sagen:graessepreussen489-05
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| - | ====== Der verzauberte Kaiser | + | ====== Der verzauberte Kaiser ====== |
| - | Ein [[typ:Bergmann]], der still und fromm für sich lebte, ging einst am dritten [[zeit: | + | Ein Bergmann, der still und fromm für sich lebte, ging einst am dritten [[zeit: |
| - | Dem Bergmann grauste es über seinem ganzen Körper; doch der Mönch sprach ihm so tröstlich zu, daß er ganz freudig mitging und ihm versprach, keinen Laut hören zu lassen, es möchte auch kommen, was da wolle. Sie gingen nun auf einen freien Platz, der ringsum von einer Mauer umschlossen war. Da machte der Mönch einen großen | + | Dem Bergmann grauste es über seinem ganzen Körper; doch der Mönch sprach ihm so tröstlich zu, daß er ganz freudig mitging und ihm versprach, keinen Laut hören zu lassen, es möchte auch kommen, was da wolle. Sie gingen nun auf einen freien Platz, der ringsum von einer Mauer umschlossen war. Da machte der Mönch einen großen Kreis mit seinem Krummstabe und schrieb wunderbare Zeichen in den Sand. Dann las er lange und laut Gebete aus dem großen Buche, die der Bergmann aber nicht verstand. Endlich schlug er mit seinem Stabe dreimal auf die Erde und rief: »Thue dich auf!« |
| - | Da entsteht unter ihren Füßen ein dumpfes Getöse, wie bei einem fernen | + | Da entsteht unter ihren Füßen ein dumpfes Getöse, wie bei einem fernen Gewitter; es zittert unter ihnen die Erde. Und nun sinkt der Bergmann mit dem Mönch, der seine Hand gefaßt hat, mit dem Boden, so weit der Kreis umzeichnet war, ganz in die Tiefe hinab. Sie treten hinunter und der Boden steigt wieder langsam herauf. Nun waren sie in einem großen Gewölbe. Der Mönch geht mit festen Schritten voran, der Bergmann mit zitternden Knieen hinterher. So gehen sie einige Gänge hindurch, bis es anfängt ganz dunkel um sie her zu werden. Bald aber finden sie eine ewige Lampe und sehen, daß sie sich in einem geräumigen Kreuzgang befinden. Der Mönch steckt hier zwei Fackeln an, für sich und seinen Begleiter. |
| - | Sie gehen fort und mit einem Male stehen sie vor einem großen eisernen Kirchenthor. Der Mönch betet, hält die [[typ:Springwurzel]], vor der alle bezauberten Riegel aufspringen, | + | Sie gehen fort und mit einem Male stehen sie vor einem großen eisernen Kirchenthor. Der Mönch betet, hält die Springwurzel, |
| Der Mönch winkte nun seinem Begleiter, gerade in der Mitte stehen zu bleiben, und gab ihm in jede Hand eine Fackel. Er selbst ging zu einer ganz silbernen Thür, klopfte dreimal mit dem Krummstabe an und die Thüre sprang auf. | Der Mönch winkte nun seinem Begleiter, gerade in der Mitte stehen zu bleiben, und gab ihm in jede Hand eine Fackel. Er selbst ging zu einer ganz silbernen Thür, klopfte dreimal mit dem Krummstabe an und die Thüre sprang auf. | ||
| - | Der Thüre gegenüber saß auf einem goldenen Throne der [[vip: | + | Der Thüre gegenüber saß auf einem goldenen Throne der [[vip: |
| Endlich kam der Mönch zurück und zog seinen Begleiter schweigend fort. Die silberne Pforte schloß sich von selbst wieder zu; das eiserne Thor schlug mit schrecklichem Geprassel hinter ihnen zusammen. Als sie den Kreuzgang hindurch wieder in die vordere Höhle kamen, senkte sich langsam der kreisrunde Boden herab; Beide traten darauf und wurden sanft in die Höhe gehoben.((Eine dieser Kiffhäuser-Sage entsprechende indische theilt Herr Spiegel mit im »Ausland« 1848 No. 137. Eine große Menge anderer über andere Gegenden Deutschlands, | Endlich kam der Mönch zurück und zog seinen Begleiter schweigend fort. Die silberne Pforte schloß sich von selbst wieder zu; das eiserne Thor schlug mit schrecklichem Geprassel hinter ihnen zusammen. Als sie den Kreuzgang hindurch wieder in die vordere Höhle kamen, senkte sich langsam der kreisrunde Boden herab; Beide traten darauf und wurden sanft in die Höhe gehoben.((Eine dieser Kiffhäuser-Sage entsprechende indische theilt Herr Spiegel mit im »Ausland« 1848 No. 137. Eine große Menge anderer über andere Gegenden Deutschlands, | ||
| - | Oben gab der Mönch dem Bergmann zwei kleine Stangen von einem unbekannten | + | Oben gab der Mönch dem Bergmann zwei kleine Stangen von einem unbekannten Erz, die er aus der Kapelle mitgebracht hatte und die seine Enkel noch jetzt zum Andenken aufbewahren. Nach einer andern Sage hätte der Mönch diese Stangen aber von dem alten Kaiser selbst erhalten und wären dieselben nicht von besonderem Erz, sondern von Golde gewesen und nach und nach von dem Bergmann und seiner Familie eingeschmolzen und der Erlös verbraucht worden. |
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