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sagen:dsbb0086

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-====== Lurlei ======+====== Der Teufelsbündner in Virdung ======
  
-Wo das Stromtal des Rheins unterhalb Caub am engsten sich zusammendrängtstarren hoch und schroff zu beiden Seiten echoreiche Felsenwände von Schiefergestein schwarz und unheimlich hoch empor. Schneller schießt dort die Stromflutlauter brausen die Wogenprallen ab am Fels und bilden schäumende Wirbel. Nicht geheuer ist es in dieser Schluchtüber diesen Stromschnellen; die schöne Nixe des Rheinsdie gefährliche Lurlei oder Lorelei, ist in den Felsen gebannt, doch erscheint sie oft den Schiffern, strählt mit goldenem Kamme ihr langes flachsenes Haar und singt dazu ein süß betörendes Lied; mancherder davon sich locken ließder den Fels erklimmen wollte, fand seinen Tod in den Wellenwirbeln. Rheinab und -auf ist keine Sage so in aller Mund als die von der Lurlei, aber sie gleicht dem Echo der Uferfelsendas sich mannigfach rollend bricht und wiederholtViele Dichter haben sie ausgeschmückt – bis fast zur Unkenntlichkeit. +Als die Stadt Virdung noch eine deutsche war, und zwar schon zu Kaiser Rudolf von Habsburg Zeitensaß ein Bürger dortselbstder verfiel in Armut und durch sie in Versuchung und Strickenach dem Sprüchwort: An armer Leute Hoffart wischet der Teufel seinen Hinterndenn jener Bürger mochte gar gern prangen und prassen. Damit er nun neue Schätze gewinneverlobte er sich mit eines alten Weibes Beistand dem Teufelschwur Gott und seinen Heiligen ab und empfing einen Heckebeutel mit Brutpfennigen; sooft er in den Beutel griff, so oft konnte er die Hand voll Goldes oder Silbers herausziehen. Da mehrte er seinen Reichtum von Tage zu Tagekaufte Gärten und Häuser, Äcker[74] und Wiesen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Eines Tages aber geschah esdaß er vor seinem Hause im Schatten saß und mit Freunden zechte, da kamen zwei unbekannte ernste Männer auf schwarzen Rossen geritten, die führten mit sich ein drittes aufgezäumtes schwarzes Roß und trugen dunkle TrachtDie Männer hielten an des Bürgers Haus und fordertendaß er das ledige Roß besteigeDer Bürger sahe mit Kummerwo das hinauswollenahm traurig von seinen Angehörigenzwei Söhnen und Freunden Abschied und bestieg das dunkle Roßauf welchem er mit den beiden Reitern rasch von dannen rittDie Söhne hätten gern erfahrenwohin doch ihr Vater geritten auf Nimmerwiederkehr. Da fielen sie auf den Gedankendie alte Hexe zu fragen und ihr Geld zu gebendaß sie ihnen ihren Vater zeige und den Ortda er weile. Das alte Hexenweib ging mit den Jünglingen in einen Waldwo sie ihre Zauberkunst übte und die Hölle beschwur. Da tat sich der Erdboden auf, und die Zwei steigen herauf, welche den Bürger hinweggeführt hatten, und waren schrecklich anzusehenDa fragte die Alte die Jünglinge: Wollt ihr euern Vater auch sehen? – Den Ältesten ergriff ein Grauen, und er verneinte die Frage, der Jüngere aber besaß mehr Herzhaftigkeit und verlangte nach des Vaters Anblick. Da winkte das Weib den dunkeln Männernund diese hießen den Jüngling ihnen folgenNach einer Weile kamen sie an ein schönes Haus, und in einem Gemach desselben sah der Jüngling seinen Vaterganz so gekleidet, wie er von Hause hinweggeritten war, auch fast von solchem Aussehen, nur lag auf seinem Gesicht der Ausdruck eines namenlosen Leidens. Wie geht es Euch, Vater? fragte der Jüngling. Ist Euch wohl oder wehe? – Der Vater seufzte und sprach: Sohnich habe um irdisches Gut Gott entsagt und seinem Anteil an mir und habe dem Teufel Leib und Seele zu eigen gegeben. Tut euch beide ab eures ererbten Gutes, denn es würde dessen Nutzung euch schaden und euch der gleichen Pein überliefern, die ich dulde– Leidet Ihr PeinVater? fragte der SohnIch sehe doch nichts von einer Flamme! – Rühre