sagen:dsbb0035
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| ====== Sankt Ottilia ====== | ====== Sankt Ottilia ====== | ||
| - | Es saß auf Hohenburg ein stolzer Graf, Herr Attich geheißen, dessen Frau gebar ihm ein Mägdlein, und das war blind. Darob ergrimmte Herr Attich und schrie: ein blindes Kind will ich nicht, fort mit dem Wurme und schlagt ihm den Schädel an einem Felsen ein! und tobte fort, die Mutter aber sandte alsbald die Amme in Begleitung treuer Knechte mit dem blinden Kinde weit, weit von dannen, gen Palma, das liegt jenseit der Alpenberge in Friaul, dort war ein Frauenmünster und dorthin ward Herrn Attichs Töchterlein gebracht. Im Baierlande aber war ein Bischof mit Namen Erhardus, der hörte im Traume eine Stimme: mache dich auf gen Palma in das Stift, dort findest du ein blindes Mägdelein, das sollst du taufen und Ottilia heißen. Erhardus folgte ohne Weilen der Stimme des Herrn, so er im Traume vernommen, zog gen Palma in das Stift und fand das Kind, und taufte es und segnete es, und siehe, da gingen über der Taufe dem Kinde die Augen auf, und ward sehend. Und Ottilia blieb im Frauenmünster zu Palma, erwuchs darinnen züchtiglich, | + | Es saß auf Hohenburg ein stolzer Graf, Herr Attich geheißen, dessen Frau gebar ihm ein Mägdlein, und das war blind. Darob ergrimmte Herr Attich und schrie: ein blindes Kind will ich nicht, fort mit dem Wurme und schlagt ihm den Schädel an einem Felsen ein! und tobte fort, die Mutter aber sandte alsbald die Amme in Begleitung treuer Knechte mit dem blinden Kinde weit, weit von dannen, gen Palma, das liegt jenseit der Alpenberge in Friaul, dort war ein Frauenmünster und dorthin ward Herrn Attichs Töchterlein gebracht. Im Baierlande aber war ein Bischof mit Namen Erhardus, der hörte im Traume eine Stimme: mache dich auf gen Palma in das Stift, dort findest du ein blindes Mägdelein, das sollst du taufen und [[vip: |
| Nun begann Herr Attich, aufs Neue in sich zu gehen, seufzte nach der Tochter, blieb an der Quelle und rief dem starren Fels das Gelübde zu, wenn Ottilia wieder zu ihm komme, so wolle er an diesen Ort eine Kapelle bauen, und aus seiner Burg ein Kloster, und das mit reichem Gut begaben. Solches alles geschah, und der Brunnen aus dem Fels ward der Ottilienbrunnen geheißen, und übte wundersame Kraft an kranken Augen. Ottilia aber wurde Aebtissin des neuen Klosters, pflegte und heilte Kranke, ward ein Schutzengel des ganzes Gaues, ließ an den Bergesfuß noch ein Kloster, Niedermünster, | Nun begann Herr Attich, aufs Neue in sich zu gehen, seufzte nach der Tochter, blieb an der Quelle und rief dem starren Fels das Gelübde zu, wenn Ottilia wieder zu ihm komme, so wolle er an diesen Ort eine Kapelle bauen, und aus seiner Burg ein Kloster, und das mit reichem Gut begaben. Solches alles geschah, und der Brunnen aus dem Fels ward der Ottilienbrunnen geheißen, und übte wundersame Kraft an kranken Augen. Ottilia aber wurde Aebtissin des neuen Klosters, pflegte und heilte Kranke, ward ein Schutzengel des ganzes Gaues, ließ an den Bergesfuß noch ein Kloster, Niedermünster, | ||
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