sagen:graessepreussen325
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| + | ====== Die goldene Hand zu Magdeburg ====== | ||
| + | Nach Relßieg Bd. II. S. 406 etc. | ||
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| + | Die vormalige Koquische Zuckersiederei, | ||
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| + | Im Jahre 1058 befand sich die Kaiserin Agnes, Wittwe des am 5. October 1056 verstorbenen Kaisers Heinrich III. und Mutter des damals nur 7jährigen Kaisers Heinrich IV. in Magdeburg und bewohnte den erzbischöflichen Palast, wo sie von dem damaligen Erzbischof Engelhard ausgezeichnet aufgenommen ward. Derselbe war aber leider ein sehr großer Verehrer des schönen Geschlechts und warf seine Augen auch auf ein Hoffräulein der Kaiserin, eine junge Böhmin aus edlem Geschlechte, | ||
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| + | Nun war dieselbe aber bei der Kaiserin in Ungnade gefallen, weil sie sich von den Herren des Hofes und dem Erzbischof selbst etwas freier den Hof hatte machen lassen, als es der Kaiserin passend erschien. Das Mädchen wußte bei ihrer Entlassung nicht, wohin sie sich wenden sollte, denn ihre allerdings noch am Leben befindliche Mutter hatte selbst für sich kaum zu leben und dann fürchtete sie auch schwere Vorwürfe von derselben, weil sie durch ihren Leichtsinn und ihre Eitelkeit ihre gute Stellung bei der Kaiserin verloren hatte. Sie ließ sich daher leider verleiten, das Anerbieten des Erzbischofs, | ||
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| + | Derselbe hatte wohlweislich vorher der Kaiserin vorgespiegelt, | ||
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| + | Als jedoch die Sache eines Tages zwischen dem Erzbischof und dem früheren Hoffräulein zur Sprache kam, betheuerte der Letztere bei seiner Ehre, daß sie von seiner Seite auch keinen Heller erhalten habe. Machte sie nun diese Versicherung schon stutzig, so geschah dies kurz darauf noch weit mehr, als eines Tages der Kirchenfürst seine frühere bescheidene Zurückhaltung gegen sie ablegte und zudringlich zu werden anfing, sie selbst aber ihn auch nicht mit der Strenge zurückwies, | ||
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| + | Es trat nämlich, während sie mit einander koseten, plötzlich unangemeldet ein von Kopf bis zu den Füßen geharnischter Ritter ein, stellte sich, ohne auf die strenge Frage des Erzbischofs, | ||
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| + | Am andern Morgen sah man auf seinem Gesichte die Spuren einer starken Männerhand und in Folge dessen blieb der Erzbischof jetzt von dem Hause des Mädchens fern, indem er sich nicht einer abermaligen Beleidigung aussetzen wollte. Die schöne Böhmin aber fing an in sich zu gehen und jenen Ritter als einen Boten aus dem Jenseits anzusehen, der ihre Unschuld habe retten und sie selbst zur Buße auffordern wollen. Sie schrieb also an ihren Bruder, der zu Prag sich aufhielt, und bat ihn, sie von Magdeburg abzuholen und zu sich zu nehmen. | ||
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| + | Da geschah es eines Tages, daß sie um Mitternacht plötzlich durch einen gewaltigen Sturmwind, der das ganze Haus erschütterte, | ||
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| + | Sie versuchte ihn also in die Hand zu nehmen, um ihn näher zu beschauen, allein sie fand, daß er von außerordentlicher Schwere war, so daß sie ihn nicht halten konnte; sie ließ ihn also fallen, und siehe wie erstaunte sie, als aus der eisernen Hülle eine schön geformte Manneshand von purem Golde, mit Fingern und Nägeln, Gliedern und Gelenken, so künstlich gearbeitet, daß auf ihr sogar die Adern etc. zu sehen waren, auf die Diele fiel. Sie hob dieselbe auf und legte sie wieder auf den Tisch, erwartete auch zuversichtlich, | ||
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| + | Nach einiger Zeit erschien aber plötzlich ein Benedictinermönch des Ordens zum schattigen Thale, dessen Schirmvoigt ihr Bruder in Prag war, bei ihr und forderte sie im Namen des Letzteren auf, sich zu erklären, ob sie ihren in Magdeburg doch durch üble Nachrede und eigene Schuld verunglimpften Namen in einem Kloster begraben oder sich mit einem Ritter vermählen wolle, den ihr ihr Bruder senden werde und den sie daran erkennen solle, daß er die goldene Hand, in deren Besitz sie sei, an den Stumpf seines Armes passen und mit ihr gleichwie mit einer ordentlichen Hand zugreifen werde. Er gab ihr zu ihrer Erklärung drei Tage Bedenkzeit und wie zu erwarten, wählte sie das letztere. Da geschah es, daß sie um Mitternacht des dritten Tages von einem lauten Geräusch von Rossehufen auf der Straße aus dem Schlafe erweckt ward, sie öffnete das Fenster und eine kräftige Männerstimme rief ihr von der Straße aus zu, sie solle das Haus aufschließen lassen, der ihr bestimmte Bräutigam sei angelangt. Zwar hatte sie ihn erst am nächsten Morgen erwartet, allein sein frühzeitiges Erscheinen erklärte sie sich mit der Sehnsucht des Unbekannten, | ||
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| + | Derselbe nahm nun den Helm ab und stand als ein schöner junger Ritter vor ihr, er sagte, er habe diesen seinen Arm in einer Schlacht gegen die Türken verloren, da habe ihm ein großer Künstler diese Hand gemacht und aus Dankbarkeit habe er denselben zu seinem steten Begleiter erwählt; er komme nun, um sich selbst ihr Jawort zu erbitten und sie dann mit in seine Heimath zu führen. Schon streckte die Jungfrau die Hand aus, mit der sie ihren ewigen Bund bekräftigen wollte. Da fiel ihr Blick auf den hinter dem Ritter stehenden Knappen desselben; wie ward ihr aber, als sie in demselben jenen weißgekleideten schönen Jüngling aus ihren Träumen wiedererkannte, | ||
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| + | Da trat der Ritter zurück, der angebliche Knappe aber sprach: »Du hast selbst Dein Schicksal entschieden, | ||
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