sagen:graessepreussen477
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| auff den XXVIII. Aprilis zugetragen. Zu Cölln durch Maternum Cholinum 1581 in 12. | auff den XXVIII. Aprilis zugetragen. Zu Cölln durch Maternum Cholinum 1581 in 12. | ||
| - | Es wohnte im Dorfe Tuttelstädt, | + | Es wohnte im Dorfe [[geo: |
| Am andern Tage, dem ersten März, so bald der Tag anbrach, hat sich Hans Schiel mit seiner Ehefrau berathen, was zu thun sei und sich vorgenommen, | Am andern Tage, dem ersten März, so bald der Tag anbrach, hat sich Hans Schiel mit seiner Ehefrau berathen, was zu thun sei und sich vorgenommen, | ||
| - | Wie diese nun kamen und eine Weile von ihren Bauernangelegenheiten sich unterreden, wird Hans Schauer mit einem Erdenklößlein an den Kopf geworfen, allein er hat das, weil es ihm keine Schmerzen verursacht, nicht weiter geachtet, sondern mit Stillschweigen vorübergehen lassen. Als sie nun weiter reden, wird er zum andern Male geworfen, allein nun will er wissen, wer geworfen hat, denn er hatte seine beiden Kameraden deshalb in Verdacht. Da wird der gute alte Mann zum dritten Male an den bloßen Kopf getroffen, und diesmal etwas härter denn zuvor, und als er darüber in Zorn[404] gerieth, indem er meinte, er werde von den Seinen genarrt, da erst wird ihm die Sache erklärt und er befragt, was zu thun sei. Mittlerweilen werden die Erdenklößlein, | + | Wie diese nun kamen und eine Weile von ihren Bauernangelegenheiten sich unterreden, wird Hans Schauer mit einem Erdenklößlein an den Kopf geworfen, allein er hat das, weil es ihm keine Schmerzen verursacht, nicht weiter geachtet, sondern mit Stillschweigen vorübergehen lassen. Als sie nun weiter reden, wird er zum andern Male geworfen, allein nun will er wissen, wer geworfen hat, denn er hatte seine beiden Kameraden deshalb in Verdacht. Da wird der gute alte Mann zum dritten Male an den bloßen Kopf getroffen, und diesmal etwas härter denn zuvor, und als er darüber in Zorn gerieth, indem er meinte, er werde von den Seinen genarrt, da erst wird ihm die Sache erklärt und er befragt, was zu thun sei. Mittlerweilen werden die Erdenklößlein, |
| Nun hat Hans Schiel' | Nun hat Hans Schiel' | ||
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| Als nun Hans Schiel wieder zu Hause kommt, findet er es in seinem Hause wieder wüthen und toben wie zuvor; seine Nachbarn, so ein herzliches Mitleiden mit diesen bekümmerten Leuten getragen, fanden sich bei ihm ein und gaben bald diesen, bald jenen Rath, brachten auch etliche geweihete Kräuter und Palmen mit sich, machten davon im Hause einen Rauch in der einfältigen christlichen Zuversicht, als werde das Ungeheuer davor fliehen. Welches jedoch nicht nur nicht geschah, sondern es hat noch viel schlimmer gewüthet, auch auf diejenigen, so das Rauchwerk gemacht, mit Holz und Steinen geworfen, endlich auch mit einem dreipfündigen Steine das irdene Geschirr, darin das Rauchwerk gehalten, in einzelne Trümmer geworfen. | Als nun Hans Schiel wieder zu Hause kommt, findet er es in seinem Hause wieder wüthen und toben wie zuvor; seine Nachbarn, so ein herzliches Mitleiden mit diesen bekümmerten Leuten getragen, fanden sich bei ihm ein und gaben bald diesen, bald jenen Rath, brachten auch etliche geweihete Kräuter und Palmen mit sich, machten davon im Hause einen Rauch in der einfältigen christlichen Zuversicht, als werde das Ungeheuer davor fliehen. Welches jedoch nicht nur nicht geschah, sondern es hat noch viel schlimmer gewüthet, auch auf diejenigen, so das Rauchwerk gemacht, mit Holz und Steinen geworfen, endlich auch mit einem dreipfündigen Steine das irdene Geschirr, darin das Rauchwerk gehalten, in einzelne Trümmer geworfen. | ||
