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sagen:graessepreussen334

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     Nach Otmar S. 251 etc.     Nach Otmar S. 251 etc.
  
-Unfern der nördlichen Spitze des Hakels sieht man am Abhange des Berges einen großen Erdfall, zum Theil mit Wasser ausgefüllt, am Rande mit hohem Schilf überwachsen und in der Mitte mit der längsten Stange nicht zu ergründen. Darum heißt er mit Recht: »der Grundlos!«+Unfern der nördlichen Spitze des [[region:hakel|Hakels]] sieht man am Abhange des Berges einen großen Erdfall, zum Theil mit Wasser ausgefüllt, am Rande mit hohem Schilf überwachsen und in der Mitte mit der längsten Stange nicht zu ergründen. Darum heißt er mit Recht: »der Grundlos!«
  
 Hier stand einst vor vielen hundert Jahren, als noch das ganze Land mit Wald bedeckt war, im Dickicht eine Burg, der gewöhnliche Sammelplatz der Raubritter, welche die ganze Gegend umher unsicher machten. Hier theilten sie ihren Raub und die Ernten der zerstreuten Bewohner des Landes, die sie für sich zu arbeiten zwangen bis auf das Blut, besonders bei den Burgfesten. Hierher brachten sie auch ihre Gefangenen und die besten Töchter des Landmanns, die sie zum Hofdienst raubten. Hier schwelgten und lärmten und tanzten die fahrenden Ritter lange Tage und Nächte hindurch und mit Schrecken hörte der ferne Wanderer oft zwischen dem Lärm der Pauken und Trompeten das dumpfe Jammergeschrei derer, die in unterirdischen Höhlen gemordet wurden. Menschliche Hilfe war hier umsonst, denn mächtige verbündete Ritter schützten die Burg mit ihren Reisigen. Da nahte der Tag der Rache. Hier stand einst vor vielen hundert Jahren, als noch das ganze Land mit Wald bedeckt war, im Dickicht eine Burg, der gewöhnliche Sammelplatz der Raubritter, welche die ganze Gegend umher unsicher machten. Hier theilten sie ihren Raub und die Ernten der zerstreuten Bewohner des Landes, die sie für sich zu arbeiten zwangen bis auf das Blut, besonders bei den Burgfesten. Hierher brachten sie auch ihre Gefangenen und die besten Töchter des Landmanns, die sie zum Hofdienst raubten. Hier schwelgten und lärmten und tanzten die fahrenden Ritter lange Tage und Nächte hindurch und mit Schrecken hörte der ferne Wanderer oft zwischen dem Lärm der Pauken und Trompeten das dumpfe Jammergeschrei derer, die in unterirdischen Höhlen gemordet wurden. Menschliche Hilfe war hier umsonst, denn mächtige verbündete Ritter schützten die Burg mit ihren Reisigen. Da nahte der Tag der Rache.
  
-Einst verirrte sich an einem nebeligen Herbsttage ein hierher kommender Ritter aus Welschland mit seinem Knechte im Harzgebirge und kam zu dieser Burg, welche abwärts von der Straße, welche Reisende zu ziehen pflegten, im Walde dicht versteckt lag. Schon war die Nacht eingebrochen und rings um die Burgmauer her war weder Mensch zu sehen noch Thier. Doch hörten sie drinnen ein wildes Gekreische, wie von betrunkenen lärmenden Männern, und Hörner und Trompeten, begleitet vom Geheul großer Hunde. Die Reisenden pochten und riefen an einer Hinterpforte im Dickicht, aber zu ihrem Glück hörte Niemand ihr Klopfen noch Rufen, denn es tobte der Sturm in der Nacht und der Regen rasselte auf den Dächern.+Einst verirrte sich an einem nebeligen Herbsttage ein hierher kommender Ritter aus [[lex:Welschland]] mit seinem Knechte im [[region:harz|Harzgebirge]] und kam zu dieser Burg, welche abwärts von der Straße, welche Reisende zu ziehen pflegten, im Walde dicht versteckt lag. Schon war die Nacht eingebrochen und rings um die Burgmauer her war weder Mensch zu sehen noch Thier. Doch hörten sie drinnen ein wildes Gekreische, wie von betrunkenen lärmenden Männern, und Hörner und Trompeten, begleitet vom Geheul großer Hunde. Die Reisenden pochten und riefen an einer Hinterpforte im Dickicht, aber zu ihrem Glück hörte Niemand ihr Klopfen noch Rufen, denn es tobte der Sturm in der Nacht und der Regen rasselte auf den Dächern.
  
