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sagen:graessepreussen477

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 Von dieser Stunde und Tage an hat nun Gott durch seine göttliche Gnade den bösen Geist abgehalten, so daß er die armen Leute fünf ganzer Tage lang in Ruhe lassen mußte, allein Sonnabend vor Judica den 11. März um Mitternacht hat derselbe sich wieder hervorgethan und wie zuvor auch geschehen, gehauset, Hans Schiel sammt seinen obgemeldten Hausgenossen aus ihren Betten und Kammern bis hernieder in die Stuben mit großen und kleinen Steinen, so zum Theil ganz naß, als wenn sie frisch aus dem Bache gezogen wären, gejagt und dies hat die ganze Nacht über und die folgenden vier Tage gewährt. Weil er nun aber von einem Bauer seines Gleichen gehört, daß der böse Geist vor Fluchen und Schwören weichen müsse, hat er aus Einfalt angefangen aufs Greulichste zu fluchen und zu schwören und auf solche Weise dem Teufel zu gebieten, allein dieser hat sich nicht allein nicht schrecken lassen, sondern als wäre er dazu aufgefordert worden, noch härter und stärker als zuvor auf sie geworfen und zu verstehen gegeben, daß ihm durch Gotteslästerung nicht gesteuert, sondern vielmehr gedient werde. Von dieser Stunde und Tage an hat nun Gott durch seine göttliche Gnade den bösen Geist abgehalten, so daß er die armen Leute fünf ganzer Tage lang in Ruhe lassen mußte, allein Sonnabend vor Judica den 11. März um Mitternacht hat derselbe sich wieder hervorgethan und wie zuvor auch geschehen, gehauset, Hans Schiel sammt seinen obgemeldten Hausgenossen aus ihren Betten und Kammern bis hernieder in die Stuben mit großen und kleinen Steinen, so zum Theil ganz naß, als wenn sie frisch aus dem Bache gezogen wären, gejagt und dies hat die ganze Nacht über und die folgenden vier Tage gewährt. Weil er nun aber von einem Bauer seines Gleichen gehört, daß der böse Geist vor Fluchen und Schwören weichen müsse, hat er aus Einfalt angefangen aufs Greulichste zu fluchen und zu schwören und auf solche Weise dem Teufel zu gebieten, allein dieser hat sich nicht allein nicht schrecken lassen, sondern als wäre er dazu aufgefordert worden, noch härter und stärker als zuvor auf sie geworfen und zu verstehen gegeben, daß ihm durch Gotteslästerung nicht gesteuert, sondern vielmehr gedient werde.
  
-Es hat nun der gute Mann, weil er weder durch die Priesterschaft noch durch Schelten und Fluchen etwas geschafft, angefangen melancholisch und schwermüthig zu werden; weil ihm aber der Herr Vitzthum befohlen, so sich weiter etwas Beschwerliches ereigne, solle er es ihm wissen lassen, hat er sich wieder zu demselben in die Stadt begeben und ihm klagend vorgebracht, was sich mit seinem Hausgespenste neuerlich wiederum begeben. Derselbe hat ihn getröstet und gesagt, er habe sich längst vorgenommen, zu ihm heraus zu kommen, sei aber wegen Leibesschwachheit daran verhindert worden, sobald er aber ohne seine Gesundheit zu verletzen dies werde bewerkstelligen können, werde er selbst kommen, er solle jedoch aus dem Hause nicht weichen, es wäre denn die äußerste Noth. Indeß solle er wiederum zu dem Herrn Weihbischof gehen und seinen Rath begehren und was ihm solcher sagen werde, flugs ausführen. Am 14. März hat nun der Geist nicht allein die Menschen, sondern