sagen:dsbb0244
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| ====== Wärwölfe, Vampire und Unterirdische ====== | ====== Wärwölfe, Vampire und Unterirdische ====== | ||
| - | Viel weiß des Volkes Glaube und Aberglaube an den Ostseeküsten und dann weit hinab und hinauf, in West- und Ostpreußen, | + | Viel weiß des Volkes Glaube und Aberglaube an den Ostseeküsten und dann weit hinab und hinauf, in West- und Ostpreußen, |
| - | Der Wehrwolf oder Wärwolf ist gedacht als ein Mensch, der durch Zaubermittel sich zur Nachtzeit in ein reissendes Thier, insgemein in einen Wolf verwandelt, und Menschen und Vieh anfällt, um ihnen das Blut warm aus dem Herzen zu saugen. Was der Wärwolf so im Freien und an Wachenden übt, das thut der Vampir in den Gemächern an den Schlafenden. Der Wärwolf wandelt noch unter den Lebenden, der Vampir ist ein Abgeschiedener, | + | Der [[wesen: |
| - | Ein Jäger aus Danzig beging Abends sein Revier, und sah sich plötzlich von einem ungewöhnlich großen Wolf angefallen, da er aber nicht unvorbereitet war, so schoß er, und seine Kugel zerschlug dem Wolf den rechten Vorderfuß. Mit lautem Geheul ergriff der Wolf hinkend die Flucht. Der Jäger folgte der Spur des Blutes, nachdem er von neuem seine Büchse geladen, denn er wollte sich in Besitz des schönen Wolfspelzes setzen. Die Spur leitete ihn zu einer Hütte im Walde, und in diese hinein. Da fand er eine Frau und einen Mann, und die Frau verband des Mannes rechte Hand, die von einer Kugel zerschmettert war. Der Jäger zeigte die Sache an, der Mann ward eingezogen, bekannte daß er ein Wärwolf sei und wurde lebendig verbrannt. | + | Ein Jäger aus [[geo:Danzig]] beging Abends sein Revier, und sah sich plötzlich von einem ungewöhnlich großen Wolf angefallen, da er aber nicht unvorbereitet war, so schoß er, und seine Kugel zerschlug dem Wolf den rechten Vorderfuß. Mit lautem Geheul ergriff der Wolf hinkend die Flucht. Der Jäger folgte der Spur des Blutes, nachdem er von neuem seine Büchse geladen, denn er wollte sich in Besitz des schönen Wolfspelzes setzen. Die Spur leitete ihn zu einer Hütte im Walde, und in diese hinein. Da fand er eine Frau und einen Mann, und die Frau verband des Mannes rechte Hand, die von einer Kugel zerschmettert war. Der Jäger zeigte die Sache an, der Mann ward eingezogen, bekannte daß er ein Wärwolf sei und wurde lebendig verbrannt. |
| Im Dorfe Grabau (manche schreiben Crakau) nahe bei Danzig, nach der Küste zu, begann einmal, vor noch nicht allzulanger Zeit, ein allgemeines Sterben, und besonders wurden Jungfrauen in der Blüthe ihres Lebens hingerafft, und jede so schnell gestorbene hatte am Herzen ein kleines Wundenmal. Da fielen endlich die Dorfältesten auf den Gedanken, es möge wohl ein Vampir auf ihrem Kirchhof liegen, und ließen viele Gräber und Särge öffnen, und da fand sich auch ein Leichnam, der war nicht verweset gleich den andern, sondern Nägel und Barthaar waren ihm gewachsen, und an seinen Lippen zeigte sich die Spur frischen Blutes. Alsbald wurde das bekannte, bis nach Serbien hinein und dort sehr häufig angewandte Mittel ebenfalls angewandt. Das Haupt des Todten wurde mittelst eines Grabscheites vom Körper abgestoßen, | Im Dorfe Grabau (manche schreiben Crakau) nahe bei Danzig, nach der Küste zu, begann