| - | Als nunmehro kein Zweifel mehr war, daß dieses ein Werk des Satans sei, dabei aber es ebenso gewiß ist, daß Gott der Allmächtige in seiner katholischen christlichen Kirche bei denen, die den rechten Glauben haben, Gewalt hinterlassen hat, die Teufel, wo sie auch den Gläubigen Schaden zufügen, zu vertreiben, hat der Herr Weihbischof, | + | Als nunmehro kein Zweifel mehr war, daß dieses ein Werk des [[wesen: |
| Wie nun die Geistlichen in der That gefunden, daß es nicht ein leeres Wort oder Fabelwerk gewesen, so hat Herr J. Körner auf der Lauben, da es am Meisten gestürmt (wie wohl es in Gegenwart der Geistlichen ganz still gewesen), das hochheilige Amt der Messe gehalten, auch Hans Schiel sammt seinem Weibe und ältesten Sohne, nachdem sie gebeichtet, alsbald mit dem heil. Sacrament des wahren Leibes und Blutes Christi nach christlichem katholischen Gebrauche gespeiset. | Wie nun die Geistlichen in der That gefunden, daß es nicht ein leeres Wort oder Fabelwerk gewesen, so hat Herr J. Körner auf der Lauben, da es am Meisten gestürmt (wie wohl es in Gegenwart der Geistlichen ganz still gewesen), das hochheilige Amt der Messe gehalten, auch Hans Schiel sammt seinem Weibe und ältesten Sohne, nachdem sie gebeichtet, alsbald mit dem heil. Sacrament des wahren Leibes und Blutes Christi nach christlichem katholischen Gebrauche gespeiset. | ||
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| Von dieser Stunde und Tage an hat nun Gott durch seine göttliche Gnade den bösen Geist abgehalten, so daß er die armen Leute fünf ganzer Tage lang in Ruhe lassen mußte, allein Sonnabend vor Judica den 11. März um Mitternacht hat derselbe sich wieder hervorgethan und wie zuvor auch geschehen, gehauset, Hans Schiel sammt seinen obgemeldten Hausgenossen aus ihren Betten und Kammern bis hernieder in die Stuben mit großen und kleinen Steinen, so zum Theil ganz naß, als wenn sie frisch aus dem Bache gezogen wären, gejagt und dies hat die ganze Nacht über und die folgenden vier Tage gewährt. Weil er nun aber von einem Bauer seines Gleichen gehört, daß der böse Geist vor Fluchen und Schwören weichen müsse, hat er aus Einfalt angefangen aufs Greulichste zu fluchen und zu schwören und auf solche Weise dem Teufel zu gebieten, allein dieser hat sich nicht allein nicht schrecken lassen, sondern als wäre er dazu aufgefordert worden, noch härter und stärker als zuvor auf sie geworfen und zu verstehen gegeben, daß ihm durch Gotteslästerung nicht gesteuert, sondern vielmehr gedient werde. | Von dieser Stunde und Tage an hat nun Gott durch seine göttliche Gnade den bösen Geist abgehalten, so daß er die armen Leute fünf ganzer Tage lang in Ruhe lassen mußte, allein Sonnabend vor Judica den 11. März um Mitternacht hat derselbe sich wieder hervorgethan und wie zuvor auch geschehen, gehauset, Hans Schiel sammt seinen obgemeldten Hausgenossen aus ihren Betten und Kammern bis hernieder in die Stuben mit großen und kleinen Steinen, so zum Theil ganz naß, als wenn sie frisch aus dem Bache gezogen wären, gejagt und dies hat die ganze Nacht über und die folgenden vier Tage gewährt. Weil er nun aber von einem Bauer seines Gleichen gehört, daß der böse Geist vor Fluchen und Schwören weichen müsse, hat er aus Einfalt angefangen aufs Greulichste zu fluchen und zu schwören und auf solche Weise dem Teufel zu gebieten, allein dieser hat sich nicht allein nicht schrecken lassen, sondern als wäre er dazu aufgefordert worden, noch härter und stärker als zuvor auf sie geworfen und zu verstehen gegeben, daß ihm durch Gotteslästerung nicht gesteuert, sondern vielmehr gedient werde. | ||
| - | Es hat nun der gute Mann, weil er weder durch die Priesterschaft noch durch Schelten und Fluchen etwas geschafft, angefangen melancholisch und schwermüthig zu werden; weil ihm aber der Herr Vitzthum befohlen, so sich weiter etwas Beschwerliches ereigne, solle er es ihm wissen lassen, hat er sich wieder zu demselben in die Stadt begeben und ihm klagend vorgebracht, | + | Es hat nun der gute Mann, weil er weder durch die Priesterschaft noch durch Schelten und Fluchen etwas geschafft, angefangen melancholisch und schwermüthig zu werden; weil ihm aber der [[familie: |