auch das unvernünftige Vieh geängstigt, denn da zwei Kühe im Stalle gestanden, deren eine vorlängst ein Kalb geworfen, welches Hans Schiel mit einem Stricke bei den Kühen angebunden, findet er dasselbe ohne männigliches Zuthun von dem Stricke, als wäre er zerbissen und zerkauet gewesen, losgemacht. Zwar hat er dasselbe wieder angebunden, aber ehe er noch davon gegangen, hat er es auf die vorige Weise wiederum losgemacht gefunden. Darüber ist er nicht wenig ergrimmt und hat nun einen starken Strick dem Kalbe vierfach um den Hals geschlagen, den er nichts desto weniger alsbald wie mit einem Scheermesser entzwei geschnitten gesehen, hat auch das Kalb also bis auf den folgenden Tag unangebunden müssen stehen lassen.+Es hat nun der gute Mann, weil er weder durch die Priesterschaft noch durch Schelten und Fluchen etwas geschafft, angefangen melancholisch und schwermüthig zu werden; weil ihm aber der [[familie:vonvitzthum|Herr Vitzthum]] befohlen, so sich weiter etwas Beschwerliches ereigne, solle er es ihm wissen lassen, hat er sich wieder zu demselben in die Stadt begeben und ihm klagend vorgebracht, was sich mit seinem Hausgespenste neuerlich wiederum begeben. Derselbe hat ihn getröstet und gesagt, er habe sich längst vorgenommen, zu ihm heraus zu kommen, sei aber wegen Leibesschwachheit daran verhindert worden, sobald er aber ohne seine Gesundheit zu verletzen dies werde bewerkstelligen können, werde er selbst kommen, er solle jedoch aus dem Hause nicht weichen, es wäre denn die äußerste Noth. Indeß solle er wiederum zu dem Herrn Weihbischof gehen und seinen Rath begehren und was ihm solcher sagen werde, flugs ausführen. Am 14. März hat nun der Geist nicht allein die Menschen, sondern auch das unvernünftige Vieh geängstigt, denn da zwei Kühe im Stalle gestanden, deren eine vorlängst ein Kalb geworfen, welches Hans Schiel mit einem Stricke bei den Kühen angebunden, findet er dasselbe ohne männigliches Zuthun von dem Stricke, als wäre er zerbissen und zerkauet gewesen, losgemacht. Zwar hat er dasselbe wieder angebunden, aber ehe er noch davon gegangen, hat er es auf die vorige Weise wiederum losgemacht gefunden. Darüber ist er nicht wenig ergrimmt und hat nun einen starken Strick dem Kalbe vierfach um den Hals geschlagen, den er nichts desto weniger alsbald wie mit einem Scheermesser entzwei geschnitten gesehen, hat auch das Kalb also bis auf den folgenden Tag unangebunden müssen stehen lassen.
  
 Denselben Tag ist nun der Bauer abermals zu dem Herrn Vitzthum gegangen und hat ihm berichtet, was mit dem Stricke sich ereignet habe, dieser hat auch den 15. März den gedachten Herrn Pfarrherrn Johann Körner und den churfürstlichen Landsknecht Hauptmann Hansen von Eltz zu sich beschieden und ihnen angesonnen, mit ihm hinaus gen Tuttelstädt zu fahren und selbst zu beschauen, was das Ungeheuer angestellt habe. Denselben Tag ist nun der Bauer abermals zu dem Herrn Vitzthum gegangen und hat ihm berichtet, was mit dem Stricke sich ereignet habe, dieser hat auch den 15. März den gedachten Herrn Pfarrherrn Johann Körner und den churfürstlichen Landsknecht Hauptmann Hansen von Eltz zu sich beschieden und ihnen angesonnen, mit ihm hinaus gen Tuttelstädt zu fahren und selbst zu beschauen, was das Ungeheuer angestellt habe.
