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sagen:dsbb0009

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 ====== Ida von der Toggenburg ====== ====== Ida von der Toggenburg ======
  
-Rheinaufwärts vom [[region:Bodensee]] liegt die Toggenburg, der nach ihr genannten Grafen uralter Stammsitz. Darinnen wohnte eine fromme Gräfin, Ida geheißen, aus dem Stamme derer von Kirchberg. Da geschah es eines Tages, daß sie ihren Brautring in das offne [[typ:Fenster]] legte, und die Sonne darauf schien, daß er hell blitzte. Ein [[typ:Rabe]] sah den [[typ:Ring]], schoß daher, erfaßte ihn mit seinem Schnabel, und trug ihn fort in sein [[typ:Nest]]. Wohl vermißte die Gräfin ihren Ring, doch fürchtete sie ihres heftigen Gemahls [[typ:Zorn]], wenn sie den Verlust ihm melde, und daher schwieg sie. Nach einiger Zeit fand ein [[typ:Jäger]] oder sonst ein [[typ:Diener]] im Walde des Raben Nest, und in dem Nest den Ring der Herrin, ohne daß er wußte, wem der Ring gehörte, steckte ihn an seinen Finger und trug ihn sonder Scheu. Da sah und erkannte der Graf seiner Gemahlin Ring, den er ihr selbst gegeben, am Finger des Knechts, glaubte sie [[typ:untreu|treulos]], ließ alsbald den unschuldigen jungen Gesellen am Schweif eines wilden Pferdes den felsigen Burgweg hinab [[vip:zutodeschleifen|zu Tode schleifen]], und warf die ebenso unschuldige Gemahlin vom Söller des Palas hinab in den waldigen Felsenabgrund. Aber [[typ:Engel]] schirmten die Unschuld; sanft sank Ida von unsichtbaren Händen getragen, durch schützendes Gezweig auf weiches Moos. Inbrünstig dankte sie den Heiligen für ihre wunderbare [[typ:Rettung]] und wandelte weit von der Burg hinweg in eine unwegsame Wildniß. Dort erbaute sie sich eine Hütte von Gezweig, und lebte als [[typ:einsiedler|Einsiedlerin]] nur dem [[typ:Gebet]] und der Andacht. Wasser war ihr Getränk, Waldbeeren und Wurzeln waren ihre Nahrung. Bald darauf sagte ein Diener dem Grafen von seines Mitgesellen Ringfund im Rabennest. und nun lastete seine That schwer auf des Grafen Seele. Einstmals verirrte sich unversehens ein Jäger des Grafen in diese Waldeinöde, und fand die Einsame. Schnell trug er diese Kunde zu seinem Herrn, der längst jene übereilte That eines doppelten [[typ:mord|Mords]] ohne Verhör und Richterspruch bereute, und der Graf eilte zu der Einsiedlerin, wollte sie wieder hinauf in sein Schloß führen, und erflehte ihre Vergebung.+Rheinaufwärts vom [[region:Bodensee]] liegt die Toggenburg, der nach ihr genannten Grafen uralter Stammsitz. Darinnen wohnte eine fromme Gräfin, Ida geheißen, aus dem Stamme derer von Kirchberg. Da geschah es eines Tages, daß sie ihren Brautring in das offne Fenster legte, und die Sonne darauf schien, daß er hell blitzte. Ein Rabe sah den Ring, schoß daher, erfaßte ihn mit seinem Schnabel, und trug ihn fort in sein Nest. Wohl vermißte die Gräfin ihren Ring, doch fürchtete sie ihres heftigen Gemahls Zorn, wenn sie den Verlust ihm melde, und daher schwieg sie. Nach einiger Zeit fand ein Jäger oder sonst ein Diener im Walde des Raben Nest, und in dem Nest den Ring der Herrin, ohne daß er wußte, wem der Ring gehörte, steckte ihn an seinen Finger und trug ihn sonder Scheu. Da sah und erkannte der Graf seiner Gemahlin Ring, den er ihr selbst gegeben, am Finger des Knechts, glaubte sie treulos, ließ alsbald den unschuldigen jungen Gesellen am Schweif eines wilden Pferdes den felsigen Burgweg hinab zu Tode schleifen, und warf die ebenso unschuldige Gemahlin vom Söller des Palas hinab in den waldigen Felsenabgrund. Aber [[wesen:Engel]] schirmten die Unschuld; sanft sank Ida von unsichtbaren Händen getragen, durch schützendes Gezweig auf weiches Moos. Inbrünstig dankte sie den Heiligen für ihre wunderbare Rettung und wandelte weit von der Burg hinweg in eine unwegsame Wildniß. Dort erbaute sie sich eine Hütte von Gezweig, und lebte als Einsiedlerin nur dem Gebet und der Andacht. Wasser war ihr Getränk, Waldbeeren und Wurzeln waren ihre Nahrung. Bald darauf sagte ein Diener dem Grafen von seines Mitgesellen Ringfund im Rabennest. und nun lastete seine That schwer auf des Grafen Seele. Einstmals verirrte sich unversehens ein Jäger des Grafen in diese Waldeinöde, und fand die Einsame. Schnell trug er diese Kunde zu seinem Herrn, der längst jene übereilte That eines doppelten Mords ohne Verhör und Richterspruch bereute, und der Graf eilte zu der Einsiedlerin, wollte sie wieder hinauf in sein Schloß führen, und erflehte ihre Vergebung.
  
