sagen:dsbb0153
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| + | ====== Die Meerminnen ====== | ||
| + | Meerminnen sind Dämonenwesen der See, weiblichen Geschlechts, | ||
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| + | Zur Zeit, da die Antwerpner auch noch Schiffe zum Walfischfang ausrüsteten, | ||
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| + | Scheppers, werpt de Tonnekens uit,\\ | ||
| + | De walvisch zal gaen kommen:\\ | ||
| + | Schiffer, werft die Tönnchen aus,\\ | ||
| + | Der Walfisch soll entgegenkommen.\\ | ||
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| + | Da taten die Schiffer nach der Meerminnen Geheiß, warfen die Tönnchen aus, und nicht lange dauerte es, so ließ sich ein Walfisch sehen, der dann stets sicher erlegt wurde. Einst, schon sehr lange her, geschah es, daß im Hafen vor Muiden an der Südersee, ohnweit Amsterdam, eine Meerminne schwimmend erblickt wurde. Diese Meerminne sang eine Prophezeiung: | ||
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| + | Muiden sol Muiden blyven,\\ | ||
| + | Muiden sol novit beklyven:\\ | ||
| + | Muiden soll Muiden bleiben,\\ | ||
| + | Muiden soll niemals bekleiben.\\ | ||
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| + | Und es geschah also. Muiden, ein Hafenort, günstigst gelegen, blieb ein Flecken, und das nachbarliche Amsterdam wurde eine Weltstadt. | ||
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| + | In der Nähe von Dord (Dordrecht) liegt nahe der Landstraße ein großes stilles Wasser, daraus ragt ein Kirchturm hoch und einsam empor. Da hat vorzeiten die reiche und starkbevölkerte Stadt Zevenbergen gestanden. Ihr Reichtum machte die Einwohner übermütig, | ||
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| + | Da hob sich aus dem breiten Gewässer am Biesbosch eine Meerminne, die flog über Zevenbergen und sang mit einer kläglichen Weise: | ||
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| + | Zevenbergen sol vergan,\\ | ||
| + | En Lobbetjens Torn sol blyven staen.\\ | ||
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| + | Diesen Sang hörten die Einwohner gar wohl und sahen das Zeichen, achteten aber der Warnung nicht, sie blieben, wie sie waren, und lebten fort, wie es ihnen gefiel, und da ließ es Gott geschehen, daß der Meerminne Prophezeiung sich erfüllte. Eine Sturmnacht kam, endloser Donner rollte über Zevenbergen hin, und die Flut kam, und die Stadt versank, und nur die Kirche blieb stehen, wie die Meerminne gesungen hatte, und weit und breit stand das Wasser da, wo die Stadt gestanden. Fischer haben bisweilen in der Tiefe die goldenen Dächer schimmern sehen, da wäre noch ein großer Reichtum zu holen, aber keiner wagt sich in die Tiefe und in die Stadt hinab, die der Fluch des Himmels getroffen. | ||
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