| Denselben Tag ist nun der Bauer abermals zu dem Herrn Vitzthum gegangen und hat ihm berichtet, was mit dem Stricke sich ereignet habe, dieser hat auch den 15. März den gedachten Herrn Pfarrherrn Johann Körner und den churfürstlichen Landsknecht Hauptmann Hansen von Eltz zu sich beschieden und ihnen angesonnen, mit ihm hinaus gen Tuttelstädt zu fahren und selbst zu beschauen, was das Ungeheuer angestellt habe. | Denselben Tag ist nun der Bauer abermals zu dem Herrn Vitzthum gegangen und hat ihm berichtet, was mit dem Stricke sich ereignet habe, dieser hat auch den 15. März den gedachten Herrn Pfarrherrn Johann Körner und den churfürstlichen Landsknecht Hauptmann Hansen von Eltz zu sich beschieden und ihnen angesonnen, mit ihm hinaus gen Tuttelstädt zu fahren und selbst zu beschauen, was das Ungeheuer angestellt habe. | ||
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| Folgenden Tages am 28. März, da das Weib wiederum zu ihrem Vieh gehen will, wirft dieser teufelische Geist mit einem dreipfündigen Steine dem armen betrübten Weibe eine blutige Wunde in den Kopf, davon sie wie todt mit erbärmlichem Geschrei zur Erde gesunken ist. Das hört der Mann, läuft geschwind mit dem ältesten Sohne dem Weibe zu Hilfe, haspelt sie auf, so gut wie er konnte, eilt mit ihr in die Stube und befiehlt seinem ältesten Sohne, ihre Arbeit zu verrichten. Da fängt der Sohn an so erbärmlich zu schreien, daß der Vater eilt zu sehen, was geschehen sei, findet auch den Sohn gleicher Gestalt sich auf der Erde herumwälzen, | Folgenden Tages am 28. März, da das Weib wiederum zu ihrem Vieh gehen will, wirft dieser teufelische Geist mit einem dreipfündigen Steine dem armen betrübten Weibe eine blutige Wunde in den Kopf, davon sie wie todt mit erbärmlichem Geschrei zur Erde gesunken ist. Das hört der Mann, läuft geschwind mit dem ältesten Sohne dem Weibe zu Hilfe, haspelt sie auf, so gut wie er konnte, eilt mit ihr in die Stube und befiehlt seinem ältesten Sohne, ihre Arbeit zu verrichten. Da fängt der Sohn an so erbärmlich zu schreien, daß der Vater eilt zu sehen, was geschehen sei, findet auch den Sohn gleicher Gestalt sich auf der Erde herumwälzen, | ||
| - | Donnerstags den 30. März geht Hans Schiel mit seinem Weibe und ältesten Sohne frühe hinaus aufs Feld, thun ihren jüngsten Sohn zu ihrem Nachbarn und lassen das Haus allein stehen. Wie sie nun zu Mittag wieder heimkommen, sich und das Vieh zu speisen, wirft der leidige Satan von den Lauben herab mit zwei Steinen, deren jeglicher bei zwölf Pfunden gewogen, hat aber Niemanden damit getroffen. Sie gehen nun nach gehaltenem Mittag wieder aufs Feld an ihre Handarbeit, kehren dann Abends, als es ohngefähr vier geschlagen, wieder heim, da sie Befehl bekommen, den Erfurter Geistlichen um diese Zeit zu erwarten. Da will Hans Schiel Feuer anschlagen, siehe da ist sein Feuerzeug abermals versteckt; wie er aber doch Feuer bekommt, fängt der leidige Teufel an viel greulicher und heftiger zu wüthen und zu toben, als er zuvor jemals gethan. Hans Schiel macht sich nun aus dem Hause eilends in die Küche, etwa um ein Gemüse zu kochen, schließt die Küchenthüre hinter sich zu, indem er meinte, wenn die Thüre zugeschlossen, | + | Donnerstags den 30. März geht Hans Schiel mit seinem Weibe und ältesten Sohne frühe hinaus aufs Feld, thun ihren jüngsten Sohn zu ihrem Nachbarn und lassen das Haus allein stehen. Wie sie nun zu Mittag wieder heimkommen, sich und das Vieh zu speisen, wirft der leidige Satan von den Lauben herab mit zwei Steinen, deren jeglicher bei zwölf Pfunden gewogen, hat aber Niemanden damit getroffen. Sie gehen nun nach gehaltenem Mittag wieder aufs Feld an ihre Handarbeit, kehren dann Abends, als es ohngefähr vier geschlagen, wieder heim, da sie Befehl bekommen, den Erfurter Geistlichen um diese Zeit zu erwarten. Da will Hans Schiel Feuer anschlagen, siehe da ist sein Feuerzeug abermals versteckt; wie er aber doch Feuer bekommt, fängt der leidige Teufel an viel greulicher und heftiger zu wüthen und zu toben, als er zuvor jemals gethan. Hans Schiel macht sich nun aus dem Hause eilends in die Küche, etwa um ein Gemüse zu kochen, schließt die Küchenthüre hinter sich zu, indem er meinte, wenn die Thüre zugeschlossen, |