an mich mit der Spitze deines kleinen FingersSohn! antwortete der Vaterzucke aber schnell wieder hinwegDa tat das der Jüngling und rührte seinen Vater nur so lange anals ein Blitz zucktund verbrannte sich alsbald den Finger und die Hand und den Arm bis zum Ellenbogen und empfand den allerglühendsten SchmerzVoll Entsetzen rief er nun: O armerarmer Vater! Können wir nichts für Euch tundas Euch fromme und helfe? – In Ewigkeit nichtssagte der Vaterals daß ihr euch des Höllengutes abtut. – Da nahm der Jüngling trauernd Urlaub von seinem Vaterund die Männer brachten ihn zurück zu dem Hexenweibedem zeigte er den verbrannten Armund wer ihn sonst sehen wollte, und gab alles vom Vater ererbte Gut nebst seinem Bruder an ein Klosterdas nahm es willig an, und schadete ihm mitnichten etwas, die Brüder aber sind Mönche geworden und haben ihr ganzes Leben hingebrachtfür ihres Vaters Erlösung aus der Flammenpein zu beten.
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-Lurlei ist die Rhein-Undine. Wer sie sieht, wer ihr Lied hörtdem wird das Herz aus dem Busen gezogenHoch oben auf ihres Felsen höchster Spitze steht sieim weißen Kleidemit fliegendem Schleiermit wehendem Haar, mit winkenden ArmenKeiner aber kommt ihr nahewenn auch einer den Felsgipfel erstiegesie weicht vor ihm – sie schwebt zurück, sie lockt ihn durch ihre zaubervolle Schönheit – bis an des Abgrunds jähen Rand, er sieht nur sieer glaubt sie vor sich auf festem Bodenschreitet vor und stürzt zerschmetternd in die Tiefe. +
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-Eine Sage von heitrerer Färbung als alle die andern, die, wenn sie sich auch sonst nicht gleichendoch in der melancholischen Färbung und dem trüben Ausgang einander ähnlich sindist diese. Einst schiffte auch der Teufel auf dem Rhein und kam zwischen die Lurleifelsen; der Paß schien ihm zu enge, er wollte ihn weit haben und den gegenüberliegenden Felsenkoloß entweder von der Stelle rücken oder in solche Brocken brechendaß sie den Strom ganz sperren und unschiffbar machen sollten; da stemmte er nun seinen Rücken an den Lurleifels und hob und schob und rüttelte am Berge gegenüber. Schon begann dieser zu wankenda sang die LurleiDer Teufel hörte den Gesangund es wurde ihm seltsam zumuteEr hielt inne mit seiner Arbeit und hielt es fast nicht länger aus. Gern hätte er sich selbst die Lurlei zum Liebchen erkoren und geholtaber er hatte keine Macht über siewurde aber von Liebe so heiß, daß er dampfteAls der Lurlei Lied schwiegeilte der Teufel von dannen; er hatte schon gedachtan den Fels gebannt bleiben zu müssenAber als er hinweg warda zeigte sicho Wunderseine ganze Gestaltden Schwanz nicht ausgenommenin die Felswand schwarz eingebranntwomit er sein Andenken bei der Lurlei verewigte. Nachher hat sich der Teufel sehr gehütetder Sirene des Rheins wieder nahe zu kommen, und hat gefürchtetwenn er von ihr abermals gefesselt werdein seinen Geschäften große Unordnung und Unterbrechung zu erleiden. +
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-Die Lurlei aber singt immer noch in stillen ruhigen Mondnächtenerscheint immer noch auf dem Felsengipfel, harrt immer noch auf Erlösung. Aber die Liebenden, die sich von ihr betören ließensind ausgestorben; die heutige Welt hat keine Zeit, ihren Fels zu besteigen oder im Nachen sich in Mondnächten diesem zu nahen. Der Räderumschwung des raschen Dampfschiffes braust ohne Aufenthalt vorüber, und durch sein Rauschen dringt keine Sang- und Sagenstimme mehr.+
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 81-82// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, Seite 74-75// 
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535464|www.zeno.org]]//+  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535375|www.zeno.org]]//
  
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