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 Als sich die Geistlichen nun mit dem Zeichen des heil. Kreuzes versehen, sind sie im Namen Gottes und unsers Herrn Christi in das Haus gegangen, sind alsbald auf ihre Kniee gefallen, haben die sieben Bußpsalmen sammt der Litanei nebst andern christlichen Gebeten, dann den 91. Psalmen, auch etliche approbirte Exorcismen andächtig gesprochen und also bei einer Stunde knieend im Gebete verharrt. Indessen sind die Hausbewohner und die ganze Dorfschaft, Einheimische und Fremde, vor dem Hause gestanden und haben gesehen, was daraus werden werde und wie sie der ungeheure Geist empfangen werde. Der Geist hat sich aber nicht das Geringste in ihrer Gegenwart unterfangen; die Geistlichen sind aber die ganze Nacht im Hause geblieben und haben dieselbe mit Wachen, Beten, Fasten und Beichten, auch mit Verlesung der Historien der heilsamen Passion unsers Erlösers zugebracht, es haben auch Hans Schiel der Hauswirth, sein Weib und ältester Sohn, desgleichen Andreas Schauer, der kleine Hans Schiel, Claus Tobeler, alle angesessene Bauern zu Tuttelstädt, Johannes Naumburger, Schulmeister zu Melchendorf, Hans Kallenberg, Bürger zu Erfurt, im Wachen und Beten bei den Geistlichen verharrt, ihre Sünden gebeichtet und andere gottselige Werke vollbringen helfen. Es ist aber die ganze Nacht ganz still und ruhig geblieben, also daß sich nicht das Geringste geregt. Als nun der Morgen anbrach, hat Herr Johann Körner angefangen sich zur Haltung der Messe nach altem katholischen Gebrauch zu bereiten, fing das Officium an, so über Ort und Personen, die vom leidigen [[wesen:Satan]] betrübt und bedrängt werden, pflegt celebrirt und gehalten zu werden, und nach vollbrachtem Amte der heil. Messe communicirten alle Umstehenden, Geistliche und Weltliche, dann sind sie alle nieder auf die Erde gefallen, haben mit reuigem Herzen zu Gott abermals die sieben Bußpsalmen und Litanei, nebst etlichen in der katholischen Kirche gebräuchlichen Exorcismen gesprochen und das Haus mit Weihwasser besprengt, aber nicht das Geringste vom leidigen Satan gesehen, gehört oder vermerkt. Hierauf ist Herr Körner wieder nach Erfurt zurückgekehrt; desselbigen Tages aber, als es Abend geworden, sind nebst dem genannten Priester wiederum zwei Geistliche, Herr Gregorius Körner und der schon genannte Herr Schilling, beide Vicare an unser Lieben Frauen Stiftskirche, hinausgegangen, haben diese Nacht gleich der vorigen mit Wachen und Beten zugebracht, auch da es Morgen geworden, das Amt der heil. Messe sammt dem Exorcismo wie gestern verrichtet. Nachmals ist Alles still und ruhig geblieben, also daß weder die Bauern noch die Geistlichen etwas gesehen oder gehört haben. Am dritten Tage ist wiederum neben dem Pfarrherrn des Ortes und dem Canonicus des Stifts St. Severi Magister Konr. Herckenrodt Herr Johann Körner in das Spukhaus gekommen, hat dieselbe Nacht ebenso gewacht und gebetet, allein doch hat es sich ein wenig, aber nicht viel im Hause merken lassen und an der Stubenthüre gerüttelt. Als der Morgen herangekommen, hat er wiederum die Celebrirung der Messe vorgenommen und nach derselben wie zuvor den Exorcismus vorgelesen; wie sie nun bis dahin gekommen: »Conjuro te, diabole, ut dimittas locum hunc, et vadas quocunque tibi in nomine et virtute Dom. nostri Jesu Christi praecepero etc.