sagen:elbsagen78
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| + | ====== Der Traum des Fischerknaben Benjamin Kohl ====== | ||
| + | An der rechten Ecke des Durchgangs vom alten zum neuen Fischerufer zu Magdeburg steht ein Haus, in dem zur Zeit der Erstürmung und Zerstörung Magdeburgs die Eltern eines damals ungefähr zehnjährigen Knaben wohnten. Am 19. Mai des Jahres 1631 lagen schon am frühen Morgen alle Schüler in den Schulen auf den Knien und beteten mit ihren Lehrern, dass der liebe Herrgott die Erstürmung der Stadt und ihren voraussichtlich darauffolgenden Untergang in Gnaden abwenden wolle. Noch vor acht Uhr aber verkündeten die Sturmglocken, | ||
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| + | Eine Woche ungefähr mochte vergangen sein, da träumte dem Knaben, ein Engel in weißem Kleid mit Goldflügeln stehe an seinem Lager und rufe ihn. Als er nach diesem sehr lebhaften Traum erwachte, sah er sein kleines Schlafzimmer hell erleuchtet. Die Stubentür stand weit offen, von dem ziemlich geräumigen Hausflur, von woher das Licht hell in sein Zimmer drang, tönte der Gesang des Chorals Jesus, meine Zuversicht herein. Dem Knaben war genau bekannt, dass im Haus niemand gestorben sei, den man etwa beerdigen könne. Daher glaubte er noch immer zu träumen, bis er aus dem Bett aufstand, sich der Tür näherte und neugierig hinausblickte. Aber wie erschrak er, als er mitten im Hausflur eine schwarze Bahre sah, worauf der Sarg mit einer schön geschmückten Leiche stand. Rund herum waren schwarz gekleidete Männer und Frauen, darunter auch ein Priester, der die aufgeschlagene Bibel in der Hand hielt. Die Leiche und die umstehenden Männer und Frauen kamen ihm alle bekannt vor, nur das Gesicht des Priesters war ihm fremd. In der Leiche erkannte er die Jungfrau, welche er aus dem Brauhof gerettet hatte. Bleich, mit geschlossenen Augen, lag sie im offenen Sarg. Die blonden Flechten ihres schönen Haares reichten an beiden Seiten der Wangen bis auf den Busen herab. In den über dem Schoß gefalteten Händen hielt sie einen halb zerrissenen Myrtenkranz, | ||
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| + | Aber, o Wunder! Aus dem Kranze keimten Wurzeln empor, die in einen vollkommenen, | ||
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| + | Augenblicklich richtete sich die Jungfrau im Sarg auf, stieg rüstig von der hohen Bahre herab und schritt an der Hand des Engels aus dem Kreis der Umstehenden. Da erloschen die Lichter, die Männer und Frauen entfernten sich und der ganze Zauber war verschwunden, | ||
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