 Der Knecht, des Rufens müde, suchte ein Obdach und endlich fand er tappend und durch das Gebüsch sich drängend unfern dem Eingange der Burg eine gewölbte Vertiefung und in ihr eine Pferdekrippe, woran ein fressender Klepper stand. Froh über die Entdeckung brachte er seinen Herrn und die Pferde hierher und ließ sie an dem Futter sich laben, womit die Krippe angefüllt war. Der fremde Ritter, ermüdet von der langen mühevollen Reise, entschlief bald auf einem kleinen Heuschober, den er in einem Winkel der Höhlung auffand. Die ferne Musik und das eintönige Rasseln des Regens wiegte ihn in festen Schlummer. Der Knecht, des Rufens müde, suchte ein Obdach und endlich fand er tappend und durch das Gebüsch sich drängend unfern dem Eingange der Burg eine gewölbte Vertiefung und in ihr eine Pferdekrippe, woran ein fressender Klepper stand. Froh über die Entdeckung brachte er seinen Herrn und die Pferde hierher und ließ sie an dem Futter sich laben, womit die Krippe angefüllt war. Der fremde Ritter, ermüdet von der langen mühevollen Reise, entschlief bald auf einem kleinen Heuschober, den er in einem Winkel der Höhlung auffand. Die ferne Musik und das eintönige Rasseln des Regens wiegte ihn in festen Schlummer.
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 Plötzlich fielen einzelne Strahlen wie von einer auflodernden Fackel auf das Gebüsch und im Augenblick war Alles wieder verschwunden. Oft glaubte er entferntes Kettengeklirr und dumpfes Aechzen zu hören; er horchte und plötzlich war Alles wieder still. In jedem Augenblick erwartete er vor Angst zu sterben und überlebte doch alle diese Schrecken. Jetzt schlug endlich nach langem vergeblichen Harren die Thurmuhr Eins. Das Gewölk zertheilte sich; einzelne Strahlen des Mondes fielen auf ihn durch die Gebüsche und Hoffnung und Lust zum Leben kehrten zurück in sein Herz. Bald stand der volle Mond in seiner Pracht da am heitern nicht mehr bewölkten Himmel. Und nun wagte es der Knappe einige Schritte vorwärts zu thun, um sich umzusehen, wo er sei. Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß.  Plötzlich fielen einzelne Strahlen wie von einer auflodernden Fackel auf das Gebüsch und im Augenblick war Alles wieder verschwunden. Oft glaubte er entferntes Kettengeklirr und dumpfes Aechzen zu hören; er horchte und plötzlich war Alles wieder still. In jedem Augenblick erwartete er vor Angst zu sterben und überlebte doch alle diese Schrecken. Jetzt schlug endlich nach langem vergeblichen Harren die Thurmuhr Eins. Das Gewölk zertheilte sich; einzelne Strahlen des Mondes fielen auf ihn durch die Gebüsche und Hoffnung und Lust zum Leben kehrten zurück in sein Herz. Bald stand der volle Mond in seiner Pracht da am heitern nicht mehr bewölkten Himmel. Und nun wagte es der Knappe einige Schritte vorwärts zu thun, um sich umzusehen, wo er sei. Er entdeckte bald eine nicht sehr hohe Mauer, auf der mehrere kleine Thürme standen, und nicht weit von dem Stalle, von einigen mächtigen Eichen überdeckt, ein eisernes Fallgatter, das den Eingang in den Burghof verschloß. 
  