«, hat dieser unsaubere Geist mit einem Erdklößlein aus dem Hofe in die Stube durchs Fenster, so gleich offen gestanden, geworfen und Herrn J. Körner's Diener auf einen Arm getroffen, so daß es alle, so zugegen waren, gesehen haben. Ist Herrn Körner auch das Erdklößlein in die Hand gegeben worden, der Größe nach einer Bohne ähnlich. Gleichwohl sind sie im Exorcismus fortgefahren, haben aber nichts weiter vernommen, sondern die Leute in Frieden gefunden und gelassen bis zum 7. Aprilis. Freitags nach [[zeit:Quasimodogeniti]] hat sich der unruhige Geist wiederum, wiewohl kraftlos merken lassen, denn als die Hausbewohner früh aufgestanden sind und nach dem Feuerzeuge gegriffen haben, da ist es zum dritten Mal versteckt gewesen, und indem sie sich nach einem andern umsehen, wirft jener von oben herein mit demselben, so ein ziemlich ausgehauener Klotz war, nach dem Wirth und mit dem Eisen nach der Wirthin, es ist aber keins von ihnen getroffen worden. Denselben Tag ist aber Herr Körner von der Wallfahrt Schmiedestädt in das genannte Haus gekommen, um nachzusehen, ob noch Alles in guter Ruhe sei, hat auch ein Vaterunser und was sonst noch in Andacht gebetet, auch im Hause mit geweihtem Wasser gesprengt und sind dann die Leute abermals ganzer acht Tage in Frieden gelassen worden. Außerhalb des Hauses aber im Hofe hat sich der böse Feind wohl merken lassen, denn sobald ein Fleck Landes im Hofe umgegraben und darauf allerhand Kraut- und Pflanzensamen gesäet und selbiger ziemlich aufgegangen war, ergrimmte der böse Geist, daß ihm sein Muthwille durch Gott im Hause verboten war und hat eine ziemliche Anzahl und zwar nicht die kleinsten Steine auf die Saat geworfen, dieselbe zertreten und verdorben, da wo sie am Besten gestanden. Da solches der gute Bauersmann inne worden, hat er selbst mit geweihtem Wasser über die Pflanzen gesprengt und dann von dem Satan nichts mehr gemerkt. Als sich die Geistlichen nun mit dem Zeichen des heil. Kreuzes versehen, sind sie im Namen Gottes und unsers Herrn Christi in das Haus gegangen, sind alsbald auf ihre Kniee gefallen, haben die sieben Bußpsalmen sammt der Litanei nebst andern christlichen Gebeten, dann den 91. Psalmen, auch etliche approbirte Exorcismen andächtig gesprochen und also bei einer Stunde knieend im Gebete verharrt. Indessen sind die Hausbewohner und die ganze Dorfschaft, Einheimische und Fremde, vor dem Hause gestanden und haben gesehen, was daraus werden werde und wie sie der ungeheure Geist empfangen werde. Der Geist hat sich aber nicht das Geringste in ihrer Gegenwart unterfangen; die Geistlichen sind aber die ganze Nacht im Hause geblieben und haben dieselbe mit Wachen, Beten, Fasten und Beichten, auch mit Verlesung der Historien der heilsamen Passion unsers Erlösers zugebracht, es haben auch Hans Schiel der Hauswirth, sein Weib und ältester Sohn, desgleichen Andreas Schauer, der kleine Hans Schiel, Claus Tobeler, alle angesessene Bauern zu Tuttelstädt, Johannes Naumburger, Schulmeister zu Melchendorf, Hans Kallenberg, Bürger zu Erfurt, im Wachen und Beten bei den Geistlichen verharrt, ihre Sünden gebeichtet und andere gottselige Werke vollbringen helfen. Es ist aber die ganze Nacht ganz still und ruhig geblieben, also daß sich nicht das Geringste geregt. Als nun der Morgen anbrach, hat Herr Johann Körner angefangen sich zur Haltung der Messe nach altem katholischen Gebrauch zu bereiten, fing das Officium an, so über Ort und Personen, die vom leidigen [[wesen:Satan]] betrübt und bedrängt werden, pflegt celebrirt und gehalten zu werden, und nach vollbrachtem Amte der heil. Messe communicirten alle