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sagen:dsbb0010

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-====== Die Bergmanndli schützen Heerden und Fische ======+====== Der Pilatus und die Herdmanndli ======
  
-Die Bergzwerge schätzen und lieben die Gemsen, sie wollen nicht, daß die Jäger sie tödten, und manchem Alpenjäger ist es deshalb schon gar schlecht ergangen. Guten Jägerndenen sie wohl wolltenhaben sie wohl auch das eine und das andre Stück z'weg gestelltder durft' aber denn bei Leib und Leben nit mehr schießen, als mit den Bergmanndli veraccordirt war, sonst schmissen sie ihn die Felsen hinunter und bließen ihm das Lebenslicht aus elendiglich. Da war einmal ein Gemsjägerder verstieg sich hoch in die Felsen, auf einmal stand ein eisgraues Bergmanndli vor ihm da, und sprach ihn zornig anwas verfolgst du meine Heerde? – Der Jäger war ganz erschrocken und sprachhab' ich doch nit gewußt, daß die Gemsen dein sind. – +In der ganzen [[land:Schweiz]]im Berner und Luzerner Landim Haslithal, und fast allenthalben gehen Sagen von Zwergen und Berggeisterndie sich vielfach ähnlich sind. Absonderlich viel Redens ist von dem hohen Berge Pilatus und den Zwergendie sonst in seinem Geklüft wohnten, die heißen [[wesen:Herdmanndli]]. Der [[region:bergpilatus|Pilatus]] das ist der rechte und wahre Broch- oder Brockenberg der Schweizauf wälsch Frarmont (mons fractus) geheißen, auf lateinisch aber mons pileatusHut-Bergweil im Land die bekannte Rede geht:
-Sprach der Berggeist: du sollst jede Woche vor deiner Hütte ein Gratthier finden, aber du hütest dich und schießest mir kein andres. – So geschah's, der Jäger fand alle Wochen den frischen Bratender macht' ihm aber gar keine Freud', er konnte die Jagdluft nicht bezwingen, stieg wieder hinauf zu Berg und Holz, ward auch bald eines Gemsen-Leitbocks ansichtig, auf den legte er rasch an, zielte und schoß – aber wie er losdrücktehob sich hinter ihm der Berggeist aus dem Bodenund zog ihm die Haxen unterm Leib weg, daß er niederstürzte, und in den Abgrund hinunter schmetterte.+
  
-In Malters saß ein Untervogt, der hieß Hans Bucher, der wollt auch gern einmal ein Herdmanndli sehen; war gar ein eifriger Fischer und Jäger, aber sonst ein frommer Mann, stieg eines Tages hinauf am Pilatus, folgte dem Rümligbach und wollte gern Forellen fangen, da sprang ihm jählings ein Herdmanndli hinterwärts auf den Rücken und drückte ihn mit solcher Gewalt mit dem Gesicht in den Bach nieder, daß er schier vermeinte, er müsse versaufen. Dabei sagte das Herdmanndli zürnend: ich will dir wohl lehren, meine Thierlein fangen und jagen. – Als der Untervogt nach Hause kam, war er halb todt und sah im Gesicht aus, wie der Tod von Ypern; war auch auf der einen Seite erlahmt, und kam nimmermehr auf den Berg zu jagen oder zu fischen.+Hat der Pilatus einen Hut\\ 
 +So steht im Land das Wetter gut.\\
  
-In Obwalden war ein alter Landammann, der hieß Heinrich Immlin, der hat selbst erzähltwie er einmal zum Pilatus hinangestiegen auf die Gemsjagdda begegnete ihm ein Zwergmanndli, und heischte (= verlangtesk)er solle flugs umkehrenNun ist der Landammann ein starker stattlicher Mann gewesender spottete des Zwergs und sagteHedu wirst wohl große Macht habenmir was zu wehren! – Kaum gesagtso sprang ihn der Zwerg andrückt' ihn an einen Felsenschwer wie ein Pferd, daß ihm schier die Seele ausfuhr, und die Sinne ihm vergingenLag da eine halbe Stunde für todtbis die Seinen ihn fandenerquickten und heimführten.+Aber es geht die Sagedaß nach Christi unseres Herrn Leiden, Tod und Auferstehung der römische Landpfleger Pilatus in dieses Land gezogen seioder gar, daß der Satan seinen Leichnam hergetragenund da habe er am Berge den ungeheuerlichen See gefunden, der hat weder Zu- noch Abfluß, und ist wegen der unergründlichen Tiefe schwarz und gräßlich anzusehen, ein unheimlicher Moorgrund. 
 + 
 +Lange hat die Sage gelebtdaß wer etwas in den See werfe, alsbald ein heftiges Unwetter mit Hagel und Wolkenbrüchen erregewie auch das Gewässer den Krienser Boden und [[geo:Luzern]]die Stadtin den Jahren 1332 und 1475 in große Noth gebracht, darum hat man Fremde nicht gern hinzugelassen, und das Hineinwerfen von Steinen oder Holz bei Leib- und Lebensstrafe verbotenIn diesen See habe sich der römische Landpfleger gestürztweil sein Gewissen ihn fort und fort gepeinigt, andere sagen, der [[wesen:Teufel]] habe ihn hinein gesteckt. Die Herdmanndlidie wohnten vielfach in der Pilatus-Höhledie hoch oben liegttief und schaurig. Sie waren den Menschen gar gut und hülfreich, gar „gespässige Lüeth" wie die Hirten sagen, sie verrichteten Nachts der Menschen Arbeit; kamen vom Berg auch herunter in die Thälerschafften und ackerten redlich, und ein Herdmanndli konnte mehr verrichten, als zehn Meister mit allen Knechten. Aber sehen ließen sich die Manndli wunderselten, und auch da hatten sie lange graue Kutten an, die bis auf die Erde reichten, daß man nimmer ihre Füße sah. einem Hirten begegnete es, daß er einen reichtragenden Kirschbaum oben am Berge hattedem pflückten die geschäftigen Zweiglein die Kirschen ab und brachten sie zum Trocknen auf die Hürten, daß hernach gutes Kirschwasser gebrannt werden konnte, der Hirt war daber neugierig, zumal mocht' er gern die Füße der Herdmanndli sehenwar her und streute Asche rings um den Baum, als die Früchte im nächsten Jahre wieder reiftenDie Herdmanndli kamenpflückten redlich die Kirschen ab, und am Morgen sah der Hirt ihrer Füßlein Spur in der Asche. Es waren eitel kleine Gänsefüße. Der Hirte lachte, und sagt' es freudig seinen Genossen an, daß er nun wisse was für Füße die Herdmanndli haben. Die Zwerge ergrimmten, zerbrachen des Hirten Dach und Fach, versprengten seine Heerde, zerknickten dem Kirschbaum Ast um Ast, und ihrer keines kam jemals wieder herunter, den Menschen hülfreich zu sein. Sie blieben droben in ihrer tiefen Höhle und in ihrem Geklüft wohnen. Der Hirte aber wurde ganz tiefsinnig, schlich bleich umher, und hat nicht lange gelebt
  
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