Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:die_gruene_jungfer

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:die_gruene_jungfer [2022/10/25 11:51] – angelegt ewuschsagen:die_gruene_jungfer [2025/01/30 17:47] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 1: Zeile 1:
 +[[sagen:die_wasserjungfer|<<< zurück ]] | **[[buch:sagenmaerchenoberharz|Sagen und Märchen aus dem Oberharz]]** | [[sagen:der_wassermann_ey| weiter >>>]]
 +
 ====== Die grüne Jungfer ====== ====== Die grüne Jungfer ======
  
-Die alte Großmutter hat die Geschichte erzählt und was, die erzählte, das war wahr, sie fieng an und sagte: Na, nun hört mir mal zu. Mir fällt eben die Geschichte von der grünen Jungfer ein, die habt ihr noch nicht gehört. Ja, ja, früher ist manches passirt, das alles vergessen wird, wenn unser Eins es nicht behielt und neu auftischte. Da unten in [[geo:Windhausen]] unter der Laubhütte hinunter hat vor vielen Jahren einmal ein armer [[typ:Besenbinder]] gewohnt und viele recht hübsche Kinder gehabt. Man hat das wohl, daß arme Leute hübsche Kinder haben. +Die alte Großmutter hat die Geschichte erzählt und was, die erzählte, das war wahr, sie fieng an und sagte: Na, nun hört mir mal zu. Mir fällt eben die Geschichte von der grünen Jungfer ein, die habt ihr noch nicht gehört. Ja, ja, früher ist manches passirt, das alles vergessen wird, wenn unser Eins es nicht behielt und neu auftischte. Da unten in [[geo:windhausenBadGrund|Windhausen]] unter der Laubhütte hinunter hat vor vielen Jahren einmal ein armer Besenbinder gewohnt und viele recht hübsche Kinder gehabt. Man hat das wohl, daß arme Leute hübsche Kinder haben. 
  
-Dieser Besenbinder nimmt seine älteste Tochter, es ist ein Mädchen so von dreizehn, vierzehn Jahren gewesen, das rothe Backen und rechte gluhe Augen hat und dabei kann es sprechen, wie ein Buch; das nimmt also sein Vater mit in den Wald und holt Besenreiser zu Besen, versteht ihr? Da vorn bei Windhausen standen damals auch schon viel [[typ:birke|Birken]], und ihr wißt, von den feinen Ruthen werden Besen gemacht. Es ist schrecklich kalt gewesen, wenn auch die Sonne über Berg und Thal schien; an den Zweigen hat das Eis gesessen und ausgesehen, als hingen lauter Silberstangen daran herunter. +Dieser Besenbinder nimmt seine älteste Tochter, es ist ein Mädchen so von dreizehn, vierzehn Jahren gewesen, das rothe Backen und rechte gluhe Augen hat und dabei kann es sprechen, wie ein Buch; das nimmt also sein Vater mit in den Wald und holt Besenreiser zu Besen, versteht ihr? Da vorn bei Windhausen standen damals auch schon viel Birken, und ihr wißt, von den feinen Ruthen werden Besen gemacht. Es ist schrecklich kalt gewesen, wenn auch die Sonne über Berg und Thal schien; an den Zweigen hat das Eis gesessen und ausgesehen, als hingen lauter Silberstangen daran herunter. 
  
