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sagen:dsbb0244

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 In Liefland wissen die Leute zu erzählen, daß wenn die Christnacht vorüber ist, ein hinkender Junge durch die Orte gehe, und die Bösen zusammenrufe, wie der Hirte seine Heerde, und ein anderer langer Mann haue die Säumigen, die nicht folgen wollen, grausam mit einer Draht- und Stachelgeisel und treibe sie mit Zwang von hinnen. Dann, indem sie diesem Hirten folgen, nehmen sie Wolfsgestalt an, und fallen in die Heerden, wo sie deren finden, aber Menschen dürfen sie nicht verletzen. Fließende Wasser theilt der Führer des Wärwolfheeres mit seiner Ruthe oder Geisel, daß sie trocknen Fußes hindurchgehn. Solcher Spuk dauert nur so lange die zwölf Nächte währen, vom ersten Christtag bis zum heiligen drei Königstage oder großem Neujahr, dann legen jene schrecklichen Ungethüme ihre Wärwolfsgestalt ab, und werden wieder in Menschen verwandelt. In Liefland wissen die Leute zu erzählen, daß wenn die Christnacht vorüber ist, ein hinkender Junge durch die Orte gehe, und die Bösen zusammenrufe, wie der Hirte seine Heerde, und ein anderer langer Mann haue die Säumigen, die nicht folgen wollen, grausam mit einer Draht- und Stachelgeisel und treibe sie mit Zwang von hinnen. Dann, indem sie diesem Hirten folgen, nehmen sie Wolfsgestalt an, und fallen in die Heerden, wo sie deren finden, aber Menschen dürfen sie nicht verletzen. Fließende Wasser theilt der Führer des Wärwolfheeres mit seiner Ruthe oder Geisel, daß sie trocknen Fußes hindurchgehn. Solcher Spuk dauert nur so lange die zwölf Nächte währen, vom ersten Christtag bis zum heiligen drei Königstage oder großem Neujahr, dann legen jene schrecklichen Ungethüme ihre Wärwolfsgestalt ab, und werden wieder in Menschen verwandelt.
  
-Der Blutspur nach gehen auch gern nach dem Volksglauben in der Gegend um Danzig die Unnereerdschkens (Unterirdische) und weilen am liebsten da, wo Menschenblut vergossen wurde. Auf einem Dorfe bei Danzig hatte sich ein Knecht im Stalle erschossen, und alsbald schlugen in diesem Stalle die Unterirdischen ihre Wohnung auf, quälten und vertrieben das Gesinde und wichen nicht eher, bis der Stall abbrannte. Die Natur dieser Erdgeister wird von den Bewohnern nicht wie anderwärts als aus Güte und Tücke gemischt geschildert, sondern durchweg boshaft, schadenfroh und menschenfeindlich, ganz der Nachtseite der slavischen Dämonenwelt angehörend. Auch sie bringen Wechselbälge in die Wochenstuben, und legen diese an die Stelle schöner Kinder.+Der Blutspur nach gehen auch gern nach dem Volksglauben in der Gegend um Danzig die [[wesen:unterirdischer|Unnereerdschkens (Unterirdische)]] und weilen am liebsten da, wo Menschenblut vergossen wurde. Auf einem Dorfe bei Danzig hatte sich ein Knecht im Stalle erschossen, und alsbald schlugen in diesem Stalle die Unterirdischen ihre Wohnung auf, quälten und vertrieben das Gesinde und wichen nicht eher, bis der Stall abbrannte. Die Natur dieser Erdgeister wird von den Bewohnern nicht wie anderwärts als aus Güte und Tücke gemischt geschildert, sondern durchweg boshaft, schadenfroh und menschenfeindlich, ganz der Nachtseite der slavischen Dämonenwelt angehörend. Auch sie bringen [[wesen:wechselbalg|Wechselbälge]] in die Wochenstuben, und legen diese an die Stelle schöner Kinder.
  
 Einst ging ein Schäfer, der ein geübter Geigenspieler war, zur Nacht nach Hause, da begegnete ihm ein kleines, ganz gelb gekleidetes Männchen, und fragte ihn, ob er mitkommen, aufspielen und Geld verdienen wolle? Dem Schäfer war nichts lieber, und ließ sich willig leiten. In einem hellen Saal traf er Hunderte von Zwergenmännlein und Fräulein an, alle waren gelb gekleidet; sie reihten sich zum Ball und der Schäfer spielte trotz dem Musikanten auf dem Pervisch zu [[geo:Aachen]], bis er fast nicht mehr konnte. Hierauf wurden ihm die Taschen mit Geld gefüllt, und ihm gesagt, er möge nichts davon anrühren, bis er zu Hause sei. Dann ward er hinweggeführt, und es war ihm, als lege er sich daheim nieder, sehr ermüdet. Als er erwachte, lag er auf seinem Kartoffelacker unter einem Baume, und die Geige neben ihm, die Sonne aber stand schon hoch am Himmel. Wie ein Traum dünkte alles dem Geiger, doch gedachte er des empfangenen reichen Lohnes und griff in seine Tasche. Die waren voll Schuppen der Tannenzapfen. – Verruchter Dreck – murmelte der Schäfer, und leerte ärgerlich seine Taschen aus. Als er heimkam, und die Jacke auszog, klingelte etwas in der einen Tasche, und wie er hineinfühlte, zog er einige uralte Mariengroschen heraus. Die waren noch hängen geblieben am Futter. Als ob der Kopf ihm brenne, eilte der Mann wieder hinaus zu seiner lustigen Schlafstelle – er fand nichts mehr, wohl aber war ihm, als höre er hoch auf des Baumes Zweigen und unter dem dichten Kartoffelkraut ein schadenfrohes Gekicher.  Einst ging ein Schäfer, der ein geübter Geigenspieler war, zur Nacht nach Hause, da begegnete ihm ein kleines, ganz gelb gekleidetes Männchen, und fragte ihn, ob er mitkommen, aufspielen und Geld verdienen wolle? Dem Schäfer war nichts lieber, und ließ sich willig leiten. In einem hellen Saal traf er Hunderte von Zwergenmännlein und Fräulein an, alle waren gelb gekleidet; sie reihten sich zum Ball und der Schäfer spielte trotz dem Musikanten auf dem Pervisch zu [[geo:Aachen]], bis er fast nicht mehr konnte. Hierauf wurden ihm die Taschen mit Geld gefüllt, und ihm gesagt, er möge nichts davon anrühren, bis er zu Hause sei. Dann ward er hinweggeführt, und es war ihm, als lege er sich daheim nieder, sehr ermüdet. Als er erwachte, lag er auf seinem Kartoffelacker unter einem Baume, und die Geige neben ihm, die Sonne aber stand schon hoch am Himmel. Wie ein Traum dünkte alles dem Geiger, doch gedachte er des empfangenen reichen Lohnes und griff in seine Tasche. Die waren voll Schuppen der Tannenzapfen. – Verruchter Dreck – murmelte der Schäfer, und leerte ärgerlich seine Taschen aus. Als er heimkam, und die Jacke auszog, klingelte etwas in der einen Tasche, und wie er hineinfühlte, zog er einige uralte Mariengroschen heraus. Die waren noch hängen geblieben am Futter. Als ob der Kopf ihm brenne, eilte der Mann wieder hinaus zu seiner lustigen Schlafstelle – er fand nichts mehr, wohl aber war ihm, als höre er hoch auf des Baumes Zweigen und unter dem dichten Kartoffelkraut ein schadenfrohes Gekicher. 
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