sagen:die_muellerin
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| - | Die Müllerin. | ||
| - | Mündlich, aus Oestreich und nach einem fliegenden Blatt. | ||
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| - | Zwischen Ems und Wels in Oestreich auf einer einsamen Mühle lebte ein Müller, der war an einem Sonntag Morgen, nach üblicher Weise, mit allen seinen Knechten in die Kirche gegangen und nur seine Frau, die ihre Niederkunft bald erwartete, daheim geblieben. Als die Müllerin so allein saß, kam die Hebamme, gleichsam zum Besuch, zu sehen, wie es mit ihr stehe. Die Müllerin war ihr freundlich, trug etwas auf und sie setzten sich zusammen an den Tisch. Während sie aßen, ließ die Hebamme das Messer fallen und sprach: „hebt mir einmal das Messer auf!“ „Ei! antwortete die Müllerin, ihr redet wunderlich, ihr wißt doch, daß mir das Bücken saurer wird, als euch,“ doch ließ sie’s hingehen, hob das Messer auf, reichte es ihr, und wie sie es reichte, noch im Bücken, faßte die Hebamme das Messer in die Faust, zückte und sprach: „nun gebt mir euer Geld, das baar bei euch liegt, oder ich stech euch die kalte Klinge in die Brust!“ Die Müllerin erschrack, faßte sich aber und sagte: „kommt mit mir hinüber in die Kammer, da liegt im Schrank, was wir haben, und nehmts.“ Die [194] Hebamme folgte ihr, nahm das Geld aus dem Schrank und, weil es ihrer Habsucht nicht genug war, suchte sie noch weiter in andern Gefächern. Diesen Augenblick benutzte die Müllerin, trat schnell hinaus und schloß die Thüre fest zu, und da vor den Fenstern starke eiserne Gitter standen, so war die Hebamme in der Kammer eingefangen. Nun rief die Frau ihr siebenjähriges Söhnlein und sprach: „eil dich und lauf zum Vater in die Kirche, ich bät ihn, eilends mit seinen Knechten heimzukommen, | ||
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| - | Bald darauf kam der Müller mit seinen Knechten heim. Als er die Kammer aufschloß, worin die Hebamme gefangen war, lag sie todt auf der Erde und war vor Angst und Schrecken vom Schlag gerührt. | ||
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| - | Autor: Brüder Grimm | ||
| - | Titel: Die Müllerin | ||
| - | aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 193 - 195 | ||
| - | Auflage: 1. Auflage | ||
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