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sagen:dsbb0347

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-====== Der Adel der Marken ======+====== Die Frau von Alvensleben ======
  
-Da Kaiser Heinrich der Finklerauch der Städtegründer geheißenzu Stendal saßhatte er im Sinnegegen die Wenden zu ziehen, die damals noch jenseit der Elbe seßhaft waren, und rüstete lebhaft gegen siewie nicht minder der Wendenkönig Mizisla gegen ihn. Der hatte seinen Hauptsitz in Brandenburg und sandte Botschaft an Heinrich, die gar trotzig lautete. Da ließ der Kaiser einen alten räudigen Hund vorführen, vor der Abgesandten Augen erbärmlich stäupen und an einem Baume aufhängen, aus welcher symbolischen Antwort jene Heinrichs Sinn genugsam erkennen konnten. Darauf schrieb der Kaiser einen großen Landtag gen Stendal ausrief alle SachsenThüringer, Märker und sonstige Verbündete zusammen und ernannte viele tapfere und tüchtige Mannen, die nicht zu dem Fürsten- und Herrenstande gehörtenzu eitel Rittern und Edelingen und sprach: Adel – edel! Eid – halt! – und gab ihnen Waffen und Wappen; die aber zuvor schon Hauptleute und Heerführer gewesendie wurden zu Grafen und Herren ernannt; so schuf sich Kaiser Heinrich ein kräftigesdankbares und anhängliches Heer, rückte damit mitten im Winter über die zugefrorene Elbe vor Brandenburgschlug Lager auf dem Eisestürmte die Stadtnahm sie ein, zerstreute und erschlug das Heer der Feinde und begründete seinem Volke feste Sitze in dem ObotritenlandeDaher der zahlreiche Adel in den Markendie vielen reichen und blühenden edeln Geschlechterdaher die alte, feste, durch den Lug und Trug der Schwarmgeister nicht zu untergrabende unerschütterliche Treue gegen ihren König und sein Haus, die nicht nur in den edeln Geschlechtern, die im ganzen Volke der Märker lebt und ein Fels ist und ein rechter Marksteinüber den die welschen Gaukler und ihre Affen nimmer schreiten dürfen.+Die Chroniken melden von einer frommen adeligen Witwe aus dem alten Geschlechte [[familie:vonalvensleben|derer von Alvensleben]]daß sie gar gütiggottesfürchtigmildtätig und hülfreich gewesenabsonderlich stand sie den Bürgerfrauen zu [[[[geo:kalbe|Calbe]] im Werder gern bei in schweren Kindesnöten. Da kam einmal in einer Nacht eine Botin vor das Schloß und rief zu der Edelfrau hinaufsie wolle doch ja aufstehen und sich ankleiden und ihr folgen zu einer Fraudie in äußerster Not und Gefahr schwebe und wisse ihres Leibes keinen Ratund wohne die [[lex:Wöchnerin]] nahebei draußen vor der Stadt. Darauf erwiderte die Edelfrau, daß es ja mitten in der Nacht seiwo die Tore geschlossen gehalten würdenwie sie denn hinauskommen sollten? Aber die Botin antwortetedas Tor sei schon geöffnet. Und da ging die Frau von Alvensleben mit. Unterwegs flüsterte die Botin ihr zu, sie solle nicht bange sein, nur aber nichts annehmen von Essen und Trinkenwas man ihr auch bieten würde. Das Tor war wirklich für sie geöffnet, und draußen im Felde währte es nicht langeso kamen sie an einen Berg, der stand auf, und obwohl die Frau von Alvensleben nun sahedaß dieser Gang keiner von den gewöhnlichen sei, so hatte sie doch keine Furcht und ging getrost weiter. Da kam sie in ein Gemach, darinnen fand sie ein kleines Weiblein liegen, das der Hülfe einer Wehmutter dringend bedurfteDiese Hülfe leistete nun die Frau von Alvensleben dem kleinen Weiblein, und nachdem sie ihr Geschäft glücklich vollbracht und ein gesundes Kindlein zur Welt befördern helfenrüstete sie sich wieder zum Hinweggehen und tat nicht, wie die gewöhnlichen Wehmütter tun, die gern und oft und viel essen und trinken und ihren Weck auch noch mitnehmensondern sie rührte von allem, was da für sie schon bereitstand, nichts an. Die Botin, welche sie hergeführt, brachte sie auch wieder zurück und leuchtete ihr mit der Laterne, wie sie vorher geleuchtet. Vor dem Tore des Schlosses aber blieb sie stehen, sprach noch einmal den Dank der Wöchnerin aus und gab ihr von dieser einen schönen güldnen Ring, indem sie sagte: Bewahret diesen Ring zum Andenken als ein heiliges Pfand und laßt ihn niemals von Euerm Geschlechte kommenSolange der Ring in Euerm Geschlechte aufbehalten bleibt, so lange wird es fortblühen, geht er verloren, dann verlöschet Euer ganzer Stamm!
  
-Nach erkämpftem Siege erbaute Kaiser Heinrich auf dem Harlungerberge der Jungfrau Maria eine runde Kirchebaute weiter abwärts ein Blockhaus und nannte es Werbenweil er allda ferner um den Sieg werben wollteden er auch erwarbdenn alle die Neugeadelten fochten neben denen vom alten Adel wie Löwen, und ihre Tapferkeit gewann dem Kaiser den Sieg.+Als hernachmals das Alvenslebensche Geschlecht sich in zwei Linien teilte, bis zu welcher Zeit der Ring sorglich aufbewahrt worden sein soll, da habe man, sagen einige, auch den Ring geteilt, doch damit viel Gutes nicht erzielt. Denn die eine Hälfte des Ringes sei in einem Feuer zerschmolzen, und seitdem sei auch die Liniedie sie besessen, in Verfall und Abnehmen gekommen und ergehe ihr nicht gut. Andere aber sagen, der Ring sei noch unversehrt aufbehalten, und damit er ganz sicher bewahrt bleibesei er in Lübeck in einem hohen Hause verwahrlich niedergelegtwieder andere behauptener befinde sich noch bis zur Stunde im Hause zu Calbe und sei von einem gewöhnlichen einfachen Goldreif in nichts unterschieden.
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 246-247// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 245-246//
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004537998|zeno.org]]//+
  
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