sagen:die_kegelbahn_in_der_kirche
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| ====== Die Kegelbahn in der Kirche ====== | ====== Die Kegelbahn in der Kirche ====== | ||
| - | In einem Harzdorf hatte eine [[typ:Kirche]] gestanden, die war [[typ: | + | In einem Harzdorf hatte eine Kirche gestanden, die war verwünscht gewesen und hatten schon viele versucht, sie zu erlösen. Jeder aber, der den Versuch gemacht hatte, trug auch einen Klapphandschuh davon. Der eine hatte einen Arm eingebüßt, |
| - | Da kam einmal ein Müllerbursche ins [[typ:Wirtshaus]] daher und bliebt da. Des Abends kamen mehrere aus dem Dorf dahin und sprachen davon, dass in der vergangenen Nacht wieder einer fast den Tod daran gelitten hätte. Er läge jetzt noch ganz besinnungslos, | + | Da kam einmal ein Müllerbursche ins Wirtshaus daher und bliebt da. Des Abends kamen mehrere aus dem Dorf dahin und sprachen davon, dass in der vergangenen Nacht wieder einer fast den Tod daran gelitten hätte. Er läge jetzt noch ganz besinnungslos, |
| »Darf denn da ein jeder hin und die Kirche erlösen? | »Darf denn da ein jeder hin und die Kirche erlösen? | ||
| - | »Jawohl, wer will, kann’s versuchen und sehen, wie er den Rest kriegt. Er muss sich aber erst beim [[typ:Kantor]] hier melden, dass der die Kirche auf- und zuschließt.« | + | »Jawohl, wer will, kann’s versuchen und sehen, wie er den Rest kriegt. Er muss sich aber erst beim Kantor hier melden, dass der die Kirche auf- und zuschließt.« |
| »Nun«, sagte der Müller, »so will ich’s doch auch einmal versuchen, ob ich sie erlösen kann. Wo wohnt denn der Kantor?« | »Nun«, sagte der Müller, »so will ich’s doch auch einmal versuchen, ob ich sie erlösen kann. Wo wohnt denn der Kantor?« | ||
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| »Ach was«, antwortet der, »ich fürchte mich vor dem Teufel nicht, und in der Kirche bin ich ja ohnedem vor dem sicher, denn eine Kirche ist dem Teufel sein Lieblingsort gerade nicht, und wer anderes soll mir nichts anhaben. Ich habe derbe Fäuste und ein paar stramme Arme, in denen allenfalls eiserne Brechstangen statt der Knochen sitzen. Damit nehm ich’s mit jedem auf. Um zehn komm ich und damit gut.« | »Ach was«, antwortet der, »ich fürchte mich vor dem Teufel nicht, und in der Kirche bin ich ja ohnedem vor dem sicher, denn eine Kirche ist dem Teufel sein Lieblingsort gerade nicht, und wer anderes soll mir nichts anhaben. Ich habe derbe Fäuste und ein paar stramme Arme, in denen allenfalls eiserne Brechstangen statt der Knochen sitzen. Damit nehm ich’s mit jedem auf. Um zehn komm ich und damit gut.« | ||
| - | Er ging wieder zum Wirtshaus, | + | Er ging wieder zum Wirtshaus, spielte noch bis halb zehn Solo((Anmerkung Sagenwiki: |
| - | Ei, dachte er, musst doch sehen, was es da gibt. Er ging deshalb heraus und vor den [[typ:Altar]]. Da waren denn eine ganze Menge Leute, alle in Sterbekitteln, | + | Ei, dachte er, musst doch sehen, was es da gibt. Er ging deshalb heraus und vor den Altar. Da waren denn eine ganze Menge Leute, alle in Sterbekitteln, |
| Er sprach, ob sie wohl sahen, dass er’s könnte, und so kegelte er mit. Die anderen ließen es auch zu, und er warf ganz knubsch. | Er sprach, ob sie wohl sahen, dass er’s könnte, und so kegelte er mit. Die anderen ließen es auch zu, und er warf ganz knubsch. | ||
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| Da schlug es zwölf, er wusste gar nicht, wo die Stunde geblieben war. Mit einem Mal war alles weg und alles finster. | Da schlug es zwölf, er wusste gar nicht, wo die Stunde geblieben war. Mit einem Mal war alles weg und alles finster. | ||
| - | Da rief er: »Wo seid ihr denn? Das ist aber keine Ordnung, dass ihr weglauft und bezahlt mich nicht. Ihr seid Betrüger. Das hätte ich wissen sollen. Einer hätte gewiss die [[typ:Butter]] bezahlen sollen.« | + | Da rief er: »Wo seid ihr denn? Das ist aber keine Ordnung, dass ihr weglauft und bezahlt mich nicht. Ihr seid Betrüger. Das hätte ich wissen sollen. Einer hätte gewiss die Butter bezahlen sollen.« |
| Danach musste er sich zum Beichtstuhl hinfuscheln, | Danach musste er sich zum Beichtstuhl hinfuscheln, | ||
