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sagen:dsbb0961

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-====== Der Schuster zu Lauingen ======+====== Die Schlange als Gast ======
  
-Das Städtchen [[geo:lauingendonau|Lauingen]] zwischen Ulm und Donauwörth ist gar sagenreichIn den Hunnenzeiten geschah esdaß das Heidenheer und das Christenheer einander gegenüberlagohnweit dem Donaustrom und dem Schlosse Faimingen, und weil ihre gegenseitige Streitmacht sich die Waage hielt, so sollte ein [[typ:duell|Zweikampf]] zweier auserwählter Streiter den Sieg entscheiden. Da wählte der [[vip:ottodergrosse|Kaiser]] seinen Reichsmarschalldas war ein [[familie:vonpappenheim|Pappenheim]], und wollte derselbe mutig zum Kampfe schreitenWie er sich nun gürtete und rüsten ließtrat ein Unbekannter zu ihm heran und sprach: Laß ab zu sinnen, wie du dem Feind obsiegen wirstnicht du sollt des Kaisers Kämpe seinsondern ein geringer Mann, ein [[typ:Schuster]] aus Henfail (so hieß Lauingen vordem). – Wer bist du, daß du solches mir ansagst? fragte staunend der [[typ:Marschall]]– Ich bin GeorgChristi Streiter! antwortete der fremde Mann, des zum [[typ:Wahrzeichen]] nimm meinen Daumen. – Und gab dem Marschall den Daumen der Hand herausohne daß die Hand blutete, und verschwand. Der Marschall sagte das [[typ:Wunder]] dem Kaiser an, und der Kaiser sandte nach dem Schuster, und der Schuster kam und gewann den Sieg. Da sollte er sich drei Gnaden vom Kaiser erbitten, und da bat er um eine Wiese zum Gemeingut für die Stadt Lauingen, welche nicht viel kleiner mag gewesen sein als jene Wiese bei [[geo:Bremen]]um die der lahme Krüppel in einem Tage hinkte. Zum zweiten bat er für die Stadt Lauingen um das Ehrenrecht, mit rotem [[typ:Wachs]] siegeln zu dürfen, das sonst nur die Reichsstädte genossen und ausübten; dann endlich bat erdaß die Marschälle von Pappenheim eine Mohrin sollten als Helmkleinod führen dürfenwelches sie noch bis auf den heutigen Tag tun. Für sich begehrte der fromme Schuster nichts. Sankt Georgs Daumen aber teilten die Pappenheimerfaßten jedes Glied in Gold und bewahrten eins zu Kaisheim, das andere zu Pappenheim heilig auf. Und die Stadt Lauingen nahm, ihrem tapfern Sohn zu Ehren, ebenfalls einen Mohrenkopf zu ihrem Wappen an.+Zu [[geo:lauingendonau|Lauingen]] haben ein paar arme alte Leute gelebt, denen ging es kümmerlich trotz allen Fleißes, und der Mann mußte selbst in den Wald gehen und allda sein Holz holenDa er nun einstmals wieder in den Wald kamhatte der Sturm einer starken Eiche einen mächtigen Ast abgebrochendeß freute sich der Mann, und hob den Ast aufihn davon zu führen, da kam vom Baume her eine große Schlange auf ihn zu, und er stand ab von seinem Vorhaben und entflohAndern Tages aber ging er wieder hin den Ast zu holen, in Hoffnung, die Schlange werde sich nun an einen andern Ort hin begeben habenallein er fand sie jetzt um den Ast geringelt, wie er diesen aufhob, und die Schlange steckte ihr kleines Köpfchen ihm ganz freundlich entgegen. Der Mann aber schauderte vor dem Wurm und ließ den Ast fahren und hieb sich ein Bündel kleines Holzund trug dieß nach Hausebetrübt, daß ihm der schöne Ast entging 
 + 
 +Als er daheim das Reisigbündel abwarf, so begann er zu seiner Frau zu sprechen, der er von dem Ast und der Schlange schon erst erzählt hatteich habe den Ast wieder nichtdenn die Schlange hatte ihn umringelt! – Indem so that die Frau einen lauten Schrei, und aus dem Reissigbündel glitt die Schlange heraus, und schlüpfte in das Haus und schloß Freundschaft mit der Katze und spielte mit ihr. Da meinten die beiden Altenes möge wohl etwan ein Mensch wegen einer Unthat in die Schlange verzaubert sein und duldeten sie und gaben ihr Nahrung. Und die Schlange war nicht so undankbar wie jene im Märchen, die ihren Wirthen heimlich Gift in die Suppe spieesondern sie brachte eitel Glück und Segen in das kleine Haus; die Arbeit lohnte sich und nährte besserder Erlös an Waldbeeren, welche die Alte sammeltewurde ergiebiger und alles was die beiden Leute begannen, das mißrieth ihnen nicht, und so lebten sie mit der Schlange in stetem gutem Frieden, und wurden so alt wie Philemon und Baucis und starben auch mit einander nach ihrem beiderseitigen Wunsche zu gleicher Zeit. Und als sie gestorben waren, wurde die Schlange von keinem Auge mehr gesehen.
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 617-618// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930//
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004544110|zeno.org]]//+
  
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