kind sammelte einige dieser Käfer und brachte sie seiner Großmutter, die hieß es aber schnell hingehen und den ganzen Topf holen. Als aber das Mädchen wieder in den Garten zur Stelle kam, waren Topf und Käfer verschwunden, und nur die wenigen, die sie eingefangen, hatten sich in Petersbatzen verwandelt. 
-  //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 457;//+ 
 +//Quelle: [[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 457-458;//
  
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sagen/graessepreussen497.1710446189.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)