sagen:die_nacht_auf_dem_galgen
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| Und daran tat er gut; denn wie sie die nächsten Bäume hinter sich hatten, blitzte dem Kerl ein langes Meier in der Hand, welches er auf ihn zustieß, indem er rief: „Dein Geld!“ Das war, nach der langen Vorbereitung, | Und daran tat er gut; denn wie sie die nächsten Bäume hinter sich hatten, blitzte dem Kerl ein langes Meier in der Hand, welches er auf ihn zustieß, indem er rief: „Dein Geld!“ Das war, nach der langen Vorbereitung, | ||
| - | Da sprang er durch das Gebüsch, hastete seitwärts und stand nach einigem Gestolper über Wurzeln und Stümpfe am Rand einer Lichtung vor dem [[typ: | + | Da sprang er durch das Gebüsch, hastete seitwärts und stand nach einigem Gestolper über Wurzeln und Stümpfe am Rand einer Lichtung vor dem Galgen seiner Stadt daran drei Gehenkte langsam hin und her baumelten, war also bei seiner Flucht wieder unter die Räuber geraten. Aber die ließen die Köpfe hängen, kümmerten sich weder um das Eulenvolk, das der schnelle Schritt von ihren Schultern scheuchte, noch um den Mann, der bei ihnen Zuflucht suchte. Weil der im gleichen Augenblick hinter ihm Hundegebell und fremdes Stimmengewirr hörte, packte er, kurz entschlossen, |
| Zwar stieg ihm von den unheimlichen Gesellen, deren zerfetzte Kleider am Leibe flatterten, stark genug Moderluft hoch, und das Nachtgevögel, | Zwar stieg ihm von den unheimlichen Gesellen, deren zerfetzte Kleider am Leibe flatterten, stark genug Moderluft hoch, und das Nachtgevögel, | ||
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| Aber der andere, den die Rache peitschte, wollte die Warnung nicht hören und kletterte den einen der stehenden Balken hinauf, indes der ungewisse Mond Schatten über die Lichtung warf und der Hund immer toller bellte. Wie er schon halben Weges war, gelang es dem Zülpicher, dem die neue Not den alten Schalk wieder weckte, den Strick zu fassen, der neben dem Kletternden ding. So gewandt und schnell bewegte er ihn bin und her, dass der Gehenkte sich drehte und mit kalter Hand den Spitzbuben ins heiße Gesicht traf. | Aber der andere, den die Rache peitschte, wollte die Warnung nicht hören und kletterte den einen der stehenden Balken hinauf, indes der ungewisse Mond Schatten über die Lichtung warf und der Hund immer toller bellte. Wie er schon halben Weges war, gelang es dem Zülpicher, dem die neue Not den alten Schalk wieder weckte, den Strick zu fassen, der neben dem Kletternden ding. So gewandt und schnell bewegte er ihn bin und her, dass der Gehenkte sich drehte und mit kalter Hand den Spitzbuben ins heiße Gesicht traf. | ||
| - | Und der Schlag packte ihn schlimmer als der erste dieser Nacht; denn er glaubte, der Tote verbitte sich die Störung der Ruhe und wollte ihn zu sich nehmen ins dunkle Reich der Ewigkeit. Dazu fehlte ihn natürlich die Luft, und so stürzte er denn mit heiserm Schrei hinunter, dem [[typ:hund|Hunde]] auf den Schwanz, sprang jedoch gleich wieder hoch und rannte hinter dem kläffenden Vieh ins Gebüsch, bevor seine Genossen, die der Schreck lähmte, wussten, was geschah. Erst als der Zülpicher, dem der Tote noch immer bedrohlich aus der Hand hing, tief und feierlich von seiner Höhe rief, verflucht sei, wer Verstorbene störe, rannten auch sie, gesträubten Haares, davon. | + | Und der Schlag packte ihn schlimmer als der erste dieser Nacht; denn er glaubte, der Tote verbitte sich die Störung der Ruhe und wollte ihn zu sich nehmen ins dunkle Reich der Ewigkeit. Dazu fehlte ihn natürlich die Luft, und so stürzte er denn mit heiserm Schrei hinunter, dem Hunde auf den Schwanz, sprang jedoch gleich wieder hoch und rannte hinter dem kläffenden Vieh ins Gebüsch, bevor seine Genossen, die der Schreck lähmte, wussten, was geschah. Erst als der Zülpicher, dem der Tote noch immer bedrohlich aus der Hand hing, tief und feierlich von seiner Höhe rief, verflucht sei, wer Verstorbene störe, rannten auch sie, gesträubten Haares, davon. |
| Wie dann der letzte Lärm im Walde verstummte, ließ er ihn, heimlich lachend, los, blieb aber, weil er fürchtete, das Gesindel käme zurück, bis zum Morgen liegen. Beim ersten Frührot stieg er ab und ging, nebelnass und müde, doch froh des gelungenen Streiches, heim, wo er noch manchmal von der Nacht erzählte, in der es ihm gelang, Galgenvögel mit gerichteten Brüdern zu vertreiben und sich selbst durch einen Toten das Leben zu retten. | Wie dann der letzte Lärm im Walde verstummte, ließ er ihn, heimlich lachend, los, blieb aber, weil er fürchtete, das Gesindel käme zurück, bis zum Morgen liegen. Beim ersten Frührot stieg er ab und ging, nebelnass und müde, doch froh des gelungenen Streiches, heim, wo er noch manchmal von der Nacht erzählte, in der es ihm gelang, Galgenvögel mit gerichteten Brüdern zu vertreiben und sich selbst durch einen Toten das Leben zu retten. | ||
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| - | (Sage des Monats Juli 2020) | ||
| //Quelle: Heimatblätter - Beilage der Dürener Zeitung, 2. Jahrgang, Ausgabe 2 vom 23.01.1925// | //Quelle: Heimatblätter - Beilage der Dürener Zeitung, 2. Jahrgang, Ausgabe 2 vom 23.01.1925// | ||
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