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sagen:ehw177

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 ====== Der Wehnsdorfer Schulze holt Gewitter ====== ====== Der Wehnsdorfer Schulze holt Gewitter ======
  
-Lange, ehe die Eisenbahn nach [[geo:dresden|Dresden]] gebaut wurdewar einmal eine sehr große [[typ:Dürre]] im Lande. Das Korn hatte keine langen Halme und die Ähren waren klein und leer. Die Leute hatten Angstdaß auch die Kartoffeln nicht lohnen würden. Denn es wollte immer noch nicht regnen. +    R. Scharnweber & O. JungrichterSagenAnekdoten und Schnurren aus dem Kreise LuckauBerlin 1933
  
-In [[geo:wehnsdorf|Wehnsdorf]] war es ganz traurigAlles wollte umfallen. Da war ein alter Mann in Wehnsdorf, der sagte, sein Vater hätte mal einen gekannt, der hat aus [[geo:leipzig|Leipzig]] ein Gewitter geholt. In der Schenke sprachen sie davon und die Menschen kamen überein, daß sie auch ein [[typ:Gewitter]] aus Leipzig haben wolltenDer alte Mann sagte, es hat zehn [[typ:münze|Taler]] gekostet. Da brachten sie das Geld auf. Aber keiner wollte gehen. Endlich mußte der Schulze, weil alle Menschen es sagten.+Lange, ehe die Eisenbahn nach [[geo:Dresden]] gebaut wurde, war einmal eine sehr große Dürre im LandeDas Korn hatte keine langen Halme und die Ähren waren klein und leer. Die Leute hatten Angst, daß auch die Kartoffeln nicht lohnen würdenDenn es wollte immer noch nicht regnen
  
-Am andern Tage, als immer noch kein [[typ:Regen]] kammachte sich der Schulze aufband die zehn Taler in sein Taschentuch und ging fort. Als er nach [[geo:Leipzig]] kamwußte er nicht, wo ein Mann wohnteder [[typ:Gewitter]] zu verkaufen hätte. Da stand er auf der Straße an einer Ecke und sah sich umAuf einmal kam einer und fragte ihn nach seinem VorhabenDa sagte der Schulze, er wäre aus Wehnsdorf und wollte zu dem Gewittermacher. Da sagte der andere, er wollte ihn führen und brachte ihn hin.+In [[geo:Wehnsdorf]] war es ganz traurig. Alles wollte umfallen. Da war ein alter Mann in Wehnsdorf, der sagte, sein Vater hätte mal einen gekannt, der hat aus [[geo:Leipzig]] ein Gewitter geholt. In der Schenke sprachen sie davon und die Menschen kamen übereindaß sie auch ein Gewitter aus Leipzig haben wollten. Der alte Mann sagtees hat zehn Taler gekostet. Da brachten sie das Geld auf. Aber keiner wollte gehenEndlich mußte der Schulze, weil alle Menschen es sagten.
  
-Der Gewittermacher gab ihm eine große Schachtel aus Holz. Der Schulze nahm sein Schnupftuch und holte die zehn [[typ:Taler]] heraus und es war gutdaß es harte Taler warenDenn sie waren ganz naß und der Schulze mußte sie erst am Rock abwischenUnd dann nahm er die Schachtel unter den Arm und ging wieder nach Wehnsdorf.+Am andern Tage, als immer noch kein Regen kam, machte sich der Schulze auf, band die zehn Taler in sein Taschentuch und ging fort. Als er nach Leipzig kamwußte er nicht, wo ein Mann wohnte, der Gewitter zu verkaufen hätteDa stand er auf der Straße an einer Ecke und sah sich um. Auf einmal kam einer und fragte ihn nach seinem Vorhaben. Da sagte der [[lex:schultheiß|Schulze]], er wäre aus Wehnsdorf und wollte zu dem Gewittermacher. Da sagte der andere, er wollte ihn führen und brachte ihn hin.
  
-Endlich, als er lange genug gewandert war, kam er anEs war aber zu Abende. Als er das Dorf im Dunkel liegen sahtat er sich noch einmal hinsetzen und dachte, er wollte sich das [[typ:Gewitter]] doch einmal allein ansehenDenn morgen, wenn er die Schachtel aufmachte, stiege es gleich auf und finge an+Der Gewittermacher gab ihm eine große Schachtel aus HolzDer Schulze nahm sein Schnupftuch und holte die zehn Taler heraus und es war gutdaß es harte Taler waren, Denn sie waren ganz naß und der Schulze mußte sie erst am Rock abwischenUnd dann nahm er die Schachtel unter den Arm und ging wieder nach Wehnsdorf.
  
-Als er nun den Deckel anhobrutschte ihm der weg und das [[typ:Gewitter]] flog mit Gebrumme davon und nach Schwarzenburg zuDer Schulze sprang auf und wollte es haschen. Aber es war ihm zu schnellDa zog er seinen Rock aus und schlug das Gewitter zurück und schrie: „Doa is Wehnsdorpdoa is Wehnsdorp“aber das [[typ:Gewitter]] stieg immer höher und flog nach Schwarzenburg+Endlich, als er lange genug gewandert warkam er anEs war aber zu AbendeAls er das Dorf im Dunkel liegen sah, tat er sich noch einmal hinsetzen und dachte, er wollte sich das Gewitter doch einmal allein ansehen. Denn morgenwenn er die Schachtel aufmachtestiege es gleich auf und finge an
  
-Da war der Schulze sehr traurig und ging nach Hause, als alles dunkel war und erzählte es seiner FrauUnd sie weinten sehr zusammen. Denn er wußte nicht, wo er die zehn Taler hernehmen sollte. Endlich schliefen sie ein. Auf einmal wurden sie munter und der [[typ:Regen]] rauschte und es fing an zu wittern. Da freute sich der Schulze, daß das Gewitter doch nach Wehnsdorf gekommen war und er sagte den Leutendaß er es gleich am Abend losgelassen hätte. Da freuten sich alle Menschen über ihn und er blieb Schulze bis an sein Ende.+Als er nun den Deckel anhob, rutschte ihm der weg und das Gewitter flog mit Gebrumme davon und nach Schwarzenburg zu. Der Schulze sprang auf und wollte es haschenAber es war ihm zu schnell. Da zog er seinen Rock aus und schlug das Gewitter zurück und schrie: „Doa is Wehnsdorp, doa is Wehnsdorp“aber das Gewitter stieg immer höher und flog nach Schwarzenburg
  
-//Quelle: [[autor:wusch|E.H.Wusch]]: [[buch:sagenmeinerheimatniederlausitz|Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Niederlausitz]]//+Da war der Schulze sehr traurig und ging nach Hause, als alles dunkel war und erzählte es seiner Frau. Und sie weinten sehr zusammen. Denn er wußte nicht, wo er die zehn Taler hernehmen sollte. Endlich schliefen sie ein. Auf einmal wurden sie munter und der Regen rauschte und es fing an zu wittern. Da freute sich der Schulze, daß das Gewitter doch nach Wehnsdorf gekommen war und er sagte den Leuten, daß er es gleich am Abend losgelassen hätte. Da freuten sich alle Menschen über ihn und er blieb Schulze bis an sein Ende. 
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 +//Quelle: [[autor:wusch|E.H.Wusch]]: [[buch:sagenmeinerheimatniederlausitz|Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Lausitz]]//
  
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