| Desselbigen Tages am Abend um sechs Uhr sind Herr Johann Körner, der würdige Herr Michael Hertzig, ferner ein anderer Priester Herr Johann Schilling, auch Johann Kallenberg, Bürger zu Erfurt, zu Tuttelstädt angekommen, haben die Inwohner und Nachbarn eben vor dem Hause betrübt stehen gefunden, die ihnen einhellig berichtet, was sich zugetragen und wie das Hausgeräthe so aus dem Hause geworfen worden sei. Darauf haben jene befohlen, das Haus zu öffnen; Hans Schiel aber, dem der lange Spieß und daß er die ganze Zeit über, als die Unruhe gewährt, an die 200 Würfe an seinem Leibe bekommen, im Sinne und Gedächtniß gelegen, wollte nicht daran, das Haus zu öffnen, allein auf ernstliches Anhalten hat er es geöffnet, ist aber selbst wieder zurückgewichen. | Desselbigen Tages am Abend um sechs Uhr sind Herr Johann Körner, der würdige Herr Michael Hertzig, ferner ein anderer Priester Herr Johann Schilling, auch Johann Kallenberg, Bürger zu Erfurt, zu Tuttelstädt angekommen, haben die Inwohner und Nachbarn eben vor dem Hause betrübt stehen gefunden, die ihnen einhellig berichtet, was sich zugetragen und wie das Hausgeräthe so aus dem Hause geworfen worden sei. Darauf haben jene befohlen, das Haus zu öffnen; Hans Schiel aber, dem der lange Spieß und daß er die ganze Zeit über, als die Unruhe gewährt, an die 200 Würfe an seinem Leibe bekommen, im Sinne und Gedächtniß gelegen, wollte nicht daran, das Haus zu öffnen, allein auf ernstliches Anhalten hat er es geöffnet, ist aber selbst wieder zurückgewichen. | ||
| - | Als sich die Geistlichen nun mit dem Zeichen des heil. Kreuzes versehen, sind sie im Namen Gottes und unsers Herrn Christi in das Haus gegangen, sind alsbald auf ihre Kniee gefallen, haben die sieben Bußpsalmen sammt der Litanei nebst andern christlichen Gebeten, dann den 91. Psalmen, auch etliche approbirte Exorcismen andächtig gesprochen und also bei einer Stunde knieend im Gebete verharrt. Indessen sind die Hausbewohner und die ganze Dorfschaft, Einheimische und Fremde, vor dem Hause gestanden und haben gesehen, was daraus werden werde und wie sie der ungeheure Geist empfangen werde. Der Geist hat sich aber nicht das Geringste in ihrer Gegenwart unterfangen; | + | Als sich die Geistlichen nun mit dem Zeichen des heil. Kreuzes versehen, sind sie im Namen Gottes und unsers Herrn Christi in das Haus gegangen, sind alsbald auf ihre Kniee gefallen, haben die sieben Bußpsalmen sammt der Litanei nebst andern christlichen Gebeten, dann den 91. Psalmen, auch etliche approbirte Exorcismen andächtig gesprochen und also bei einer Stunde knieend im Gebete verharrt. Indessen sind die Hausbewohner und die ganze Dorfschaft, Einheimische und Fremde, vor dem Hause gestanden und haben gesehen, was daraus werden werde und wie sie der ungeheure Geist empfangen werde. Der Geist hat sich aber nicht das Geringste in ihrer Gegenwart unterfangen; |
| - | Freitags nach Misericordia Dom. ist Herr Körner abermals nebst andern von der Betfahrt Schmiedestädt (es ist nämlich alle Freitage zwischen Ostern und Trinitatis von Erfurt gen Schmiedestädt in alten Zeiten bis auf diesen Tag eine große Wallfahrt gehalten worden) gen Tuttelstädt gekommen und hat die Leute befragt, wie es um ihre Sache stehe; jene haben aber geantwortet, | + | Freitags nach Misericordia Dom. ist Herr Körner abermals nebst andern von der Betfahrt Schmiedestädt (es ist nämlich alle Freitage zwischen |
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