sagen:graessepreussen452
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| + | ====== Die Eselswiese zu Querfurt ====== | ||
| + | S. Liebelt, Memorabilien der Stadt Querfurt. Querfurt 1818 in 8. S. 15 etc. | ||
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| + | Der interessanteste Markt der Stadt Querfurt ist der Wiesenmarkt bei der Stadt, welcher eine religiöse Veranlassung hatte. Bruno III., Edelherr von Querfurt, ist gewissermaßen der Stifter. Derselbe war Domherr zu Magdeburg, stiftete die dasige Schloßkirche und wurde Benedictinermönch. Papst Gregor ordnete ihm den Bischof Albert in Prag zu, die Preußen zu bekehren und auf Papst Sylvesters Befehl zog er im Jahre 999/1000 wirklich dahin. Nach drei Jahren kam er wieder zurück und besuchte den Papst. Dieser nannte ihn den zweiten Bonifacius und Kaiser Heinrich II. ernannte ihn zu seinem Hofkaplan. Auf die Nachricht von dem Absterben einiger Priester in Preußen machte sich Bruno wieder auf, reiste aber zuvor noch einmal nach Querfurt. Seine Brüder Burkhard und Gebhard begleiteten ihn auf der Abreise bis an die Wiese und wollten sich da von ihm trennen, doch Bruno' | ||
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| + | Es giebt jedoch noch eine zweite ganz verschiedene Erzählung von dieser Wiese. Dieselbe lautet also:((So Ziehnert Bd. II. S. 8 etc.)) Es hat unter dem Kaiser Friedrich II. auf seiner Burg Querfurt im Thüringer Lande ein Graf Bruno von Querfurt gewohnt, ein ebenso reicher als tapferer und frommer Mann. Der hat Alles besessen, was sich der Mensch nur wünschen kann, nur eins fehlte ihm, er wünschte sich einen Stammhalter, | ||
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| + | Mehrere Wochen darauf fühlte sie sich Mutter und theilte solches ihrem Gemahl mit, der darüber hocherfreut ward und vor Freude alle Armen im ganzen Gau speisen und tränken ließ, weil Gott seine Bitte erhört hatte. Und als nun die Osterzeit kam und ihre Entbindung herankam, da ritt er nach Kloster Goseck, um dort Messen für seine Gemahlin lesen zu lassen, damit ihr Gott in ihrer schweren Stunde beistehen möchte. Im Kloster aber begegnete ihm der Unfall, daß sein Pferd an der Schwelle der Stallthüre stürzte und gänzlich lahm ward, so daß, da im Kloster keine Rosse gehalten wurden, er froh sein mußte, daß ihm der Pater Guardian des Klosters zum Heimreiten seine Eselin borgte, denn warten wollte er nicht, um nicht seine Frau in ihren Nöthen allein zu lassen. Er bestieg also die Eselin, als er aber in der Nähe der Stadt Querfurt auf eine Wiese kam, da bäumte sich auf einmal die Eselin und wollte nicht vorwärts, er mochte sie noch so sehr antreiben. Das befremdete ihn sehr und er sah sich nach der Ursache um, und siehe, rings um die Eselin sah er einen ellenbreiten Kreis von frischgefallenem Schnee. Nun war aber seit Wochen in dieser Gegend keine einzige Flocke Schnee mehr gefallen, im Gegentheil es war bereits Frühling und die Bäume begannen zu grünen und die ersten Blümchen hervorzusprossen. Er zweifelte also nicht, daß hier etwas Geisterhaftes im Spiele sei, stieg ab und gelobte dem Herrn, hier ein Kirchlein zu bauen, wenn der Spuk ihn weiter reiten ließe. Auf einmal verschwand der Schnee und die Eselin ließ sich bewegen weiter zu gehen; als er aber an das Ufer der Querne kam, da sah er nicht weit vom Wege ab im Gesträuche am Ufer ein Weib mit einem großen Korbe und erkannte sie am Kleide als die Kammerfrau seiner Gemahlin. Er ritt also hin zu ihr und fragte sie, was sie hier zu schaffen habe. Darüber erschrack aber das Weib gar sehr, zog das Tuch über den Korb, als wolle sie etwas verstecken, und sprach mit ängstlicher Stimme: »Es sind junge Hunde da drinnen, die ich ersäufen will.« Darauf befahl er der Frau den Korb zu öffnen, damit er sie sehen könne, als sie sich aber weigerte, stieg er von der Eselin ab, um selbst nachzusehen. Da warf sich das Weib ihm zu Füßen und sagte, sie wolle Alles gestehen, wenn er nur ihres Lebens schonen wolle. Als ihr dies der Graf versprochen, | ||
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| + | Als nun der Graf die 11 armen nackten, aber sich sprechend ähnlichen Knäblein ansah, da ward ihm gar sonderbar ums Herz und er dachte bei sich, was doch seine Frau für ein böses unbarmherziges Gemüth haben müsse, daß sie sich zu einer so grausamen That habe entschließen können. Indeß dankte er dem Herrn, daß ihn der spukhafte Schnee so lange aufgehalten hatte, sonst würde er längst vorüber gewesen sein, als die Kammerfrau an das Ufer der Querne kam. Er befahl nun der Letztern, seiner Frau zu sagen, sie habe die Kinder wirklich ersäuft, den Korb mit denselben aber zu einem Töpfermeister in der Stadt Querfurt zu tragen, dem er einstmals eine große Gnade erwiesen hatte. Er begab sich selbst auch zu ihm, theilte ihm so viel von der Sache mit als nöthig war, und machte mit ihm aus, daß derselbe sechs der Knaben selbst bei sich erziehen, die andern aber in der Stadt bei guten Freunden von sich unterbringen und erziehen lassen möchte. Er selbst aber kehrte nach Hause zurück, wo ihm sein falsches Weib den zwölften Knaben als den eben geborenen Stammhalter entgegenhielt und sich stellte, als sei sie über dieses Geschenk Gottes hocherfreut. Der Graf verstellte sich aber auch und heuchelte eine fröhliche Miene, allein in der Folge vermochte er doch nicht mehr das bösartige Weib auch nur zum Schein liebreich zu behandeln, sondern zog sich gänzlich von ihr zurück. Sie aber ließ sich dies wenig kümmern, hatte auch keine Ahnung, daß er ihre Schandthat wisse. In demselben Sommer ließ der Graf aber an der Stelle, wo der Schnee gelegen, ein Kirchlein bauen, und von der Eselin, auf der er geritten war, nannte man die Wiese die Eselswiese. | ||
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| + | So waren sechs Jahre vergangen und die elf Knaben waren bei ihren Pflegevätern herrlich gediehen und glichen einer dem andern wie ein Ei. Da ließ der Graf zur Osterzeit am Geburtstage der Knaben seine Vasallen, die Ritter von Takau, Schömberg und Hainsburg, den Töpfermeister und die fünf andern Pflegeväter, | ||
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| + | Die Eselswiese ist nun aber noch heute in Querfurt ein wohlbekannter Ort, denn hier ist alljährlich am dritten Osterfeiertage ein lustiger Jahrmarkt, wo die Töpfer den Grafen Bruno auf der Eselin sitzend gar schön aus Thon geformt verkaufen und zwar in Folge des Privilegiums, | ||
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sagen/graessepreussen452.1709896359.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