-Aber Ida ließ sich nimmer bewegen. Der Graf von Toggenburg nahm das [[typ:Kreuz]], entbot seine Dienstmannen rings im [[land:schweiz|Schweizerlande]], und zog mit ihnen, zur Büßung und Entsühnung seiner That, nach dem heiligen Lande, dort gegen die Ungläubigen zu fechten. Dort kämpfte er mit in großen Schlachten, und machte seinen Namen gefürchtet – aber es zog ihn die mächtige Sehnsucht im Busen immer wieder nach der Heimath zurück; immer noch hoffte er, Ida werde sich wieder mit ihm einigen, denn nie hatte er sie mehr geliebt, als seit er sie wieder gefunden. Und nach einem Jahre schiffte er wieder der Heimath zu. Aber da er nach Ida fragte, ward ihm die Kunde, daß sie im Kloster Fischingen den Schleier genommen, und dort lebe, still und heilig. Da that der Graf sich allen ritterlichen Geschmuckes ab, hing Wehr und Waffen in seine Kapelle, und pilgerte hinab gen Fischingen als armer [[typ:Einsiedler]], erkor sich einen Platz in der Nähe des Klosters, darin lebte, büßte und betete der Graf, bis er [[typ:sterben|starb]]+Aber Ida ließ sich nimmer bewegen. Der Graf von Toggenburg nahm das Kreuz, entbot seine Dienstmannen rings im [[land:schweiz|Schweizerlande]], und zog mit ihnen, zur Büßung und Entsühnung seiner That, nach dem heiligen Lande, dort gegen die Ungläubigen zu fechten. Dort kämpfte er mit in großen Schlachten, und machte seinen Namen gefürchtet – aber es zog ihn die mächtige Sehnsucht im Busen immer wieder nach der Heimath zurück; immer noch hoffte er, Ida werde sich wieder mit ihm einigen, denn nie hatte er sie mehr geliebt, als seit er sie wieder gefunden. Und nach einem Jahre schiffte er wieder der Heimath zu. Aber da er nach Ida fragte, ward ihm die Kunde, daß sie im Kloster Fischingen den Schleier genommen, und dort lebe, still und heilig. Da that der Graf sich allen ritterlichen Geschmuckes ab, hing Wehr und Waffen in seine Kapelle, und pilgerte hinab gen Fischingen als armer Einsiedler, erkor sich einen Platz in der Nähe des Klosters, darin lebte, büßte und betete der Graf, bis er starb. 
  
 //Quellen:// //Quellen://
   * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930//   * //[[autor:bechstein|Ludwig Bechstein]]: [[buch:deutsches_sagenbuch_ludwig_bechstein|Deutsches Sagenbuch]]. Meersburg und Leipzig 1930//
-  * //[[http://www.zeno.org/nid/20004534603|www.zeno.org]]// 
  
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