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sagen:ehw161

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 ====== Der Galgenvogel von Jetzsch ====== ====== Der Galgenvogel von Jetzsch ======
  
-Vor vielen Jahren lebte in [[geo:Jetsch|Jetzsch]] ein Wirkmeister Vogelder hatte ein [[typ:weib|böses Weib]]. Das quälte die Gesellen ärger als der [[typ:teufel|Teufel]]. Nie war sie mit dem zufriedenwas die Gesellen in ihrem Handwerk leisteten. Immer wieder sollten sie vor und nach der Arbeit noch allerlei Hantierungen im Hause tun. +    R. Scharnweber & O. JungrichterSagenAnekdoten und Schnurren aus dem Kreise LuckauBerlin 1933
  
-Das wußte die ganze Umgebung und obwohl der Meister in seinem Fache sehr tüchtig war, hatte er niemals einen Lehrjungen. So sehr war sein Weib verschrien. Auch die [[typ:geselle|Gesellen]] blieben meist nur kurze Zeit und nur der Not gehorchendIn ihrer Niedertracht verlangte die Meisterin, daß die Gesellen sonntags vor dem Essen [[typ:Holz]] für die ganze Woche heranholen sollten. Die Gesellen taten es auch, [[typ:schimpfen|schimpften]] und gingen davon, sobald sich eine Gelegenheit bot. Der Meister war ihr gegenüber machtlos.+Vor vielen Jahren lebte in [[geo:Jetsch|Jetzsch]] ein Wirkmeister Vogel, der hatte ein böses WeibDas quälte die Gesellen ärger als der [[wesen:Teufel]]. Nie war sie mit dem zufrieden, was die Gesellen in ihrem Handwerk leisteten. Immer wieder sollten sie vor und nach der Arbeit noch allerlei Hantierungen im Hause tun
  
-Da wurde einmal ein Berliner Wirker nach Jetzsch verschlagen. Der tat die ganze Wocheals hörte er nicht, wenn ihm das Weib etwas sagteAls er nun am Sonntag von ihr den Auftrag bekam, Holz zu holen, sonst bekäme er nichts zu essen, ging er in den Wald und holte den alten morschen [[typ:Galgen]] und stellte ihn vor die Tür in den [[typ:Garten]]. So mußten ihn alle Leute die aus der [[typ:Kirche]] kamen, sehen. Dann ging er in seine KammerNach einer Weile kam die Meisterin und fragteob er das Holz geholt habeEr sagte ihr: „Jasovieldaß sie sich daran aufhängen könneSie solle nur vor die Türe gehen“.+Das wußte die ganze Umgebung und obwohl der Meister in seinem Fache sehr tüchtig warhatte er niemals einen Lehrjungen. So sehr war sein Weib verschrienAuch die Gesellen blieben meist nur kurze Zeit und nur der Not gehorchendIn ihrer Niedertracht verlangte die Meisterin, daß die Gesellen sonntags vor dem Essen Holz für die ganze Woche heranholen solltenDie Gesellen taten es auchschimpften und gingen davonsobald sich eine Gelegenheit botDer Meister war ihr gegenüber machtlos.
  
-Das tat sie dann auch und wäre fast versteinert, als sie vor dem Hause die Nachbarn [[typ:streich|schadenfroh]] lachend, den [[typ:Galgen]] betrachtendantraf. Sie lief ins Haus zurück zu dem Gesellen und bat ihn nun himmelhoch, den Galgen wieder fortzuschaffenSie wolle auch niemals mehr unbillige Arbeit von ihm verlangenErst als sie vor dem [[typ:richter|Ortsrichter]] Besserung gelobtebrachte der Geselle das Galgenholz wieder an seine StelleDas [[typ:bösesweib|böse Weib]] aber ließ sich nirgends mehr sehenDas ganze Dorf nannte sie von da an „Galgenvogel. Da zog der Meister in einen anderen Ort.+Da wurde einmal ein Berliner Wirker nach Jetzsch verschlagen. Der tat die ganze Woche, als hörte er nichtwenn ihm das Weib etwas sagte. Als er nun am Sonntag von ihr den Auftrag bekamHolz zu holensonst bekäme er nichts zu essen, ging er in den Wald und holte den alten morschen Galgen und stellte ihn vor die Tür in den GartenSo mußten ihn alle Leute die aus der Kirche kamen, sehenDann ging er in seine Kammer. Nach einer Weile kam die Meisterin und fragteob er das Holz geholt habeEr sagte ihr„Ja, soviel, daß sie sich daran aufhängen könneSie solle nur vor die Türe gehen“.
  
-//Quelle: [[autor:wusch|E.H.Wusch]]: [[buch:sagenmeinerheimatniederlausitz|Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Niederlausitz]]//+Das tat sie dann auch und wäre fast versteinert, als sie vor dem Hause die Nachbarn schadenfroh lachend, den Galgen betrachtend, antraf. Sie lief ins Haus zurück zu dem Gesellen und bat ihn nun himmelhoch, den Galgen wieder fortzuschaffen. Sie wolle auch niemals mehr unbillige Arbeit von ihm verlangen. Erst als sie vor dem Ortsrichter Besserung gelobte, brachte der Geselle das Galgenholz wieder an seine Stelle. Das böse Weib aber ließ sich nirgends mehr sehen. Das ganze Dorf nannte sie von da an „Galgenvogel“. Da zog der Meister in einen anderen Ort. 
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 +//Quelle: [[autor:wusch|E.H.Wusch]]: [[buch:sagenmeinerheimatniederlausitz|Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Lausitz]]//
  
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-{{tag>sagen wusch sagenmeinerheimatniederlausitz galgen bösesweib jetsch streich geselle wirker holz}}+{{tag>sagen wusch sagenmeinerheimatlausitz v2a}}
sagen/ehw161.1683629287.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)