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sagen:dsbb0087

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-====== Sankt Goars Wunder ======+====== Die getreue Frau Florentina ======
  
-Aus dem Lande Aquitanien kam ein frommer Mönch in die Rhein- und Mosellande. Auch an der Lahn nahm er eine Zeitlang den Aufenthaltpredigtebreitete das Christentum aus und übte manches Wunder. Ein Fels unterhalb der Lurlei zeugt noch von ihm; man erblickt in diesem Felsen eine ausgehauene viereckige Vertiefung und nennt dieselbe St. Goars Kanzel oder auch St. Goars Bett. Dort soll der heilige Mann lange Zeit gelebt und gewohnt haben, das Evangelium zu verkünden und verunglückenden Schiffern beizustehenNoch ist, und für alle Zeitendes Heiligen Name fortlebend in den einander gegenüberliegenden Ortschaften StGoarshausen und StGoar am Rhein, und zu Pfalzfeld in der Nähe hinter StGoar soll ihm eine Denksäule errichtet worden sein. In seiner Zelle zu StGoar soll der Heilige verstorben sein, worauf die Andacht ihm eine Kapelle dort errichtete, die schon zu Kaiser Karl des Großen Zeiten stand und berühmt war als ein Haus freigebiger Milde und Gastlichkeit gegen ReisendeSchifferPilger und WallfahrerIn der Gruft der von einem Grafen von Katzenellenbogendenen diese Landschaft gehörteerbauten Kirche steht die Bildsäule des Heiligen lebensgroß, und waren auch sonst viele Heiligtümer dort aufbewahrtsind aber hinweggekommen. Manche nennen St. Goar den Apostel von Trier. Dorthin beschied ihn einst der Bischof Rusticus durch Sendboten; dieser hatte von des Heiligen Wundern gehört und konnte sie nicht glaubenSt. Goar folgte den Botenaber der Weg war völlig wüst und unwirtbares gebrach an Zehrung, und die Sendboten sprachen: Wenn kein Wunder hilft, so verschmachten wir. Da übte St. Goar gleich ein Wunder. Er rief in den Wald hinein, und es kamen drei milchende Hirschkühe, ließen sich melken, und ihre Milch rettete die BotschafterAls der heilige Mann zu Trier vor den Bischof Rusticus geführt wurdewar ihm warm vom Gange, denn es war heiße Sommerzeit, und er sah sich im Versammlungssaale nach einem Ort oder Nagel um, seinen Mantel dahin zu hängen, gewahrte aber keinen solchen, und da hing er den Mantel auf einen Sonnenstrahlder schrägwärts herein in den Saal fiel. Alle erstauntender Bischof aber zweifelte noch immerund da ward ein Säugling hereingetragenwelcher am selben Tage gefunden worden war. Lasse unso heiliger Mann, so du es vermagst, aus dieses armen Säuglings Munde vernehmen, wer sein Vater ist! sprach der Bischof. Da rührte St. Goar mit dem Finger des Säuglings Lippen anund die Versammlung vernahm deutlich aus des Kindes Munde die Worte: +Zu Metz lebte ein edler Rittersmann, der hieß Alexander, der hatte eine gar tugendsame Ehewirtindie hieß Florentina. Der Ritter gelobte sich zu einer Bußfahrt zum Heiligen Grabe, und sein Ehegemahl fertigte ihm ein feines neues Hemde, das zeichnete sie mit einem roten Kreuze und hieß es ihm stetig tragenEs sei also gefeit und geweihtdaß es immer rein bleibe, zum Zeichen ihrer steten Reinheit und Treuedie sie ihm bewahren wolle bis zu seiner Wiederkehr. Im Heiligen Lande aber geriet Ritter Alexander aus Metz in Gefangenschaft und mußte mit anderen als Knecht den Pflug ziehen und Geißelhiebe und ein Joch auf seinem Nacken dulden wie ein StierDas Hemd aber blieb trotz harter Arbeit, trotz Staub und Schweiß und Blut stets rein und weiß, wie SchneeDas verwunderte die Aufseher, und sie brachten es vor den SultanDa erkundigte sich der Sultan, welche Bewandtnis es mit des Sklaven Hemde habe, und Alexander erzählte ihm von der Treue und Reinheit seiner FlorentinaSolches dünkte dem Sultan eine Lügenmäre zu sein, und er ward sehr neugierig, ob dem in der Welt nur so sein könnteund ließ auf seine Kosten einen vertrauten Eilboten ins Abendland reisender kam auch glücklich nach Metz, erkundete die Frau, erzählte ihr von ihres Herrn harter Gefangenschaft und warbda er sie zumal besonders schön fandmit starker Versuchung um ihre MinneAllein da er ganz vergebens sich um die Gunst der Frau bemühte, so zog er wieder ab und brachte seinem Herrn die Nachricht von Florentinas unwandelbarer Treue. Diese aber kleidete sich in Pilgrimtrachtnahm eine Harfe mit, die sie meisterlich zu spielen verstand, und reiste dem Heiden nachholte zu Venedig ihn ein und fuhr mit ihm, ohne daß er sie wiedererkannt hätte, in das HeidenlandAls sie nun an des Heidenkönigs Hofe ankamenmeldete der Abgesandtewas er zu Metz