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sagen:graessepreussen333

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 ====== Hackelberg und die Tut-Osel ====== ====== Hackelberg und die Tut-Osel ======
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 Jetzt war es plötzlich rings umher still; die Wanderer erhoben sich langsam und schüchtern und wollten Hackelberg nachsehen. Aber er war verschwunden und kam nicht wieder. Jetzt war es plötzlich rings umher still; die Wanderer erhoben sich langsam und schüchtern und wollten Hackelberg nachsehen. Aber er war verschwunden und kam nicht wieder.
  
-»Wer ist denn die Tut-Osel?« fragte nach langer Pause der zweite Wanderer. »In einem fernen Kloster in Thüringen«, antwortete der erste, »lebte einst eine Nonne, Ursel benannt. Diese plagte schon im Leben mit ihrer heulenden Stimme blos ihre Mitschwestern und störte oft den Chorgesang. Drum nannte man sie Tut-Ursel. Aber viel schlimmer wurde es nach ihrem Tode. Denn von eilf Uhr Abends an steckte sie den Kopf durch ein Loch des Thurmes in das Chor der Kirche und tutete kläglich und alle Morgen um vier Uhr stimmte sie ungerufen in den Chorgesang ein. Einige Tage ertrugen dies die Schwestern mit klopfendem Herzen und bebenden Knieen, aber als sie den vierten Morgen mit einstimmte und eine der Nonnen mit leise zitternder Stimme zu ihrer Nachbarin sagte: ›He, das ist gewiß die Ursel!‹ da schwieg plötzlich der Gesang, die Haare sträubten sich auf und alle Nonnen stürzten aus der Kirche, halblaut schreiend: ›He, Tut-Ursel! Tut-Ursel!‹ Und keine der angedrohten Bußen und Strafen vermochte eine der Nonnen die Kirche wieder zu betreten, bis die Ursel aus den Klostermauern verbannt war. Man holte also den berühmtesten Teufelsbanner seiner Zeit aus einem Kapuzinerkloster an der Donau und dieser bannte durch Fasten und Gebet die Ursel in der Gestalt der Ohreule nach der fernen Dummburg. Hier traf sie Hackelberg, den wilden Jäger und fand an seinem Waidruf: ›Hu! Hu!‹ ein so großes Behagen, als er an ihrem ›U! Hu!‹ Und so ziehen sie nun auf immer vereint auf die Luftjagd aus, er froh, ein Wesen gefunden zu haben seiner Art, sie hocherfreut, nicht mehr eingeschlossen zu sein in den Klostermauern und den Wiederhall zu hören ihres Gesanges.«+»Wer ist denn die Tut-Osel?« fragte nach langer Pause der zweite Wanderer. »In einem fernen Kloster in [[land:Thüringen]]«, antwortete der erste, »lebte einst eine Nonne, Ursel benannt. Diese plagte schon im Leben mit ihrer heulenden Stimme blos ihre Mitschwestern und störte oft den Chorgesang. Drum nannte man sie Tut-Ursel. Aber viel schlimmer wurde es nach ihrem Tode. Denn von eilf Uhr Abends an steckte sie den Kopf durch ein Loch des Thurmes in das Chor der Kirche und tutete kläglich und alle Morgen um vier Uhr stimmte sie ungerufen in den Chorgesang ein. Einige Tage ertrugen dies die Schwestern mit klopfendem Herzen und bebenden Knieen, aber als sie den vierten Morgen mit einstimmte und eine der Nonnen mit leise zitternder Stimme zu ihrer Nachbarin sagte: ›He, das ist gewiß die Ursel!‹ da schwieg plötzlich der Gesang, die Haare sträubten sich auf und alle Nonnen stürzten aus der Kirche, halblaut schreiend: ›He, Tut-Ursel! Tut-Ursel!‹ Und keine der angedrohten Bußen und Strafen vermochte eine der Nonnen die Kirche wieder zu betreten, bis die Ursel aus den Klostermauern verbannt war. Man holte also den berühmtesten Teufelsbanner seiner Zeit aus einem Kapuzinerkloster an der [[region:Donau]] und dieser bannte durch Fasten und Gebet die Ursel in der Gestalt der Ohreule nach der fernen Dummburg. Hier traf sie Hackelberg, den wilden Jäger und fand an seinem Waidruf: ›Hu! Hu!‹ ein so großes Behagen, als er an ihrem ›U! Hu!‹ Und so ziehen sie nun auf immer vereint auf die Luftjagd aus, er froh, ein Wesen gefunden zu haben seiner Art, sie hocherfreut, nicht mehr eingeschlossen zu sein in den Klostermauern und den Wiederhall zu hören ihres Gesanges.«
  
 »Da haben wir nun die Tut-Osel! Aber wie ging es denn jenem Schäfer, der Hackelberg anredete?« »Da haben wir nun die Tut-Osel! Aber wie ging es denn jenem Schäfer, der Hackelberg anredete?«
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 //Quellen:// //Quellen://
   * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 293-295;//   * //[[autor:graesse|Johann Georg Theodor Grässe]]: [[buch:sagenbuchpreussen|Sagenbuch des Preußischen Staates]], Band 1, Glogau 1868/71, S. 293-295;//
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sagen/graessepreussen333.1706605716.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)