einmal, vor noch nicht allzulanger Zeit, ein allgemeines Sterben, und besonders wurden Jungfrauen in der Blüthe ihres Lebens hingerafft, und jede so schnell gestorbene hatte am Herzen ein kleines Wundenmal. Da fielen endlich die Dorfältesten auf den Gedanken, es möge wohl ein Vampir auf ihrem Kirchhof liegen, und ließen viele Gräber und Särge öffnen, und da fand sich auch ein Leichnam, der war nicht verweset gleich den andern, sondern Nägel und Barthaar waren ihm gewachsen, und an seinen Lippen zeigte sich die Spur frischen Blutes. Alsbald wurde das bekannte, bis nach Serbien hinein und dort sehr häufig angewandte Mittel ebenfalls angewandt. Das Haupt des Todten wurde mittelst eines Grabscheites vom Körper abgestoßen, | ||
| - | Vor Herzog Albert in Preußen wurde einstens von den Bauern ein Gefangener gebracht, und beschuldigt, | + | Vor Herzog Albert in [[region:Preußen]] wurde einstens von den Bauern ein Gefangener gebracht, und beschuldigt, |
| In Liefland wissen die Leute zu erzählen, daß wenn die Christnacht vorüber ist, ein hinkender Junge durch die Orte gehe, und die Bösen zusammenrufe, | In Liefland wissen die Leute zu erzählen, daß wenn die Christnacht vorüber ist, ein hinkender Junge durch die Orte gehe, und die Bösen zusammenrufe, | ||
| - | Der Blutspur nach gehen auch gern nach dem Volksglauben in der Gegend um Danzig die Unnereerdschkens (Unterirdische) und weilen am liebsten da, wo Menschenblut vergossen wurde. Auf einem Dorfe bei Danzig hatte sich ein Knecht im Stalle erschossen, und alsbald schlugen in diesem Stalle die Unterirdischen ihre Wohnung auf, quälten und vertrieben das Gesinde und wichen nicht eher, bis der Stall abbrannte. Die Natur dieser Erdgeister wird von den Bewohnern nicht wie anderwärts als aus Güte und Tücke gemischt geschildert, | + | Der Blutspur nach gehen auch gern nach dem Volksglauben in der Gegend um Danzig die [[wesen: |
| - | Einst ging ein Schäfer, der ein geübter Geigenspieler war, zur Nacht nach Hause, da begegnete ihm ein kleines, ganz gelb gekleidetes Männchen, und fragte ihn, ob er mitkommen, aufspielen und Geld verdienen wolle? Dem Schäfer war nichts lieber, und ließ sich willig leiten. In einem hellen Saal traf er Hunderte von Zwergenmännlein und Fräulein an, alle waren gelb gekleidet; sie reihten sich zum Ball und der Schäfer spielte trotz dem Musikanten auf dem Pervisch zu Aachen, bis er fast nicht mehr konnte. Hierauf wurden ihm die Taschen mit Geld gefüllt, und ihm gesagt, er möge nichts davon anrühren, bis er zu Hause sei. Dann ward er hinweggeführt, | + | Einst ging ein Schäfer, der ein geübter Geigenspieler war, zur Nacht nach Hause, da begegnete ihm ein kleines, ganz gelb gekleidetes Männchen, und fragte ihn, ob er mitkommen, aufspielen und Geld verdienen wolle? Dem Schäfer war nichts lieber, und ließ sich willig leiten. In einem hellen Saal traf er Hunderte von Zwergenmännlein und Fräulein an, alle waren gelb gekleidet; sie reihten sich zum Ball und der Schäfer spielte trotz dem Musikanten auf dem Pervisch zu [[geo:Aachen]], bis er fast nicht mehr konnte. Hierauf wurden ihm die Taschen mit Geld gefüllt, und ihm gesagt, er möge nichts davon anrühren, bis er zu Hause sei. Dann ward er hinweggeführt, |
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