-Sie gehen weiter in den Wald; vorn herum haben erst [[typ:tanne|Tannen]] gestanden, und dann ist das Laubholz gekommen. Auf einmal bleibt der Vater stutzig stehen und spricht, indem er nach einer großen Tanne zeigt: Siehdoch, Anna, was ist denn das? Das Mädchen sieht auch da eine [[typ:Jungfrau]] stehen, die ein grünes Kleid, grüne Hände, grünes Gesicht und auch gar grüne Haare hat. Die beiden wundern sich noch darüber, da kommt die grüne Dame auf sie zu und spricht zu dem Vater "Deine Tochter da, die muß ich haben", und kaum hat sie das gesagt, so ist sie mit dem Mädchen verschwunden. Vor Schreck kann erst der Mann keinen Schritt von der Stelle thun, nachher kommt er wieder zu sich und hört dann weit von sich rufen: "August, August, August!" und ein paar Schritt von ihm steht ein goldener Hirsch. Weil er meint, seine Tochter wäre darin verwandelt, so geht er darauf zu; als er aber den Hirsch an's Geweih fassen und festhalten will, da ist er verschwunden. So geht's dreimal, aber immer auf einer andern Stelle. +Sie gehen weiter in den Wald; vorn herum haben erst Tannen gestanden, und dann ist das Laubholz gekommen. Auf einmal bleibt der Vater stutzig stehen und spricht, indem er nach einer großen Tanne zeigt: Sieh doch, Anna, was ist denn das? Das Mädchen sieht auch da eine Jungfrau stehen, die ein grünes Kleid, grüne Hände, grünes Gesicht und auch gar grüne Haare hat. Die beiden wundern sich noch darüber, da kommt die grüne Dame auf sie zu und spricht zu dem Vater "Deine Tochter da, die muß ich haben", und kaum hat sie das gesagt, so ist sie mit dem Mädchen verschwunden. Vor Schreck kann erst der Mann keinen Schritt von der Stelle thun, nachher kommt er wieder zu sich und hört dann weit von sich rufen: "August, August, August!" und ein paar Schritt von ihm steht ein goldener Hirsch. Weil er meint, seine Tochter wäre darin verwandelt, so geht er darauf zu; als er aber den Hirsch an's Geweih fassen und festhalten will, da ist er verschwunden. So geht's dreimal, aber immer auf einer andern Stelle. 
  
 Bei der Gelegenheit ist der Besenbinder vor ein kleines Hüttchen gekommen. Er geht hinein, um ein wenig zu ruhen von der Anstrengung und wegen des Kummers über seine Tochter, die er so schändlich verloren hat. Sieh da, da sißt die grüne Jungfer und ist halb Fisch und halb Mensch und darum her sitzen lauter kleine Männlein mit steinernen Beinen auf kleinen Treppen, und das geraubte Mädchen, die Besenbindertochter, nicht weit von der Thür auf goldenem Throne. Voll Freude nimmt der glückliche Vater sein Kind auf den Arm und macht, daß er zum Haus hinaus kommt. Keiner verfolgt ihn, er läuft, als wenn ihm der Kopf brennt, daß er erst den Wald hinter sich hat, und kommt glücklich zu den Seinen. Ist aber das Mädchen vorher schon schön gewesen, nachdem ist sie ein wahrer Engel von Schönheit. Bei der Gelegenheit ist der Besenbinder vor ein kleines Hüttchen gekommen. Er geht hinein, um ein wenig zu ruhen von der Anstrengung und wegen des Kummers über seine Tochter, die er so schändlich verloren hat. Sieh da, da sißt die grüne Jungfer und ist halb Fisch und halb Mensch und darum her sitzen lauter kleine Männlein mit steinernen Beinen auf kleinen Treppen, und das geraubte Mädchen, die Besenbindertochter, nicht weit von der Thür auf goldenem Throne. Voll Freude nimmt der glückliche Vater sein Kind auf den Arm und macht, daß er zum Haus hinaus kommt. Keiner verfolgt ihn, er läuft, als wenn ihm der Kopf brennt, daß er erst den Wald hinter sich hat, und kommt glücklich zu den Seinen. Ist aber das Mädchen vorher schon schön gewesen, nachdem ist sie ein wahrer Engel von Schönheit.
Zeile 19: Zeile 21:
 Da nun alles nicht geholfen hat, so dringt das ganze Volk darauf, die Königin soll verbrannt werden, weil sie ihre Kinder aufgefressen hätte. Denn gestohlen könnten sie nicht sein, und dann hätte sie ja auch jedesmal am folgenden Morgen, wenn der Prinz gestohlen wäre, Blut auf dem Bette und an Händen und am Munde gehabt. Der König will das durchaus nicht zugeben; denn er hat sie zu lieb; er muß es aber am Ende zugeben, was er nicht ändern kann; das Volk hätte ihn sonst auch umgebracht.  Da nun alles nicht geholfen hat, so dringt das ganze Volk darauf, die Königin soll verbrannt werden, weil sie ihre Kinder aufgefressen hätte. Denn gestohlen könnten sie nicht sein, und dann hätte sie ja auch jedesmal am folgenden Morgen, wenn der Prinz gestohlen wäre, Blut auf dem Bette und an Händen und am Munde gehabt. Der König will das durchaus nicht zugeben; denn er hat sie zu lieb; er muß es aber am Ende zugeben, was er nicht ändern kann; das Volk hätte ihn sonst auch umgebracht. 
  
