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sagen:dsbb0305

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-====== Die Salzsau ======+====== Der nackte Spiegel ======
  
-Vor achthundert Jahren war um [[geo:Lüneburg]] noch eitel Wald und Morast, da geschah es, daß Jäger einer wilden Sau nachgingen, die fühlte sich so recht nach Herzenslust im Schlamm und legte sich dann auf eine trockene Stelle und schliefund wie die Sonne so recht auf die Sau schien, da gewannen deren schwarzbraune Borsten gar eine schöne weiße Farbe. Das nahm die Jäger wunder, und sie töteten die Sau, und da fanden sie, daß eitel gutes reines Salz an den Borsten kristallisiert war, von einer herrlich gesättigten Sole. Dadurch ward das ergiebige berühmte Salzwerk zu Lüneburg zuerst entdecktund es wurde auch von selbiger Sau etwa ein Schinken nicht gegessen, sondern zum ewigen Andenken in eines hochweisen Rates Küchenstube zu Lüneburg aufbewahrt, mit lateinischen Versen und in einem gläsernen KastenAuch die Haut mit den kandierten Borsten ward aufbehalten. Das Salzwerk ward die Sülze genannt, und weil Lüneburg neben ihm einen namhaften Berg und eine treffliche Brücke hat, die über den Fluß Ilmenau führt, so ward ein lateinischer Denkspruch auf diese drei Herrlichkeiten gedichtet, der gerade so anfängt, wie es in einem auf die sieben Wunder von [[geo:Jena]] lautet, nämlich: Mons, fons, ponsDamit allem Mutwillen beim Salzwerke gesteuert werde, wurde in Zeiten ein Turm erbaut, welcher der weiße Turm hießaber seine weiße Farbe nicht, wie die Salzsau, von Salzkristallen erhieltin diesen Turm legte man mutwillige und boshafte Sülzer und legte sie an eine große schwere Kette, und da hat sich der [[wesen:Teufel]] auch in den Turm gelegt und hat darin herumrumortwie im Ponellenturm zu [[geo:Aachen]], und hat alle Nacht ein Maul voll davon abgebissenwelches ihm nicht schlecht muß bekommen seindenn schon vor mehr als hundert Jahren geschah Meldung vom weißen Turme, daß er ganz zerfallen sei und nur die große Kette noch gezeigt werde.+Nördlich von [[geo:Lüneburg]] liegt die Stadt Bardewick, die war einst gar groß und blühendreich und mächtig, und das zu einer Zeitwo die Salzsau noch gar nicht zur Findung der Lüneburger Sülze Anlaß gegeben hatte und diese jetzt so volkreiche Stadt wohl kaum begründet warDa ließ sich's im Jahr 1189 die Stadt Bardewick gelüsten, sich gegen ihren Herrn, Herzog Heinrich den Löwen von Braunschweigaufzulehnen und ihm den Einritt in die Stadt zu verwehrenDer war aber ein Löwe, welcher keinen Spaß verstandam wenigsten den des Trotzes; er zog daher vor die Stadt und traf Anstaltsie zu stürmen. Die Bürger aber pochten auf ihren Mut und ließen den Herzog von der Mauer herunter einen nackten Spiegel sehenzum Schimpf und Hohn, und war sotaner Spiegel nicht sonders hell und blank geputzt. Darob ergrimmte der Herzog fürchterlich und schwur den Bardewickern den Spiegel zu putzen, daß die Stadt ewig an ihn denken sollte. Und er hielt Wort auf eine löwengrimmige Weise; drei Tage stürmte er und gewann die Stadtließ alleswas nicht entrinnen konnte, niedermachen und verwandelte die blühende alte Stadt ganz und gar in einen Trümmerhaufen. So schwer ward nie ein Hohn bestraft. Ein Jahr später erst ward den Flüchtlingen vergönnt, aus den Trümmern von Bardewick weit davon eine neue Stadt anzulegenund das wurde Lüneburgs Ursprung, und erst lange nachher siedelten sich allmählich wieder Einwohner auf der Stätte des zerstörten Bardewick an.
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 221-222// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 222// 
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004537556|zeno.org]]//+  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004537564|zeno.org]]//
  
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