-Mit immer wachsendem Muthe (denn vorbei war die Gespensterstunde und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich mit leisem Tritt dem Fallgatter und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte. Auf der Mitte des Hofes stand eine Rugesäule (d.h. ein Roland, als Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit) mit ausgespreizten Armen. Mit einem Male zeigte sich hier dem Knechte ein wundersames Abenteuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwertträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge; der größte Hahn, höher und stärker befiedert als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolandssäule, die andern nahmen Platz auf seinem Ellenbogen. Und nun krähten sie alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still, dann erscholl es wie aus dumpfer Ferne: »Wehe, wehe, wehe!« Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne und das »Wehe, wehe, wehe!« erscholl zum zweiten Male. Neunmal krähten noch lauter die Hähne und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte und schrie: »Wehe, wehe, wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!«+Mit immer wachsendem Muthe (denn vorbei war die Gespensterstunde und der Mond leuchtete ihm) nahte er sich mit leisem Tritt dem Fallgatter und sah hinein in den Burghof, sah am Ende desselben das Thürmlein, das hinauf zum Rittersaal führte. Auf der Mitte des Hofes stand eine Rugesäule (d.h. ein [[ding:rolandstatue|Roland]], als Zeichen der peinlichen Gerichtsbarkeit) mit ausgespreizten Armen. Mit einem Male zeigte sich hier dem Knechte ein wundersames Abenteuer. Drei große Hähne stiegen majestätisch herab von dem runden Dach des Burgverließes und wandelten langsam über den Hof, dem geharnischten Schwertträger zu. Dann hoben sie sich zugleich im Fluge; der größte Hahn, höher und stärker befiedert als ein Adler, setzte sich auf den Kopf der Rolandssäule, die andern nahmen Platz auf seinem Ellenbogen. Und nun krähten sie alle drei zugleich dreimal, daß der Hof und der nahe Wald wiederhallten. Alles still, dann erscholl es wie aus dumpfer Ferne: »Wehe, wehe, wehe!« Siebenmal krähten nun noch lauter die Hähne und das »Wehe, wehe, wehe!« erscholl zum zweiten Male. Neunmal krähten noch lauter die Hähne und nun erhob sich der große Hahn hoch in die Lüfte und schrie: »Wehe, wehe, wehe! Heute noch versinkt die Raubburg!«
  
-Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stalle zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlaf dalag, bis er endlich erwachte und verkündete bebend wie Espenlaub ihm die unerhörte Märe, während er die noch nicht gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus Welschland seinen Knecht Lügen und glaubte dennoch die Erzählung und schauderte daß zusammen bei dem »Wehe, wehe, wehe!« Und ohne zu säumen eilten beide von dannen durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden. Jetzt ging ihnen lang erwünscht die Sonne auf, aber halb verfinstert und wie mit einem Trauerflor umschleiert. Schon sahen sie von weitem die beglänzten Thurmspitzen Magdeburgs. Da hörten sie, in weiter Ferne hinter sich, ein dumpfes Getöse, wie von einem fernen Donner. Sie blickten zurück und sahen eine große dicke Dampfsäule aufsteigen, wie aus einem feuerspeienden Berge. »He«, rief der Knecht, »gewiß ist dort die verruchte Burg versunken! Aus dem Schwefelpfuhl, worein die Unholde stürzten, steigt jener Dampf auf!« »Komm«, sprach sein Herr, »wir wollen dorthin zurückkehren um die wunderbare Geschichte zu sehen; ich habe so in dem Stall meine Handschuhe, das Abschiedsgeschenk meiner Verlobten, zurückgelassen.« Aber höchlich weigerte sich deß der Knecht und zürnend und drohend ritt der Ritter aus Welschland allein der aufsteigenden Dampfsäule zu. Zitternd folgte ihm endlich der Knecht in weiter Entfernung. Nach einigen Stunden erreichten sie die Gegend, wo der Dampf aufbrodelte, der Ritter befahl seinem Knecht hineinzureiten in die Dampfwolke, um seine Handschuhe zu holen. Der Knecht bebte zurück, da riß der Ritter zähneknirschend sein Schwert aus der Scheide und stieß es dem Knecht in die Brust. Noch jetzt siehst Du unfern des Grundloses den Stein, wo der Herr seinen zögernden Knecht würgte und bei Sonnenfinsternissen noch hier und da Tropfen des Bluts, das den Stein überspritzte.+Taumelnd wankte der Knecht nach dem überwölbten Stalle zurück, rüttelte zitternd seinen Herrn, der wie im Todesschlaf dalag, bis er endlich erwachte und verkündete bebend wie Espenlaub ihm die unerhörte Märe, während er die noch nicht gesattelten Rosse zäumte. Kopfschüttelnd strafte der Ritter aus [[lex:Welschland]] seinen Knecht Lügen und glaubte dennoch die Erzählung und schauderte daß zusammen bei dem »Wehe, wehe, wehe!« Und ohne zu säumen eilten beide von dannen durch Gebüsch und Hecken, bis sie endlich die gebahnte Straße fanden. Jetzt ging ihnen lang erwünscht die Sonne auf, aber halb verfinstert und wie mit einem Trauerflor umschleiert. Schon sahen sie von weitem die beglänzten Thurmspitzen [[geo:magdeburg|Magdeburgs]]. Da hörten sie, in weiter Ferne hinter sich, ein dumpfes Getöse, wie von einem fernen Donner. Sie blickten zurück und sahen eine große dicke Dampfsäule aufsteigen, wie aus einem feuerspeienden Berge. »He«, rief der Knecht, »gewiß ist dort die verruchte Burg versunken! Aus dem Schwefelpfuhl, worein die Unholde stürzten, steigt jener Dampf auf!« »Komm«, sprach sein Herr, »wir wollen dorthin zurückkehren um die wunderbare Geschichte zu sehen; ich habe so in dem Stall meine Handschuhe, das Abschiedsgeschenk meiner Verlobten, zurückgelassen.« Aber höchlich weigerte sich deß der Knecht und zürnend und drohend ritt der Ritter aus Welschland allein der aufsteigenden Dampfsäule zu. Zitternd folgte ihm endlich der Knecht in weiter Entfernung. Nach einigen Stunden erreichten sie die Gegend, wo der Dampf aufbrodelte, der Ritter befahl seinem Knecht hineinzureiten in die Dampfwolke, um seine Handschuhe zu holen. Der Knecht bebte zurück, da riß der Ritter zähneknirschend sein Schwert aus der Scheide und stieß es dem Knecht in die Brust. Noch jetzt siehst Du unfern des Grundloses den Stein, wo der Herr seinen zögernden Knecht würgte und bei Sonnenfinsternissen noch hier und da Tropfen des Bluts, das den Stein überspritzte.
  
