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sagen:dsbb0085

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-====== Die sieben Schwestern ======+====== Metz versagt den Tanz ======
  
-Am Rhein unterhalb dem Pfalzgrafenstein steht eine hochragende BurgtrümmerSchloß Schönberg. Darauf sollen sieben so schöne Ritterfräulein gewohnt habendaß ihre Schönheit selbst dem Schlossedarinnen sie hausten, den Namen liehAber die Fräuleinwelches sieben Schwestern warenso groß ihre Schönheit warso kalt und gefühllos waren sie gegen die Minne. Keines Ritters Bewerbung erhörten sie, einen Freier nach dem andern wiesen sie abmanches junge edle Herz brach an den Felsenherzen der sieben schönen SchwesternAber das Geschick beschloß ihre StrafeEines Tages landete ein Nachen unten am Fuße des Bergesdarinnen sieben herrliche Jünglinge saßen, in ritterlicher Tracht und von vornehmem Gebaren. Sie kamen zur Burg, sie stellten sich den Fräulein darsie warben um Herzen und Hände. Es war vergebens, die sieben Schwestern blieben kaltMit einem Male verdunkelte sich der Himmel, eine höllische Musik ertönte, die Jünglinge umschlangen die sieben Schwesternjeder einewie zum Tanzreigen, und schwangen sie tanzend und drehend aus der Burgüber die Zugbrücke, den Berg hinab in den Strom hinein, der stürmisch unter Donnern und Blitzen wogte– Als es wieder hell und friedlich am reizen den Stromesufer geworden warsiehe, da ragten sieben Felsenspitzen aus dem Strome, in diese waren die Jungfrauen mit den Felsenherzen zur Strafe ihrer unnatürlichen Härte verwandelt. Größere Flut überwogt siekleinere läßt sie sichtbar werden. Die Rheinschiffer kennen sie unter dem Namen der sieben Jungfern und haben unter sich die SageWenn einst ein Mächtiger diese Felsen dem Strombette enthübe und sie zu Säulen einer Betkapelle am Ufer bildeso würden die Jungfrauen erlöst werdenwieder auf die sich erneuende Burg zurückkehren und jede nach der jahrhundertelangen harten Buße einen Mann beglücken.+Das alte Metzwelches Frankreichgleich den früher deutschen Städten ToulVerdun und Straßburg, Deutschland abgedrungen hatleitet schon von den Römerzeiten seinen Ursprung und Aufbau herEin Feldherr Julius Cäsars, Marius Metius, habe die Stadtwelche Cäsar hartnäckig widerstandeneinnehmen müssen, und habe sie verheert, dann aber herrlich wieder aufgebaut, nach seinem Namen Metia genannt, auch neunzehn Jahre daselbst regiert, auch einen Rat aus dreizehn Stadtältesten eingesetzt, der lange bestanden habe. 
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 +Zur Zeit Kaiser Karls Vsandte König Heinrich II. von Frankreich den Connetable Annas Montmorency vor diese deutsche Reichsstadt, der versprach ihr völligen Schutz, wenn sie nur ein einziges Fähnlein französisches Kriegsvolkdarunter man einen kleinen Heerhaufen, etwa was heute eine Kompagnie besagt, verstand, einnehmen wollte. Dies bewilligte der Rat der Stadt Metz, und es zogen nicht minder denn dreitausend Franzosen, allerdings nur mit einem einzigen Fähnlein, in die Stadt und nahmen sie ohne Schwertschlag für ihren König in Besitzbefestigten die Stadt auf das beste und versahen sie mit Mundvorräten aller Art. Als nun im darauffolgenden Jahre Kaiser Karl V. mit einem Kriegsheere kam, Metz den Franzosen wieder abzunehmenglückte ihm das nicht, obschon er mit siebenzigtausend Mann davorlag und vierzig Tage und Nächte lang die Stadt so heftig beschießen ließdaß es gleichsam Kugeln regnete und die ganze Gegend von dem Pulverdampfe fort und fort wie in einen starken Nebel gehüllt bliebBis nach Straßburg hin ward der Donner des Geschützes gehört. Der tapfere Verteidiger von Metz war der Herzog von Guisewelcher dem Kaiser viel Volk zuschanden machte. Dazu halfen noch Hunger, Seuchen und Kälte gegen Karl V. streiten, und es sind damals vor Metz dreißigtausend Mann geblieben. Endlich brachte noch eine Kriegslist den Kaiser zum Abzug. Der Herzog, welcher fürchtete, die Stadt auf die Länge dennoch nicht halten zu könnenzumal sie an ihrer schwächsten Seite angegriffen warschrieb einen Brief an seinen König des Inhaltesdaß die Belagerung ganz fruchtlos und gefahrlos sei, zumal Karl sie an der stärkstbefestigten Seite am meisten angegriffen habe. Diesen Brief mußte ein scheinbar ungeschickter Bote durch das feindliche Lager tragensich fangen lassenund nun gelangte der Brief vor Karls Augen. Dieser ließ sich wirklich betören, hielt den Brief für wahrzog die Streitkräfte von der schwachen Seite zurück, griff an anderen sehr gut befestigten Stellen an, verlor die bereits errungenen Vorteile und mußte endlich nach dem Verlust von fast der Hälfte seines Heeres die Belagerung aufgebenDa fehlte es nicht an Hohn und Spottder sich reichlich über Karl in allen deutschen Landen ergoßund da es ihm vor Magdeburg auch fast in gleicher Weise ergangen warso lief gar bald der Spottreim von Munde zu Munde: 
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 +Eine Metze und eine Magd\\ 
 +Haben Karln den Tanz versagt.\\ 
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 +Dieses und noch anderes Leid soll sich der Kaiser so zu Gemüte genommen habendaß er drei Jahre später der Regierung ganz entsagte und 1586 als Mönch in das Kloster St. Just in Spanien tratwo er Uhren baute. In diesem selben Jahre geschah es, daß Metz, Toul und Verdun – Virdung zu deutsch – durch den Vertrag und Friedensschluß zu Cambray von Deutschland völlig abgetreten und unter den Schutz der Krone Frankreichs gestellt wurden.
  
 //Quellen:// //Quellen://
-  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, S. 81// +  * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930, Seite 73-74//
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004535456|www.zeno.org]]//+
  
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