sagen:fiwaludki07
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| + | ====== Der Lüttchenberg bei Göllnitz ====== | ||
| + | R. Scharnweber und O. Jungrichter: | ||
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| + | Der Lüttchenberg bei [[geo: | ||
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| + | Einmal nur im Monat, in der Nacht des vollen Mondes kommen sie aus ihrer dunklen Verborgenheit herauf und dann auch nur in der Stunde von zwölf bis eins. Wer ein Sonntagskind ist und wessen Geburt gerade in eine Vollmondmitternachtsstunde fällt, kann sie sehen und ihr wunderliches Treiben beobachten, doch ist es lange her, seit ein Mensch davon erzählt hat. Darum sind auch alle Geschichten über die Lüttchen dunkel und verworren. Einmal nur ist einer der kleinen Männer einen ganzen Monat lang in menschlicher Gesellschaft gewesen, und davon will ich erzählen. | ||
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| + | Vom Göllnitzer Kirchturm hatte es Mitternacht geschlagen. Es war im Frühling, und der volle Mond stand am Himmel. Da öffnete sich im Berg eine geheime Pforte, und heraus kamen in hellen Scharen die kleinen Männer. Sie schleppten Tische und Stühle, Kannen und Teller, Fässer und Krüge, Speisen und Getränke, denn sie wollten unter den schweigenden Fichten ihr Mondfest feiern. Bald saßen sie da in langen Reihen, und mit ihren feinen Stimmchen sangen sie ihre Lieder hinaus in die Nacht. Die Gläser klangen aneinander, und frohe Worte flogen hin und wider. | ||
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| + | Einer der ihren aber schlich sich aus dem frohen Treiben fort. Er trug schon lange eine geheime Sehnsucht nach dem Menschenreich in seiner Brust. Nun hatte er wohl die Glockenstimmen des Göllnitzer Kirchturms wiederholt gehört, gesehen hatte er das Dorf noch nie. Er hatte auch noch nie einen Menschen erblickt. Dazu verstieg sich nun zwar sein Wunsch nicht, gar zu gern aber hätte er einmal das Dorf aus der Ferne angeschaut. Das wollte er heute wagen. Bald hatte er den Rand des Waldes erreicht, und nun konnte er im hellen Mondenschein die Häuser des Dorfes erblicken, konnte auch aus der Ferne die Hunde bellen hören. Er lehnte sich an einen Baum und blickte unverwandt hinüber und konnte sich gar nicht satt sehen an den seltsamen Behausungen der Menschen, von denen bei den Zwergen so wunderliche Gerüchte umgingen. Wenn er doch bloß einmal einen von ihnen zu Gesicht bekommen könnte. Schrecklich groß sollten sie sein, beinahe so groß wie die Bäume des Waldes. Aber dieser Traum würde wohl ewig unerfüllt bleiben. | ||
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| + | So stand er und träumte und versäumte die Zeit, auf einmal schlug die Kirchturmuhr eins. O weh, die Zeit ist herum. Atemlos lief das Männlein durch den Wald, dem Berge zu. Aber so viel es auch rief und suchte, keine Antwort kam, der Berg blieb verschlossen. Traurig setzte es sich auf einen Baumstumpf, den Augen entquollen die Tränen. Was sollte es nun tun? Es war ausgesperrt, | ||
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| + | Trostlos ging es durch den Wald, und es gelangte wieder zu der Stelle, von der aus es das Dorf gesehen hatte. Hier schlief es vor Angst und Müdigkeit ein. So fand es ein Knecht, der am frühen Morgen auf das Feld gekommen war. Der Knecht hatte ein mitleidiges Herz, er stellte seinen Hut auf die Erde und setzte das Männlein, das immer noch schlief, hinein. So, sagte er, hier drinnen ist's weicher und wärmer als auf der harten kalten Erde. Schlaf dich erst einmal aus, und dann wollen wir sehen, was weiter wird. Er ging an seine Arbeit und ließ das Männlein allein. | ||
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| + | Als er zur Frühstückszeit zu seinen Sachen zurückkehrte, | ||
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| + | Der Knecht steckte also am Mittag das kleine Wesen in seine Rocktasche und nahm es mit in seine Stube, wo er ihm eine bequeme Lagerstatt bereitete. Dann brachte er ihm von seinem Mittagessen ein Schüsselchen hinauf, und so tat er's während des ganzen Monats. Niemand außer dem Knecht bekam das Männlein zu Gesicht. Verstohlen nur lauschte es manchmal aus dem Fenster, wenn die Kinder aus der Schule kamen und mit frohem Jauchzen vorübertrollten oder wenn am Abend das Vieh eingetrieben wurde. Kam der Knecht nach Hause, so erzählten sie sich beide oft noch stundenlang, | ||
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| + | Als der Monat herum war, und der volle Mond wieder hoch am Himmel stand, sagte der Knecht zu seinen Leuten, daß er am späten Abend noch einmal auf das Feld hinaus wolle, er hätte dort seinen Wetzstein vergessen. Heimlich steckte er das Männlein in seine Tasche und wanderte mit ihm an dieselbe Stelle, an der er es gefunden hatte. Hier setzte er es behutsam ins Gras und verabschiedete sich von ihm, nachdem es sich bei ihm mit vielen Worten bedankt hatte. Dann machte er sich auf den Heimweg. | ||
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| + | Das Männlein aber wanderte den Weg zum Berg zurück und wartete auf die Mitternachtsstunde, | ||
| + | verloren geglaubt hatten. Der Knecht aber fand am nächsten Morgen auf dem Platz, wo er seine Sachen hinzulegen pflegte, einen großen Klumpen Gold. Den hatten ihm die Lüttchen hingelegt. Er nahm das Gold, verbarg es in seinem Rock und nahm am Ende des Monats seinen Abschied. In einem fernen Dorfe kaufte er sich an, nahm ein Weib und lebte noch lange Jahre in Glück und Zufriedenheit. Seinen Kindern erzählte er noch oft die seltsame Geschichte von dem Besuch des Männleins im Menschenlande. | ||
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