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-====== Die Brüder ======+====== Triers Alter ======
  
-Auf den nachbarlichen Burgen Sternfels und Liebenstein am Rhein wohnten zwei Brüder, die waren sehr reich und hatten die Burgen stattlich von ihres Vaters Erbe erbautDa ihre Mutter starbwurden sie noch reicherbeide hatten aber eine Schwester, die war blind, mit der sollten nun die Brüder der Mutter Erbe teilen. Sie teilten aberda man das Geld in Scheffeln maß, daß jedes ein volles Maß nach dem andern nahm, und die blinde Schwester fühlte bei jedemdaß eines so richtig voll war wie das andere; die arglistigen Brüder drehten aber jedesmalwenn es ans Maß der Schwester gingdieses um und deckten nur den von schmalem Rand umgebenen Boden mit Geld zuda fühlte die Blinde oben darauf und war zufriedendaß sie ein volles Maß empfing, wie sie nicht anders glaubteSie war aber gottlos betrogendennoch war mit ihrem Gelde Gottes Segen, sie konnte reiche Andachten in drei Klöster stiftenzu Bornhofenzu Kidrich und Zur Not GottesAber mit dem Gelde der Brüder war der Unsegen für und fürihre Habe verringerte sichihre Herden starbenihre Felder verwüstete der Hagel, ihre Burgen begannen zu verfallen, und sie wurden aus Freunden Feinde und bauten zwischen ihren nachbarlich nahe gelegenen Burgen eine dicke Mauer als Scheidewandderen Reste noch heute zu sehen sind. Als all ihr Erbe zu Ende gegangen, versöhnten sich die feindlichen Brüder und wurden wieder Freunde, aber auch ohne Glück und SegenBeide bestellten einander zu einem gemeinschaftlichen Jagdrittwer zuerst munter seisolle den andern Bruder frühmorgens durch einen Pfeilschuß an den Fensterladen wecken. Der Zufall wollte, daß beide gleichzeitig erwachtenbeide gleichzeitig die Armbrust spanntenim gleichen Augenblick den Laden aufstießen und schossenund daß der Pfeil jedes von ihnen dem andern in das Herz fuhr – das war der Lohn ihrer untreuen Tat an ihrer blinden Schwester. +Trier und Solothurn sollen die ältesten Städte in Europa seinEintausendunddreihundert Jahre vor Christus habe Trier schon gestandenwie alte Reimverse aussagenja Trier war lange die zweitgrößeste Stadt in der alten WeltRom die erste, und die Alten nannten es das reichste Trier, das beglückteste Trierdas ruhmwürdigstedas ausgezeichnete Trier – und dies schon zur Römerzeit, und zur Zeit des deutschen Mittelalters war Trier des Christentums Wiegedas zweite, das deutsche Rom. Triers frühe Kulturblüte brachen zuerst die Gallier durch eine dreimalige Verheerung und schufen aus der Stadt nur einen großen Totenhof. Dennoch verlangten einige dem Verderben entgangene Nobili noch blutige Zirkusspiele, wie sie in Rom stattfanden zur Zeit des tiefsten Sittenverfalles dieser WeltstadtDie Astrologen nannten übrigens das Triersche Gebiet die Planetengasseweil es dort so überaus häufig regnen soll. Man sagt auch von einem See in diesem Gebietedarin sich zuzeiten ein wunderbarer Fisch soll sehen lassen, und wenn dies geschehe, bedeute es voranzeigend den Todesfall des jedesmaligen LandesherrnDas schönste unter den vielen Baudenkmalen uralter Zeit ist der Dom zu Trier; lange zeigte man in ihm ein Horndas die Einwohner die Teufelskralle nanntenund erzählten, der Erbauer des Doms habe allein nicht zustande kommen können und den Teufel zu Hülfe genommen und diesen überlistetda habe der Teufel in seiner Wut die Altäre umreißen wollenes sei ihm aber nicht gelungen, und habe er noch dazu eine Kralle lassen müssenIm Dom zu Trier wird auch der ungenähte heilige Rock aufbewahrtden Christus der Herr getragen haben sollund um den die Kriegsknechte gewürfeltweil er zu schön, als daß sie ihn hätten zerschneiden mögen. Es ist ein Mannsrock mit langen Ärmelnaus zartem Linnenstoffaus subtilen Fäden buntfarbig gewirkt. Die heilige Helena war es, welche diesen Rock mit einem Stücke des heiligen Kreuzes und einem Nagelmit welchem Christus an das Kreuz geheftet war, nach Trier schenkte, wohin sie den frommen Bischof Agritius von Antiochia sandte. Dieser Rock genießt der andächtigsten Verehrung von vielen Millionen Gläubigendie an seiner Echtheit nicht zweifeln, obschon an vielen Orten mehr derselbe Rock und doch nicht derselbe für echt gezeigt wird.
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-Andere erzählenes habe das Geschick nur den einen Pfeil eines der Brüder dem einen der Brüder in das Herz gelenktdarauf sei der andere zur Buße nach dem Heiligen Grabe gepilgert und im Morgenlande verstorben. Noch andere haben neue Märlein über dies feindliche Brüderpaar ersonnen, denen Kundige es auf den ersten Blick ansehen, daß sie früher nie als Sagen im Volke lebten.+
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 83-84// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, Seite 76-77// 
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535480|www.zeno.org]]//+  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535391|www.zeno.org]]//
  
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-{{tag>sagen bechstein deutschessagenbuch Sternfels Liebenstein rhein armbrust pfeil erschiessen v1}}+{{tag>sagen bechstein deutschessagenbuch trier rom römer teufel v1}}
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