sagen:graessepreussen485
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| + | ====== Die Sage von der Göttin Lohra ====== | ||
| + | S. Thüringen und der Harz Bd. VII. S. 22 etc. | ||
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| + | Vom Ohmgebirge zieht sich ein Arm gegen Osten und bildet bei Elende den einen Pfeiler der Porta Eichsfeldica. Den gegenüberliegenden Pfeiler aber formirt ein anderer Gebirgszug, das Düngebirge, | ||
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| + | Einst lebten in der Nähe des Berges zwei Brüder, die an Gesinnung einander sehr unähnlich waren. Der Aeltere strebte nur nach Reichthum und Ehrgeiz war die Triebfeder aller seiner Handlungen; der Jüngere dagegen liebte nur häusliches Stillleben und häusliches Eheglück war das Ziel seines Strebens. Er hatte eine Braut, die aber sehr arm war, und deshalb gab sich sein Bruder alle nur mögliche Mühe, ihn von derselben abwendig zu machen. Einst ging er in dem Walde, welcher den Berg der Lohra bedeckt, sinnend auf und ab, als er plötzlich vor einer Felsenspalte stand, die er sich nie gesehen zu haben erinnern konnte. Er trat näher, doch ehe er dieselbe noch ganz erreicht hatte, trat aus derselben ein wunderschöner engelhafter Zwerg heraus, der ihn aufforderte ihm zu folgen, ihn bei der Hand faßte und in die Höhle hineinzog. Ueberrascht folgte er ihm und ließ sich von ihm wie ein willenloses Kind leiten. Nach kurzem Gange gelangten sie an eine Thüre von glänzendem Metall; der Zwerg zog einen goldenen Schlüssel heraus und öffnete dieselbe. Der junge Mann stand wie verzaubert, denn er schaute in einen Garten, in welchem bei sonniger Helle die herrlichsten Blumen mit den brennendsten Farben und fremdartigsten Gerüchen dufteten und wo sich Vögel mit goldiggrünen Schwingen auf den Bäumen wiegten und mit menschenähnlichen Stimmen mit einander plauderten. Der Zwerg ließ ihm aber nicht lange Zeit, diese Herrlichkeiten zu bewundern, sondern schritt auf eine Rosenlaube zu, in welcher sich die Göttin Lora, ein Ideal weiblicher Schönheit, befand. Mit strahlenden Augen betrachtete sie den Jüngling und reichte ihm dann eine dunkelrothe Blume, welche sie eben in der Hand hielt, mit den Worten: »Du liebst aufrichtig und treu ein armes Mädchen und wirft von ihr wiedergeliebt; | ||
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| + | Schnell waren die schönsten Früchte von einigen Bäumen herabgelangt und des Jünglings Taschen damit angefüllt, der sich mit herzlichem Danke entfernte und erfreut zu seiner Geliebten eilte. Athemlos erzählte er ihr, was ihm begegnet sei, und da sie ihn ungläubig anblickte, griff er in die Tasche, um sie durch den Anblick der wunderbaren Früchte, die er erhalten, zu überzeugen, | ||
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| + | Der Bruder des jungen Ehegatten, der sich früher in seinem Stolze um seinen Bruder fast gar nicht gekümmert hatte, hörte verwundert, daß derselbe sich ein schönes Landgut gekauft habe und hier im besten Wohlstand lebe. Da er sich nun auf keine Weise entziffern konnte, auf welche Art und Weise sein Bruder zu solchem plötzlichen Reichthum gekommen sei, so machte er sich selbst auf den Weg, um ihn zu besuchen und sich auf diese Weise zugleich von der Wahrheit dessen, was er gehört hatte, zu überzeugen. Er fand auch Alles bestätigt, was er vorher erfahren hatte und verlor keinen Augenblick, sich hierüber von demselben Aufklärung zu erbitten. Sein Bruder, dem von der Göttin kein Stillschweigen auferlegt worden war, theilte ihm natürlich auch sofort Alles mit, was ihm begegnet war. | ||
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| + | Der Geldgierige, | ||
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| + | Voll von ohnmächtiger Wuth eilte der Getäuschte von dannen und hielt nicht eher an, bis er schweißtriefend daheim anlangte. Schreck und Zorn warfen ihn auf's Krankenlager und mehrere Wochen war er nicht im Stande, dasselbe zu verlassen. Als endlich seine Gesundheit zurückgekehrt war, sah er sich genöthigt, seiner häßlichen Braut sein Wort zu halten. Zwar ward die Hochzeit mit großem Prunk gefeiert, allein es war kein Glück in seiner Ehe, an Vertrag mit dem bösen Weibe war nicht zu denken, das Vermögen, welches er erheirathet hatte, schwand ihm unter den Händen und zuletzt hatte er von allen Besitzthümern, | ||
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sagen/graessepreussen485.1709896970.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