ausgerichtet, und rühmte seines Reisegefährten kunstreiches Harfenspiel. Da wurde der Pilgrim an den Hof gefordert und durfte sich hören lassen und wurden ihm große Geschenke für sein Spiel dargebotenEr weigerte abersolche anzunehmen, und bat nur um die Freilassung eines der Sklavendie im Pfluge gingen. Das ward ihm zugestanden, und nun ging Florentina zu den Sklaven und suchte unter ihnen ihren Mann, den bat sie losgab sich ihm aber nicht zu erkennenweder zu Landenoch zur Seesondern blieb in ihrer Verkleidung als Mann und fuhr mit ihrem Manne der Heimat zu. Da sie noch zwei Tagereisen von Metz warensprach FlorentinaMein lieber Wandergesellnunmehr gehen unsere Wege voneinanderGib mir dafür, daß ich dich befreitdoch auch etwas zum An denken. – Was soll ich dir geben, der ich so viel wie nichts habe? fragte der befreite Ritter. – Du hast ein sonderbares Hemde an, von dessen Wunder habe ich im Heidenlande reden hörenschneide mir ein Stück heraus, damit ich auf meiner Pilgerschaft auch andern von dem Wunder singen und sagen kann– Weil du es bist und ich so großen Dank dir schuldig gewordensprach der Ritterso will ich's tun, keinem anderen auf der Welt gäbe ich vom Hemde, das mir meiner Frauen Reine und tugendsame Zucht so wunderbar verbrieft. – Schnitt ihm also ein Stückleinnicht gar groß, aus dem Hemde heraus und schied so dankend von dem PilgrimFlorentina eilte ihrem Gatten schnell voraus nach Metz, legte ihre Frauenkleidung wieder an, und als er nun, einen ganzen Tag später wie sie, daheim ankam, empfing sie ihn mit herzlicher Liebkosung und Freude, des ward er sehr glücklichAls aber nun der heimgekehrte Ritter allmählich seine Freunde wieder sahda merkte er an ihrem sondern Wesendaß sie etwas Heimliches gegen ihn auf den Herzen hatten, und endlich sagte ihm einer: Mich nimmt viel Wunders, daß du dein Weib wieder daheim funden hastsie muß deine Heimkunft gerochen haben. Ein fremder Mann war oft und lange bei ihrund endlich ist sie ihm nachgefahren und zwölf Monate außen blieben und nur kurz vor dir wiederkommen. – Da ward der Ritter sehr zornig, lud seine Freunde und Verwandten zu einem Mahl und fragte dann dabei sein Weib öffentlichwarum sie so untümlich lange Zeit ihr Haus verlassen, und wo sie denn in der Welt herumgereist sei nach fahrender Fräulein Art. – Da stund die getreue Florentina schweigend vom Tische auf, ging in das Zimmer nebenan und kam als [[lex:Pilgrim]] mit der Harfe wieder und reichte ihm das Stücklein Leinwand aus seinem HemdDa hob der Ritter seine Hände auf und rief: Vergib, du Himmlische, du Reine! Du befreitest mich aus Sklavenbanden, aus dem Joche am Pfluge, und fiel ihr weinend um den Hals und bat sie um Verzeihung, und jede Anklage verstummte auf immerdar.
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-Pater meus:\\ +
-Rusticus,\\ +
-Episcopus!\\ +
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-Da glaubte der Bischof ganz still an die Wundergabe StGoars und versuchte ihn nicht weiterwünschte auch nichtdaß der Säugling ferner spreche. – +
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-Einst fuhr Kaiser [[vip:karldergrosse|Karl der Große]] von seinem Palast in Ingelheim gen Koblenzan StGoars Zelle vorüberohne dort vorzusprechendas nahm der Heilige übel und schuf einen so dichten Nebeldaß Karl landen und auf freiem Felde eine Nacht zubringen mußteSeinen Söhnen hingegenKarl und Pipinwelche einen Haß gegeneinander trugen und zufällig in St. Goars Zelle zusammentrafengoß der Heilige Versöhnung in das Herz. Auch heilte er mildiglich auf ihr Anrufen des großen Kaisers Gemahlin Fastrada von heftigem ZahnwehKarl der Große schenkte dankbar dem gastlichen Kapellenhause ein Faß guten Weines. Dieses segnete der Heilige mit der Kraft des Nimmerversiegens. Einst vergaßvermutlich, weil er diese Kraft allzusehr erprobtein Pater Kellermeister den Hahn richtig zu schließenso daß er stark tropfteda kam eine Spinne daherdie webte so eifrig unter der Hahnöffnung fort und fortbis sie das Gewebe so dicht gemacht, daß auch kein Tropfen mehr herauslief. Das alles wirkte noch lange nach seinem Ableben StGoar durch seine fortdauernde Wunderkraft.+
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 82-83// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, Seite 75-76// 
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535472|www.zeno.org]]//+  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535383|www.zeno.org]]//
  
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