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| Die Kegelgesellschaft aber antwortete kein Wort, und so wurde fortgekegelt. Ehe er sich um und aufsah, schlug es wieder zwölf und alle waren wieder fort, die Kirche wieder finster. Und er stand vor dem Altar wie ein Hans Narr, der abermals angeschossen worden war. Voll Grimm und Ärger krappelt er sich wieder zum Beichtstuhl, | Die Kegelgesellschaft aber antwortete kein Wort, und so wurde fortgekegelt. Ehe er sich um und aufsah, schlug es wieder zwölf und alle waren wieder fort, die Kirche wieder finster. Und er stand vor dem Altar wie ein Hans Narr, der abermals angeschossen worden war. Voll Grimm und Ärger krappelt er sich wieder zum Beichtstuhl, | ||
| - | »Ach, dummes Zeug«, sagte der Müller, »ich ärgere mich nur, dass mich die Spitzbuben wieder um die Kegelgroschen betrogen haben. Die nächste Nacht soll’s ihnen aber nicht glücken. Ich habe mir schon was ausgesonnen, | + | »Ach, dummes Zeug«, sagte der Müller, »ich ärgere mich nur, dass mich die Spitzbuben wieder um die Kegelgroschen betrogen haben. Die nächste Nacht soll’s ihnen aber nicht glücken. Ich habe mir schon was ausgesonnen, |
| - | Am Tag besuchte er die umliegenden Mühlen und holte sich seinen Zehrpfennig, | + | Am Tag besuchte er die umliegenden Mühlen und holte sich seinen Zehrpfennig, |
| Diesmal ging’s auch wieder wie die vorigen Abende. Nur fehlte dem einen von der Gesellschaft ein Arm, dem anderen ein Bein, so ging’s Neunen. Einer war dabei, der hatte keinen Kopf. Halt, dachte der Müller, der hat seinen Kopf zur Kegelkugel hergegeben und die anderen der eine ein Bein, der andere einen Arm. Damit sollst du sie anführen. | Diesmal ging’s auch wieder wie die vorigen Abende. Nur fehlte dem einen von der Gesellschaft ein Arm, dem anderen ein Bein, so ging’s Neunen. Einer war dabei, der hatte keinen Kopf. Halt, dachte der Müller, der hat seinen Kopf zur Kegelkugel hergegeben und die anderen der eine ein Bein, der andere einen Arm. Damit sollst du sie anführen. | ||
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| Wie es so gegen zwölf hinkam und es an ihm zu werfen war, dass er eben den Totenkopf hingenommen und in der Hand hatte, da sagte er: »Nun haltet erst einmal. Zweimal habt ihr mich um mein gewonnenes Geld betrogen. Heute kommt’s anders. Ich schmeiße nun nicht eher, bis ihr erst das von gestern und vorgestern bezahlt und auch das von heute, denn ihr seht, ich habe wieder eine schöne Zahl gut.« | Wie es so gegen zwölf hinkam und es an ihm zu werfen war, dass er eben den Totenkopf hingenommen und in der Hand hatte, da sagte er: »Nun haltet erst einmal. Zweimal habt ihr mich um mein gewonnenes Geld betrogen. Heute kommt’s anders. Ich schmeiße nun nicht eher, bis ihr erst das von gestern und vorgestern bezahlt und auch das von heute, denn ihr seht, ich habe wieder eine schöne Zahl gut.« | ||
| - | Wollten sie wohl oder übel, es holte einer einen Geldbeutel unterm Altar vor und zählte ihm eine Menge blanker | + | Wollten sie wohl oder übel, es holte einer einen Geldbeutel unterm Altar vor und zählte ihm eine Menge blanker Taler hin, sodass der Müller dachte: Nun bist du deinem Schaden beigekommen. |
| Als er das Geld beigesteckt hatte, sprach er: »Wir sind aber noch nicht fertig. Jetzt müsst ihr auch die Kirche erst erlösen, dass wieder darin gepredigt werden kann, sonst gebe ich den Totenkopf nicht her. Das erklärt einer von euch dort am Altar, dass ich es und die anderen hören.« | Als er das Geld beigesteckt hatte, sprach er: »Wir sind aber noch nicht fertig. Jetzt müsst ihr auch die Kirche erst erlösen, dass wieder darin gepredigt werden kann, sonst gebe ich den Totenkopf nicht her. Das erklärt einer von euch dort am Altar, dass ich es und die anderen hören.« | ||
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| Er aber sprach trotzig: »Na wird’s bald, es ist gleich um zwölf.« | Er aber sprach trotzig: »Na wird’s bald, es ist gleich um zwölf.« | ||
| - | Es ging also einer an den Altar und sprach mit einer hohlen Geisterstimme: | + | Es ging also einer an den Altar und sprach mit einer hohlen Geisterstimme: |
| - | Da gab der Müller dem, welchem der Kopf gefehlt hatte, den [[typ: | + | Da gab der Müller dem, welchem der Kopf gefehlt hatte, den Totenkopf hin. |
| Der setzte ihn auf und da schlug es zwölf. Alles war verschwunden und der Müller stand wieder im Finstern. Nun ging er wieder in den Beichtstuhl, | Der setzte ihn auf und da schlug es zwölf. Alles war verschwunden und der Müller stand wieder im Finstern. Nun ging er wieder in den Beichtstuhl, | ||
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