Umstehenden, Geistliche und Weltliche, dann sind sie alle nieder auf die Erde gefallen, haben mit reuigem Herzen zu Gott abermals die sieben Bußpsalmen und Litanei, nebst etlichen in der katholischen Kirche gebräuchlichen Exorcismen gesprochen und das Haus mit Weihwasser besprengt, aber nicht das Geringste vom leidigen Satan gesehen, gehört oder vermerkt. Hierauf ist Herr Körner wieder nach Erfurt zurückgekehrt; desselbigen Tages aber, als es Abend geworden, sind nebst dem genannten Priester wiederum zwei Geistliche, Herr Gregorius Körner und der schon genannte Herr Schilling, beide Vicare an unser Lieben Frauen Stiftskirche, hinausgegangen, haben diese Nacht gleich der vorigen mit Wachen und Beten zugebracht, auch da es Morgen geworden, das Amt der heil. Messe sammt dem Exorcismo wie gestern verrichtet. Nachmals ist Alles still und ruhig geblieben, also daß weder die Bauern noch die Geistlichen etwas gesehen oder gehört haben. Am dritten Tage ist wiederum neben dem Pfarrherrn des Ortes und dem Canonicus des Stifts St. Severi Magister Konr. Herckenrodt Herr Johann Körner in das Spukhaus gekommen, hat dieselbe Nacht ebenso gewacht und gebetet, allein doch hat es sich ein wenig, aber nicht viel im Hause merken lassen und an der Stubenthüre gerüttelt. Als der Morgen herangekommen, hat er wiederum die Celebrirung der Messe vorgenommen und nach derselben wie zuvor den Exorcismus vorgelesen; wie sie nun bis dahin gekommen: »Conjuro te, diabole, ut dimittas locum hunc, et vadas quocunque tibi in nomine et virtute Dom. nostri Jesu Christi praecepero etc.«, hat dieser unsaubere Geist mit einem Erdklößlein aus dem Hofe in die Stube durchs Fenster, so gleich offen gestanden, geworfen und Herrn J. Körner's Diener auf einen Arm getroffen, so daß es alle, so zugegen waren, gesehen haben. Ist Herrn Körner auch das Erdklößlein in die Hand gegeben worden, der Größe nach einer Bohne ähnlich. Gleichwohl sind sie im Exorcismus fortgefahren, haben aber nichts weiter vernommen, sondern die Leute in Frieden gefunden und gelassen bis zum 7. Aprilis. Freitags nach [[zeit:Quasimodogeniti]] hat sich der unruhige Geist wiederum, wiewohl kraftlos merken lassen, denn als die Hausbewohner früh aufgestanden sind und nach dem Feuerzeuge gegriffen haben, da ist es zum dritten Mal versteckt gewesen, und indem sie sich nach einem andern umsehen, wirft jener von oben herein mit demselben, so ein ziemlich ausgehauener Klotz war, nach dem Wirth und mit dem Eisen nach der Wirthin, es ist aber keins von ihnen getroffen worden. Denselben Tag ist aber Herr Körner von der Wallfahrt Schmiedestädt in das genannte Haus gekommen, um nachzusehen, ob noch Alles in guter Ruhe sei, hat auch ein Vaterunser und was sonst noch in Andacht gebetet, auch im Hause mit geweihtem Wasser gesprengt und sind dann die Leute abermals ganzer acht Tage in Frieden gelassen worden. Außerhalb des Hauses aber im Hofe hat sich der böse Feind wohl merken lassen, denn sobald ein Fleck Landes im Hofe umgegraben und darauf allerhand Kraut- und Pflanzensamen gesäet und selbiger ziemlich aufgegangen war, ergrimmte der böse Geist, daß ihm sein Muthwille durch Gott im Hause verboten war und hat eine ziemliche Anzahl und zwar nicht die kleinsten Steine auf die Saat geworfen, dieselbe zertreten und verdorben, da wo sie am Besten gestanden. Da solches der gute Bauersmann inne worden, hat er selbst mit geweihtem Wasser über die Pflanzen gesprengt und dann von dem Satan nichts mehr gemerkt.
