sagen:dsbb0148
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| + | ====== Die Tückebolde Lodder und lange Wapper ====== | ||
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| + | Ein dem Kludde verwandter Geist spukt in der Gegend um Brüssel umher, ganz in ähnlicher Weise. | ||
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| + | Schnitter, die Abends ihre Kleider abgelegt hatten und ruhten, hörten von fern her kommend ein Gerassel, wie von Ketten, das näherte sich bis an den Ort, wo ihre Kleider lagen, die aber lagen ganz ruhig. Ein Gewitter zog heran, die Schnitter zogen ihre Kleider an, und wollten heim gehen, da rasselte und prasselte es ganz in der Nähe, und plötzlich schrie einer der Schnitter: Lodder! Lodder! Schlagt zu! schlagt zu! ich sitze drauf. – Und da ritt er schreiend fort und keiner sah, auf was er ritt, und alle lachten, denn der Geist Lodder war unsichtbar, und rannte fort mit der erfaßten Last des Schnitters und warf ihn bei einem Weiher in das Gras und plumpste ins Wasser, und mußte jener froh sein, daß nicht er in das Wasser geworfen worden. Einem Zechgesellen begegnete es, daß er, als er Abends ziemlich spät nach Hause kam, an der Erde etwas ticken und tacken hörte. Neugierig lauschend bog er sich nieder, ticketack, ticketack ging es fort und fort. Er griff hin und siehe, unter einem Stein lag eine gehende Uhr. Er nahm sie und steckte sie ein, und in seiner Kammer zog er sie hervor, sie im Mondschein recht augenscheinlich zu be/ | ||
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| + | Ein anderer Tückebold ist der lange Wapper, der spukte vornehmlich zu Antwerpen und gehörte zu demselben Gelichter; er verschmähte es nicht, selbst unschuldige Kinder zu bethören. Er spielte mit ihnen um Schüsser und Knickers, ließ sie gewinnen, und wenn sie meinten die Tasche recht voll gewonnene Küglein zu haben, und wollten sie zeigen, dann waren es Schaaflorbeeren. Wenn er mit den Jungen das Diebspiel spielte, kartete er es so ab, daß er den Henker machte und dann henkte er die armen Buben wirklich, und wenn sie sich zu Todte zappelten und die andern alle davon liefen, so schlug er ein unmenschliches Gelächter auf. Ein Büttnergesell trat bei einem Meister ein, schien ein anstelliger Bursche. Da der Meister ein Faß pichen wollte, hieß er den Gesellen das Pech einwerfen und Hobelspähne im Faß anzünden; der Gesell that’s, steckte aber mit dem brennenden Faß das ganze Haus in Brand, und als der Meister ihn wüthend verfolgte, sprang der Gesell ins Wasser und puttelte darin herum und lachte wie ein rechter Kobold. Mit Mühe wurde der Meister Meister des Feuers. | ||
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| + | Ein Brauer hatte auch einen neuen Gesellen gedingt; der war gar kräftig und fleißig; am Abend rollte er eine schwere Tonne voll Bier mit einem Nebengesellen von ihrer Stelle, stellte dem Nebengesellen flink ein Bein, daß er fiel und unter die Tonne kam, die drückte ihn breit wie eine Oblate, und der neue Gesell lachte, daß die Gewölbe erbebten. Als die andern Braugesellen darüber sich erzürnten und ihn prügeln wollten, rannte er dicht vor ihnen her, und plumps lag er im Braubottig, und plumps purzelten drei, viere, die ihm dicht auf den Fersen waren, auch hinein, und verbrühten sich elendiglich. Der lange Wapper aber schaute plötzlich aus einer Trebernhütte heraus und lachte, daß alle hohlen Fässer dröhnten. | ||
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| + | Eines Tages kam ein Mann zu Antwerpen die Straße entlang, der schrie: kauft Muscheln, kauft Muscheln! – Vor einer Thüre saßen vier Frauen, die riefen den Mann an, und hatten Lust, Muscheln zu kaufen. Er öffnete eine zur Probe, die war aber faul, er öffnete eine andere, die war desto besser. Die eine der Frauen führte sie zum Mund und wollte schmecken, ob sie gut sei. Da krabbelte es ihr im Munde, und sie spie das eingenommene aus, da war es eine große, ganz schwarze, haarige Spinne. | ||
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| + | Die Frau brach vor Ekel alles aus dem Leibe heraus, der Tückebold lachte und verschwand sammt seinen Muscheln. Zahllos sind die Sagen, die vom lange Wapper im Volke zu Antwerpen umgehen, es war nicht gut ihn zu nennen, es ging mit ihm wie mit dem Weiberwetzstein zu Wendhausen in Franken, den keiner loben und keiner schelten durfte und wer seinen Namen nannte, that mehr übel als klug. Häufig hielt dieser Geist sich unter einer Brücke auf, sie heißt heute noch die Wapperbrücke, | ||
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| + | Nur eifriges Gebet konnte und kann der lange Wapper nicht vertragen, das ist nicht seine Farbe. Damit war er leichtlich abzutreiben; | ||
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sagen/dsbb0148.1708890673.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
