sagen:eulenspiegel39
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| + | ====== Eulenspiegel wird zu Wintersheim Koch und Kutscher ====== | ||
| + | Bei keinem Geschäft bewies Eulenspiegel einige Beharrlichkeit, | ||
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| + | Als dieser den Eulenspiegel liegen sah, sagte er zu ihm: »Was für ein Kerl bist du?« Eulenspiegel antwortete ganz trocken: »Ich bin ein Küchenjunge.« | ||
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| + | Der Kaufmann sprach: »Wenn du ehrlich sein willst, so will ich dich in meine Dienste nehmen und dich wieder ordentlich kleiden, denn meine Frau klagt beständig, dass ihr das Kochen zu lästig sei.« | ||
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| + | Eulenspiegel versprach alles aufs Wort zu tun. | ||
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| + | Nun fragte ihn der Kaufmann: »Wie heißt du?« | ||
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| + | Eulenspiegel antwortete: »Ich heiße Bartholomäus.« | ||
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| + | Der Kaufmann erwiderte: »Der Name ist mir zu lang. Du sollst bei mir Toll heißen.« | ||
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| + | Eulenspiegel sagte: »Das gilt mir gleich, wie man mich nennt.« | ||
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| + | »Nun, wohlan«, sprach der Kaufmann, »du bist ein Knecht für mich. Gehe nun gleich mit mir in meinen Garten, damit wir etwas Kräuter mit nach Hause nehmen, um junge Hühner damit zurechtzumachen, | ||
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| + | Eulenspiegel ging mit ihm in seinen Garten, und sie schnitten Rosmarin und dergleichen ab, um die Hühner nach wälscher Art damit zu füllen. Aber die Frau war mit dem lumpigen Eulenspiegel nicht zufrieden und fragte ihren Mann deswegen, was er denn mit dem Kerl machen wolle; ob er etwa befürchtete, | ||
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| + | Der Kaufmann antwortete: »Sei nur zufrieden, liebes Kind, er soll dein Knecht sein, er ist ein Koch.« | ||
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| + | Die Frau gab sich zufrieden. Am anderen Tag nahm sie ihren neuen Koch mit zum Fleischscharren, | ||
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| + | Nachdem nun die Einteilung des Bratens geschehen war, sagte der Kaufmann: »Toll, du setzt morgen früh den Braten bald zu, und brätst ihn kühl und langsam ab, damit er nicht anbrennt.« | ||
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| + | Eulenspiegel sprach: »Ja, mein Herr, ich will es machen, wie Ihr es mir befohlen habt.« | ||
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| + | Am anderen Morgen stand Eulenspiegel früh auf, setzte das Gemüse aufs Feuer, den Braten steckte er aber auf einen Spieß und legte ihn zwischen zwei Bierfässer in den Keller, damit er kühl läge. Die gebetenen Gäste fanden sich zum Mittagsessen ein. Alles wurde zubereitet, | ||
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| + | Als die Gäste die Suppe, das Gemüse und gebackene Klöße verzehrt hatten, bemerkte der Kaufmann, dass der Braten nicht nachfolgte, und fragte Eulenspiegel: | ||
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| + | Dieser antwortete: »Ich habe ihn in den Keller an den kühlsten Ort gelegt, damit er kalt brate und nicht anbrenne, wie Ihr mir geheißen habt. | ||
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| + | Da wurde der Kaufmann zornig und wollte Eulenspiegel durchprügeln, | ||
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| + | Die Frau war aber äußerst entrüstet, und sagte zu ihrem Manne: »Da siehst du nun, was du für einen Schalk an dem Landstreicher hast!« | ||
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| + | Er sprach zu ihr: »Sei nur zufrieden, ich werde ihn auf meiner Reise nach Goslar noch gebrauchen. Wenn ich aber wieder komme, will ich ihn verabschieden.« | ||
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| + | Der Kaufmann saß mit seinen Gästen bis in die Nacht und sie waren lustig und guter Dinge. Gegen Abend sagte er dann zu seinem Knecht: Toll! Du musst noch heute den Wagen zurechtmachen, | ||
