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sagen:graessepreussen496

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-====== Die Todtenlache bei Rappelsdorf ======+====== Das Gottesfeld ======
  
-    S. Thüringen und der Harz Bd. VI. S. 91.+    Nach Bechstein, Thüringer Sagenbuch Bd. II. S. 35.
  
-Nach einer altherkömmlichen Sitte werden Verstorbene, die in der Stadt [[geo:Schleusingen]] ihre Ruhestätte erhalten, mit Leichenbegleitung bis an die sogenannte Todtenlache bei Rappelsdorf getragen. Von da aber wird der Sarg ohne weiteres Geleite nach Schleusingen gefahren. Diese Todtenlache ist ein mit Wasser gefülltes Lochüber 400 Fuß lang und gegen 100 Fuß breitder Sage nach unergründlich und überhaupt weit und breit verrufen in der UmgegendDas helle und klare Wasser hat die Eigenschaftdaß es im Winter nie ganz zufriertTief unter der Erde steht es in Verbindung mit Höhlen und Klüften des benachbarten Bergesdie Haardt geheißen, auch mit einem Brunnen im Bärengraben und mit dem sogenannten Mandellocheeinem mit Wasser gefüllten Erdfall auf der Rappelsdorfer Kuppe. Diese Todtenlache wird aber von Jahr zu Jahr größer und man erzählt von ihr folgende sonderbare Sage, die sich kurz vor dem 30jährigen Kriege zugetragen haben soll. +Drei Stunden von [[geo:Schleusingen]] in der Richtung nach [[geo:Suhl]] erhebt der Adlersberg seinen breitenkahlenunfruchtbaren GipfelAn ihm liegt das Gottesfeldeine verrufene Stätte, über welche auch im heißesten Sommer die Luft kalt hinstreichtEine Stadt lag einst auf dieser aussichtreichen Höhereich und schön, aber die Tugend und Gottesfurcht wohnten nicht in ihr, sondern die Einwohner waren gottlos und forderten durch Missethaten aller Art die Strafe des Himmels so lange heraus, bis sie sie trafDie Stadt versank mit allen ihren Einwohnernund das Feld, das der Zorn Gottes getroffen, wurde ein großes weites GrabEinst wühlte ein wildes Schwein auf dem Berge und ein Hirte fand an dem Orte, wo dasselbe gewühlt, das Oehr einer großen Glocke dem Boden entragenwarf etwas auf sie und grub sie dann vollends ausDarauf wurde die Glocke nach Schleusingen gebracht und dort geläutetAber ihr Ton war schauerlich und beim dritten Mal Läuten zersprang sieDarauf wurde sie umgegossenallein es war derselbe Schall wie vorher, es klang immer ohrzerreißenderSau aus! Sau aus! und dann zersprang die Glocke abermalsNoch einmal goß man die Glocke umaber der Ton war und blieb derselbeworauf manda man sie zu Gottes Ehre nicht läuten konntebestimmte, daß sie blos als Sturm- und Feuerglocke geläutet werde.
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-Es begab sich einst, daß aus der Todtenlache eine Nixe hervorkam, anzuschauen wie ein schlankes Mägdlein, mit scharlachrother Schärpe um die Lendendoch hintennach einen häßlichen Fischschwanz schleifend. Auch das Mieder war schuppig und von seegrüner Farbewie das Wasser in der TodtenlacheDabei trug sie ein schwarzes Korallenhalsband um den Hals und den Busen deckte ein rothes Tuch, an welchem ein Perlenstrauß befindlich war. In solcher Gestalt und Kleidung hatte das Wasserfräulein sich nach einem unweit Rappelsdorf gelegenen Wirthshause verfügtdie Hudelsburg geheißen. Dort war Alles fröhlich und guter Dinge, denn es ward dort eine Hochzeit gefeiertEs wählte sich aber die Nixe einen unter den muntern Junggesellen, zu dem sie sich an den Tisch setzte und mit ihm plauderte und koseteDer war der lange Friedel geheißen und gewann das holdselige Mädchen gar lieb und tanzte mit ihr um die Linde vor dem WirthshauseSie aber that gar schön mit ihm und herzte und küßte ihn und vertraute ihm im Stillen, wie sie so gar gern seine Braut wäre. Als nun der Abend herangekommen und es fast Nacht geworden, da sprach sie mit Thränen»Nun muß ich Dich verlassen und muß wieder hinab in das Wasser, wo ich wohne; denn ich bin schon lange bei Dir geblieben und bin hierher gekommen trotz meines Vaters VerbotIch fürchtedaß ich mit dem Leben dafür büßen muß. Lebe wohl und merke Dirwas ich Dir sage: Gehe morgensowie es tagtan die Todtenlache; ist das Wasser hell und grün, so sei Dir das ein Wahrzeichen, daß ich noch am Leben bin, wenn aber die Fluth bleich aussieht und todtenfarbig, dann magst Du Dich überzeugt halten, daß auch mein Auge im Tode erloschen ist.« So sprechend küßte sie ihren Geliebten und entwich. Er fand aber, als er am andern Morgen an die Todtenlache kam, das Wasser bleich und wie mit Blut gefärbt. Da ergriff ihn Verzweiflung und er sprang hinab, um sich durch den Tod mit seiner Geliebten zu vereinigen.+
  
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-  * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 456-457;//+  * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 457;//
  
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