sagen:die_pferdefalle_bei_oderin
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| - | Die Pferdefalle bei Oderin | + | |
| - | Früher als noch Zigeuner so frei umher laufen durften und immer Töpfe flickten und | + | |
| - | wahrsagten und Kinder stehlen taten, da hatten sie auch eine Kunst, mit der konnten | + | |
| - | sie die Pferde aus heiler Haut lahm machen. Und da setzten sie sich gern an die | + | |
| - | Landstraße und paßten auf die Bauern, die zu Markte fuhren. | + | |
| - | Einmal saß eine Zigeunersche an der Straße, die von dem Weinberg nach Oderin | + | |
| - | reingeht und wollte passen, ob nicht einer käme, dem sie das Pferd lahm machen | + | |
| - | konnte. Das sagten die Leute Pferdefalle zu. | + | |
| - | Und es kam auch einer, der wollte zu Markte nach Wendisch-Buchholz und war aus | + | |
| - | Golßen. Er war schon die ganze Nacht gefahren und sollte in Oderin noch was | + | |
| - | bestellen. Es fing gerade erst an helle zu werden. Der Mann war noch im Schlafe | + | |
| - | und wie es den Weg hinunter ging, stolperte das Pferd und stand still. Nun stieg er | + | |
| - | ab und sah nach,ob das Pferd sich was in den Huf getreten hätte. Es hatte nichts, | + | |
| - | aber es hinkte so sehr, daß er nicht weiter fahren konnte. | + | |
| - | Wie er noch so stand und sich umsah,sah er eine Frau am Wege sitzen. Er sagte | + | |
| - | zu ihr: „Sie haben wohl mein Pferd verhext?“ Sie aber redete erst auf zigeunerisch. | + | |
| - | Dann sagte sie in deutscher Sprache, ihr Mann hätte sie geschlagen und fortgejagt. | + | |
| - | Der von Golßen mußte nun das Pferd ausspannen und nach Oderin reinführen. Den | + | |
| - | Wagen brachte ihm ein Knecht mit nach dem Gasthofe. Der Knecht kam gerade | + | |
| - | dazu, als der von Golßen ausspannte. | + | |
| - | Im Gasthofe erzählte der Mann den ganzen Vorfall. Da sagte der Wirt gleich, was | + | |
| - | das für eine Frau wäre und er sollte sie nur holen und ihr Schnaps und zu rauchen | + | |
| - | geben. Dann würde das Pferd wieder laufen können. Der Mann tat es. Und als er mit | + | |
| - | der Frau in den Stall kam, machte das Pferd wieder einen Stolper wie auf dem Wege | + | |
| - | und dann war es wieder ganz hergestellt. Er konnte gleich wieder einspannen und | + | |
| - | führ weiter nach Wendisch-Buchholz und kam noch zurecht zum Markte. | + | |
| - | //Quelle: E.H.Wusch: Sagen meiner Heimat, eine Sammlung mündlich übertragener Sagen der Niederlausitz// | + | |
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