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| + | Da fragte Eulenspiegel seinen Herrn, welche Salbe er zu dem Schmieren nehmen solle. | ||
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| + | Der Kaufmann warf einen Groschen hin und sprach: »Gehe hin, kaufe dafür Karrensalbe und lass dir von meiner Frau altes Fett darunter geben.« | ||
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| + | Eulenspiegel holte die Wagenschmiere, | ||
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| + | Und sie schrien beide: »Toll! Halte an!« | ||
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| + | Wie sie sich nun im Wagen umsahen, da waren sie hinten und vorn so voller Wagenschmiere, | ||
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| + | Der Kaufmann konnte sich aber vor Zorn kaum halten und sagte zu Eulenspiegel: | ||
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| + | Eulenspiegel antwortete: »Ihr habt mir’s ja geheißen, den Wagen gut zu schmieren und nun ist es wieder nicht recht?« | ||
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| + | Der Kaufmann sagte: »Schweig, du Schalksknecht, | ||
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| + | Eulenspiegel trieb die Pferde an und fuhr zum nächsten Galgen hin. Als er darunter war, hielt er an und spannte die Pferde aus. | ||
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| + | Als dies der Kaufmann sah, sprach er: »Was willst du jetzt wieder machen, du Schelm?« | ||
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| + | Eulenspiegel sprach: »Habt Ihr mir nicht geheißen, zum Galgen zu fahren? Jetzt sind wir darunter. Ich dachte, Ihr wolltet vielleicht unterm Galgen ein wenig ausruhen, weil hier noch mehrere ruhen.« | ||
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| + | Indem sah der Kaufmann aus dem Wagen und bemerkte, dass Toll den Wagen gerade unter einige aufgehängte Raubmörder gefahren hatte. Der Kaufmann und der Pfarrer ärgerten sich sehr über die tollen Streiche. | ||
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| + | Der Erstere sagte zu Eulenspiegel: | ||
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| + | Eulenspiegel zog den Nagel, der das hintere Gestell mit dem vorderen zusammenhält, | ||
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| + | Sie sprach zu ihm: »Habe ich dir dies nicht vorher gesagt, dass du mit dem verlaufenen Landstreicher nichts ausrichten würdest?« | ||
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| + | Da sagte der Kaufmann zu seinem Knecht: »Toll! Da du bei mir so viele tolle Schelmenstreiche ausgeübt hast, so kannst du heute und morgen früh dich noch satt bei mir essen, aber dann musst du sofort mein Haus räumen.« | ||
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| + | Eulenspiegel antwortete: | ||
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| + | Am anderen Morgen sprach der Kaufmann zu Eulenspiegel: | ||
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| + | Eulenspiegel antwortete: | ||
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| + | Der Kaufmann ging mit seiner Frau nach diesen Worten in die Kirche zur Frühmesse. Nachdem sie fort waren, aß Eulenspiegel sich erst recht satt und dann fing er an, auszuräumen; | ||
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| + | »Du infamer Bösewicht, was machst du nun wieder!«, rief er ihm zu, »warte, ich will dich für deine Mühe bezahlen!« Und griff nach einem Prügel. | ||
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| + | Eulenspiegel entgegnete: »Seid nur nicht so hitzig, ihr habt mir’s ja geheißen, das Haus zu räumen. Nun habe ich erst Euren Willen erfüllen wollen, und dann wollte ich wandern.« Indem versuchte er die Stubentür auszuheben. Da sie ihm allein aber zu schwer war, so bat er den Kaufmann, ihm zu helfen. Dieser jagte ihn aber scheltend davon. | ||
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| + | Da sagte Eulenspiegel: | ||
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| + | Eulenspiegel war aber froh, dass er neue Kleider erhalten hatte. Der Kaufmann trug seine Sachen wieder ins Haus, welches ihm recht sauer wurde, und Eulenspiegel stand von fern und lachte ihn aus. | ||
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