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sagen:graessepreussen317

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 Es hielt sich zu Radewell eine Dienstmagd, Namens Anna Katharina Lerchin, gebürtig aus Ammendorf, bei dem Bauer Andreas Lange auf. Es war dieses eine gar gottlose liederliche Person, die namentlich dem Geistlichen, der sie öfters zur Besserung ermahnte, allen möglichen Tort und Dampf anthat. So kam sie eines Nachts mit fremden Soldaten und Spielleuten vor die Pfarrwohnung, fing an mit ihnen zu schreien und zu jauchzen und Zotenlieder zu singen. Endlich aber ward sie guter Hoffnung, versprach zwar anfangs dem Pastor, der ihr ihr Vergehen vorhielt, in sich zu gehen und von nun an an Gott zu denken, allein dieses Versprechen und die guten Vorsätze hielten nicht lange vor, sie weigerte sich, die ihr aufgelegte öffentliche Kirchenbuße zu thun, verfluchte und verwünschte den Pfarrer und sagte gar: der Donnerpfaffe soll's nicht würdig werden, daß er mir die Hand noch einmal auf den Kopf lege!  Es hielt sich zu Radewell eine Dienstmagd, Namens Anna Katharina Lerchin, gebürtig aus Ammendorf, bei dem Bauer Andreas Lange auf. Es war dieses eine gar gottlose liederliche Person, die namentlich dem Geistlichen, der sie öfters zur Besserung ermahnte, allen möglichen Tort und Dampf anthat. So kam sie eines Nachts mit fremden Soldaten und Spielleuten vor die Pfarrwohnung, fing an mit ihnen zu schreien und zu jauchzen und Zotenlieder zu singen. Endlich aber ward sie guter Hoffnung, versprach zwar anfangs dem Pastor, der ihr ihr Vergehen vorhielt, in sich zu gehen und von nun an an Gott zu denken, allein dieses Versprechen und die guten Vorsätze hielten nicht lange vor, sie weigerte sich, die ihr aufgelegte öffentliche Kirchenbuße zu thun, verfluchte und verwünschte den Pfarrer und sagte gar: der Donnerpfaffe soll's nicht würdig werden, daß er mir die Hand noch einmal auf den Kopf lege! 
  
-Als inzwischen am 27. September 1709 ein gewisser Andreas Wolf, ein böser Mensch, der zeitlebens ein gottloses, liederliches Leben geführt hatte, starb und sie beim Begräbniß von etlichen Dabeistehenden ermahnt ward, ein Exempel an diesem Manne zu nehmen, da sie bei ihrer hohen Schwangerschaft auch schon mit einem Fuße im Grabe stehe, fuhr sie mit den Worten heraus: »Dem Donnerpfaffen zu Gefallen? Nimmermehr! Ich will die andere Woche in das nächste Dorf, nach Döllnitz ziehen; der verfluchte Pfaff soll nicht würdig werden, mein Kind zu [[typ:taufe|taufen]] und mich zu absolviren!«+Als inzwischen am 27. September 1709 ein gewisser Andreas Wolf, ein böser Mensch, der zeitlebens ein gottloses, liederliches Leben geführt hatte, starb und sie beim Begräbniß von etlichen Dabeistehenden ermahnt ward, ein Exempel an diesem Manne zu nehmen, da sie bei ihrer hohen Schwangerschaft auch schon mit einem Fuße im Grabe stehe, fuhr sie mit den Worten heraus: »Dem Donnerpfaffen zu Gefallen? Nimmermehr! Ich will die andere Woche in das nächste Dorf, nach Döllnitz ziehen; der verfluchte Pfaff soll nicht würdig werden, mein Kind zu taufen und mich zu absolviren!«
  
 Ehe sie aber noch diesen Vorsatz ausführen konnte, kam sie vorzeitig nieder; sie gebar zwar ziemlich leicht ein Zwillingspaar, allein sie ward bald so schwach, daß sie die Wehemutter bat, zum Geistlichen zu gehen und ihn zu ihr zu holen. Dies geschah auch, allein als derselbe in die Stube trat, wo sie auf Stroh lag, und sie anredete, erblaßte sie und fiel todt zurück, ohne noch einen Finger zu regen oder ein einziges Wort zu sprechen. Ueber diesen merkwürdigen Fall entsetzten sich aber alle anwesenden Frauen und eine derselben, welche sich an ihre frühern gottlosen Reden erinnerte, sprach: »Du gutes Mensch sagtest, der Pfarrer soll's nicht würdig werden, aber nun bist Du es nicht würdig geworden, ob Dich gleich noch so sehr darnach verlangt hat!« Sie ist nun am 3. October nebst ihren zwei auch verstorbenen Töchterlein, ohne die sonst gewöhnlichen Ceremonien, blos unter Absingung einiger Lieder, bei Seite auf dem Kirchhofe in einem Winkel begraben worden. Ehe sie aber noch diesen Vorsatz ausführen konnte, kam sie vorzeitig nieder; sie gebar zwar ziemlich leicht ein Zwillingspaar, allein sie ward bald so schwach, daß sie die Wehemutter bat, zum Geistlichen zu gehen und ihn zu ihr zu holen. Dies geschah auch, allein als derselbe in die Stube trat, wo sie auf Stroh lag, und sie anredete, erblaßte sie und fiel todt zurück, ohne noch einen Finger zu regen oder ein einziges Wort zu sprechen. Ueber diesen merkwürdigen Fall entsetzten sich aber alle anwesenden Frauen und eine derselben, welche sich an ihre frühern gottlosen Reden erinnerte, sprach: »Du gutes Mensch sagtest, der Pfarrer soll's nicht würdig werden, aber nun bist Du es nicht würdig geworden, ob Dich gleich noch so sehr darnach verlangt hat!« Sie ist nun am 3. October nebst ihren zwei auch verstorbenen Töchterlein, ohne die sonst gewöhnlichen Ceremonien, blos unter Absingung einiger Lieder, bei Seite auf dem Kirchhofe in einem Winkel begraben worden.
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