-Nun wird ein großer [[typ:Scheiterhaufen]] aufgerichtet, und die unglückliche Mutter hinaufgeführt und an einen Pfahl gebunden. Der Geistliche betet noch für ihre arme Seele, und bittet den lieben Gott, sie auf- und anzunehmen und dann segnet er sie ein und steigt herunter. Um den Holzstoß steht das Volk gedrängt und will die typ:Hexe verbrennen sehen; die [[typ:musikant|Musikanten]] spielen schaurige Stücke, und alles lauert, daß das Holz angesteckt wird, und dann die Qual der Königin angeht. +Nun wird ein großer Scheiterhaufen aufgerichtet, und die unglückliche Mutter hinaufgeführt und an einen Pfahl gebunden. Der Geistliche betet noch für ihre arme Seele, und bittet den lieben Gott, sie auf- und anzunehmen und dann segnet er sie ein und steigt herunter. Um den Holzstoß steht das Volk gedrängt und will die [[wesen:Hexe]] verbrennen sehen; die Musikanten spielen schaurige Stücke, und alles lauert, daß das Holz angesteckt wird, und dann die Qual der Königin angeht. 
  
-In dem Augenblick steht nochmals die grüne Jungfer vor ihr auf dem Scheiterhaufen und spricht: "Kind, wie hast du mich in meinem Drangsal gesehen?" Die Königin spricht: "Herzliebste Mutter, ich habe dich' nicht gesehen." Während der Zeit haben sich die Henker gequält, den Scheiterhaufen anzustecken, er hat aber nicht anbrennen wollen. Da spricht die grüne Jungfer: "Weil du nun so verschwiegen gewesen bist, und dich selbst durch den schrecklichen Tod auf dem Scheiterhaufen nicht zum Ausplaudern hast bringen lassen, so bist du und bin ich und dein Mann, der goldene [[typ:Hirsch]] dadurch gerettet. Hier hast du deine Kinder wieder"; da stehen in dem Augenblick drei wunderliebliche Knaben bei der angebundenen Königin, die umfassen ihre Kniee und rufen: "Mutter! liebste Mutter, wo ist unser guter Vater?" Da umschlingt sie ihre Kinder, das Volk ist erst stumm und starr vor Verwunderung, reißt dann alle herunter vom Scheiterhaufen, und führt sie in Jubel dem staunenden Vater zu, und die Musikanten spielen lustige Stücke auf. Nun ist es aus.+In dem Augenblick steht nochmals die grüne Jungfer vor ihr auf dem Scheiterhaufen und spricht: "Kind, wie hast du mich in meinem Drangsal gesehen?" Die Königin spricht: "Herzliebste Mutter, ich habe dich' nicht gesehen." Während der Zeit haben sich die Henker gequält, den Scheiterhaufen anzustecken, er hat aber nicht anbrennen wollen. Da spricht die grüne Jungfer: "Weil du nun so verschwiegen gewesen bist, und dich selbst durch den schrecklichen Tod auf dem Scheiterhaufen nicht zum Ausplaudern hast bringen lassen, so bist du und bin ich und dein Mann, der goldene Hirsch dadurch gerettet. Hier hast du deine Kinder wieder"; da stehen in dem Augenblick drei wunderliebliche Knaben bei der angebundenen Königin, die umfassen ihre Kniee und rufen: "Mutter! liebste Mutter, wo ist unser guter Vater?" Da umschlingt sie ihre Kinder, das Volk ist erst stumm und starr vor Verwunderung, reißt dann alle herunter vom Scheiterhaufen, und führt sie in Jubel dem staunenden Vater zu, und die Musikanten spielen lustige Stücke auf. Nun ist es aus.
  
-//Quelle: "[[buch:sagenmaerchenoberharz|Sagen und Märchen aus dem Oberharz]]", gesammelt und herausgegeben von [[autor:augustey|August Ey]] im Jahre 1862//+//Quelle: [[buch:sagenmaerchenoberharz|Sagen und Märchen aus dem Oberharz]], gesammelt und herausgegeben von [[autor:augustey|August Ey]] im Jahre 1862//
 ---- ----
-{{tag>märchen sagenmaerchenoberharz augustey harz oberharz windhausen besenbinder wald jungfrau birke tanne hirsch scheiterhaufen musikant kleinermann hexe holz}}+{{tag>sagen sagenmaerchenoberharz augustey harz oberharz windhausenBadGrund besenbinder wald grünejungfer jungfrau birke tanne hirsch scheiterhaufen musikant kleinermann hexe goldenerhirsch rettung holz wache v2}}
sagen/die_gruene_jungfer.1666691492.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)