 Der Ritter weilte, bis die Sonne höher stieg und nur noch eine dichte Dampfsäule die Mitte der Schreckensgegend verhüllte. Er sah nun vor sich einen See, der immer größer wurde, je mehr der Nebel sich in der Mitte zusammendrängte, und fand endlich am Ufer die Krippe, an der in der Nacht sein Streitroß stand, und in ihr – o Wunder! die Handschuhe, die seine Verlobte ihm gegeben. In tiefem Nachdenken versunken stand der fremde Ritter aus Welschland, den stieren, starren Blick auf seine Handschuhe gerichtet. Bald aber weckte ihn ein Zetergeschrei aus seinem Hinstarren. Er blickte auf, die Sonne hatte jetzt die Mitte des Himmels erreicht und die ganze Dampfwolke niedergedrückt. Da sieht er das Dach der immer tiefer einsinkenden Burg ganz mit Menschen bedeckt, die in der größten Herzensangst immer höher klommen, je näher ihnen das Wasser des immer steigenden Sees kam. An der Kleidung unterschied er etwa acht Ritter und zwölf Knappen.  Der Ritter weilte, bis die Sonne höher stieg und nur noch eine dichte Dampfsäule die Mitte der Schreckensgegend verhüllte. Er sah nun vor sich einen See, der immer größer wurde, je mehr der Nebel sich in der Mitte zusammendrängte, und fand endlich am Ufer die Krippe, an der in der Nacht sein Streitroß stand, und in ihr – o Wunder! die Handschuhe, die seine Verlobte ihm gegeben. In tiefem Nachdenken versunken stand der fremde Ritter aus Welschland, den stieren, starren Blick auf seine Handschuhe gerichtet. Bald aber weckte ihn ein Zetergeschrei aus seinem Hinstarren. Er blickte auf, die Sonne hatte jetzt die Mitte des Himmels erreicht und die ganze Dampfwolke niedergedrückt. Da sieht er das Dach der immer tiefer einsinkenden Burg ganz mit Menschen bedeckt, die in der größten Herzensangst immer höher klommen, je näher ihnen das Wasser des immer steigenden Sees kam. An der Kleidung unterschied er etwa acht Ritter und zwölf Knappen. 
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