  
-Freitags nach Misericordia Dom. ist Herr Körner abermals nebst andern von der Betfahrt [[geo:Schmiedestädt]] (es ist nämlich alle Freitage zwischen [[zeit:Ostern]] und Trinitatis von Erfurt gen Schmiedestädt in alten Zeiten bis auf diesen Tag eine große Wallfahrt gehalten worden) gen Tuttelstädt gekommen und hat die Leute befragt, wie es um ihre Sache stehe; jene haben aber geantwortet, daß sie bis auf diesen Tag nichts vernommen, daß es aber die vergangene Nacht auf dem Dache, so von Schindeln gemacht, wie eine Katze gekratzt und herumgeschlürft sei; darauf haben die Herren Geistlichen ihr Gebet im Hause gesprochen, mit Weihwasser gesprengt und die Leute Gott befohlen. Freitags nach Jubilate, den 21. Aprilis, sind sie abermals von ihrer Betfahrt zu Hans Schiel gekommen und derselbe hat auf ihre Frage berichtet, es sei wiederum die vergangenen acht Tage ganz still gewesen, zwar habe es zweimal mit Erdklößen zur Thüre hereingeworfen, allein er habe sich getröstet, dieweil Gott der Herr es gefügt, daß der Geist jetzt außerhalb des Hauses, wo er zuvor getobt, gewesen sei. Endlich am nächsten Freitag, den 28. April, sind sie nebst vielen andern, auch in Begleitung des Herrn Weihbischofs abermals in dies Haus gekommen, haben sich im Gebet zur Erde geworfen, auch einen Altar in der Stube aufgerichtet und daselbst das heil. Mysterium der Messe celebrirt und seit dieser Zeit haben die Einwohner des genannten Hauses und des ganzen Dorfes Tuttelstädt bis zu Ende des Jahres nichts mehr gehört und gesehen von dem Erbfeinde des Menschengeschlechts, sondern sind von demselben in Ruhe und Frieden gelassen worden.+Freitags nach Misericordia Dom. ist Herr Körner abermals nebst andern von der Betfahrt Schmiedestädt (es ist nämlich alle Freitage zwischen [[zeit:Ostern]] und Trinitatis von Erfurt gen Schmiedestädt in alten Zeiten bis auf diesen Tag eine große Wallfahrt gehalten worden) gen Tuttelstädt gekommen und hat die Leute befragt, wie es um ihre Sache stehe; jene haben aber geantwortet, daß sie bis auf diesen Tag nichts vernommen, daß es aber die vergangene Nacht auf dem Dache, so von Schindeln gemacht, wie eine Katze gekratzt und herumgeschlürft sei; darauf haben die Herren Geistlichen ihr Gebet im Hause gesprochen, mit Weihwasser gesprengt und die Leute Gott befohlen. Freitags nach Jubilate, den 21. Aprilis, sind sie abermals von ihrer Betfahrt zu Hans Schiel gekommen und derselbe hat auf ihre Frage berichtet, es sei wiederum die vergangenen acht Tage ganz still gewesen, zwar habe es zweimal mit Erdklößen zur Thüre hereingeworfen, allein er habe sich getröstet, dieweil Gott der Herr es gefügt, daß der Geist jetzt außerhalb des Hauses, wo er zuvor getobt, gewesen sei. Endlich am nächsten Freitag, den 28. April, sind sie nebst vielen andern, auch in Begleitung des Herrn Weihbischofs abermals in dies Haus gekommen, haben sich im Gebet zur Erde geworfen, auch einen Altar in der Stube aufgerichtet und daselbst das heil. Mysterium der Messe celebrirt und seit dieser Zeit haben die Einwohner des genannten Hauses und des ganzen Dorfes Tuttelstädt bis zu Ende des Jahres nichts mehr gehört und gesehen von dem Erbfeinde des Menschengeschlechts, sondern sind von demselben in Ruhe und Frieden gelassen worden.
  
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