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sagen:dsbb0993

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-====== Juvavia ======+====== Der Goldsand ======
  
-Bis dicht an den Fuß des weitberühmten [[region:untersberg|Untersberges]] erstreckte sich in den alten Zeiten eine Römerstadt, [[geo:Iuvavum|Castrum Juvavium oder Juvavia]], zu deutsch Helfenburg geheißen. [[vip:juliuscaesar|Julius Cäsar]] soll zum Schutz des [[volk:römer|Römerreiches]] gegen die [[volk:deutsche|Deutschen]] eine Besatzung in dieses Kastell gelegt und Kaiser Aelius Hadrianus eine römische Kolonie dort angesiedelt haben. Diese Stadt wuchs an Gebäuden und Einwohnern und breitete sich weit aus über das fruchtbare Gefilde, in welchem das heutige [[geo:Salzburg]] liegt. Aber die Einwohner ehrten und fürchteten letztlich weder die Götter noch den einzigen Gott und versanken ganz und gar in den Schlamm der Laster, und der Himmel verhing sein Zorngericht über die sündige Stadt. +Ein armer Dienstknecht beim Hofwirt zu St. Zeno, Paul Mayer, ging auch auf den [[region:Untersberg]] hinauf, als er beim Brunnental fast die Hälfte des Berges erstiegen hatte, stand er vor einer Steinklippe, und unter der lag ein Häuflein glitzernder Sand. – Ei, das könnt' am Ende Gold sein, dachte der Paul Mayer und steckte Sand ein, so viel in seine Taschen ging, und wandte sich zur Umkehr. Da trat ihm ein Fremder entgegen, grimmen Aussehens und riesenhaften Wuchses, und fragte: Was trägst du da? – Und da der arme Teufel vor Schreck verstummte, leerte jener ihm nolens volens die Taschen wieder aus und sprach: Jetzt gang gleich abi, und gang nimmer auf dem alten Weg z'ruck, und laß dich nimmer wieder hier oben antreffen, wenn d'nit zwa Bein' z'vill host! – Der Knecht ging ganz bestürzt einen andern Weg zurück, ärgerte ihn der Verlust des Sandes, vertraute sein Abenteuer einem Kameraden und nahm den mit auf die Höhe, trotz des Verbotes jenes Riesenmannes. Aber sie suchten und suchten und fanden durchaus nicht die Wand, nicht den Sand.
  
-In einer schrecklichen Nacht [[typ:versunken|versank]] Juvavia mit Mauern und Mannen, und an die Stätte, wo es gestanden, trat ein weites und tiefes [[typ:moor|Moos (Moor)]], das noch heute zu sehen ist. Es ist nicht gut, diesem zu nahen, [[typ:gespenst|Gespenster]] irren dort um, und zur Nachtzeit locken täuschende Lichter den Wanderer in ungeheuerliche Tiefen. Unter dem Erzbischof Johann Ernst, Grafen von Thun, suchte man diese versunkene Stadt in den Moorgründen auf, welche sich von der Leopoldskrone bis zum Untersberge hin erstrecken. Eine alte Mauer, welche auf einer Seite ohnweit des Daunschlosses im Weingarten vom Mönchsberge herabläuft, hielt man für eine [[typ:Ruine]] der berühmten Römerstadt, und eine alte Inschrift, welche jener Erzbischof in Marmor hauen ließ, dient der Sage zur Stütze.+Ein Holzmeister, der sich auf dem Untersberge im Geschäft verspätet, fand den Rückweg nicht und mußte in eine Felskluft einkriechen und allda nachten. Am andern frühen Morgen nahm er eine Steinklippe wahr, von welcher eben solcher Goldsand abrieselte, wie der Paul Mayer erblickt, der Holzmeister hatte nichts bei sich, den Sand aufzufangen, merkte sich die Stelle, ging heim und holte ein Krüglein. Dem glückte es nun besser wie dem Bastel Fletscher mit den Goldzacken, er fand die Stelle und den rinnenden Sand und setzte ein Krüglein, das er mit heraufgebracht, unter. Als dasselbe voll war, ging er hinweg und sah eine Türe, die stand offen, und er schaute hinein und sah es drinnen auch tageshell, aber mit einem Schnapp schlug die Türe ihm vor der Nase zu, und drinnen dröhnte es wie ein Schuß in einem großen Weinfaß.  
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 +Im Krüglein war wahrhaftig Goldsand; er hat es nachher noch zum öftern füllen dürfen, aber bald darauf ist er gestorben, und da ging's mit dem Golde nach dem Sprüchwort: Wie gewonnen, so zerronnen, es zerrann nur so, wie eben Sand zerrinnt, und war kein Segen dabei. Es fand auch niemand nach ihm weder die Türe noch den quellenden Goldsand.
  
 //Quellen:// //Quellen://
   * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930//   * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930//
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004544463|www.zeno.org]]// 
  
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