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sagen:die_goldquelle

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-====== Die Goldquelle (Gräve) ====== 
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-Im Anfange des vergangenen Jahrhunderts lebte in [[geo:bautzen|Budissin]] ein ehrsamer Bürger, dessen Namen – weil etwa noch Nachkommen von ihm leben könnten, man aus denkbaren Gründen verschweigt – welcher, ob er gleich sonst fleißig und ordentlich war, doch nach gethaner Arbeit jenes – zwar damals noch nicht bekannte Jünger’sche: „Genüßt den Reiz des Lebens etc.“ bei’m vollen [[typ:Becher]], praktisch übte. 
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-Am Vorabende des [[zeit:pfingsten|Pfingstfestes]] im J. 1702, da in seiner Wohnung Alles mit Besemen gekehrt und geschmückt wurde, schloß er seine Werkstätte, nahm sich vor, seinen Geburtstag zu feiern und wallte auf ein nah gelegenes Dorf, wo er guten [[typ:Wein]] und lustige Gesellschaft traf, mit der er herrlich und in Freuden lebte. Nachts um 10 Uhr brach das frohe Häuflein auf und trennte sich in der Stadt, wo sich denn Jeder in seine Wohnung begab, welches unser Held auch bezweckte, jedoch im holden Taumel – weiß der Himmel wie – in die [[typ:Ruine]]n der [[kirche:sanktnikolaikirchebautzen|St. Nikolaikirche]] – in deren Innerm sich ein [[typ:Friedhof]] befindet – anlangte. Hier sank an der Stelle, wo ehemals das [[typ:Altar]] gestanden hatte, der durch [[typ:Wein]] und Gehen ermüdete Lebende unter den Todten in sanften Schlummer. Daß er jedoch nicht so lange, wie Epimenides, geschlafen habe, erhellt aus dem, nach seinem Hinscheiden aufgefundenen Tagebuche – doch, wie lange? wußte er selbst nicht und wir vermögen es – da gedachte Nachricht kein Biometer ist – nicht zu ergänzen. Kurz, als er erwachte, war es zwar dunkel, allein mit hellem Glanze umleuchtete ihn ein Licht und in den bemoos’ten Trümmern erblickten seine vom Schlaf gestärkten Augen ein durch mannigfaltige bunte Lampen geschmackvoll erleuchtetes Altargemälde, gefertigt von Meisterhand, welches die Himmelfahrt Christi vorstellte. Am Fuß desselben quollen [[typ:münze|Gold- und Silbermünzen]] aus der Erde. 
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-Verdutzt sah’ er sich schüchtern um, Niemanden vermochte er zu erschauen, still und öde war Alles, wie in des Todes Hallen. Lange ging er her und hin, bald das Gemälde, bald das aus der Erde Schooß hervorquellende [[typ:Gold]] betrachtend. – Unschlüßlicher, wie Hamlet, über sein Seyn oder Nichtseyn, – bald auf den Zehen langsam vorwärts trippelnd, bald auf den Fersen schnell zurückeilend, zweifelnd was er thun oder lassen solle, wurde ihm dabei doch Etwas unheimlich und unwillkürlich sträubte sich sein Haar. Zufällig stieß er bei’m Herumwandeln an einen [[typ:Krug]], – unbestimmt, ob hetrurischen oder vandalischen Ursprungs, – welches er für einen ihm von seinem guten Genius gegebenen Wink annahm, sich ein Herz faßte, das Gefäß mit den [[typ:münze|Münzsorten]] füllte und, wo es nicht langte, noch seine Halskrause und Taschentuch als Seitentaschen gebrauchte. 
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-Da verkündete die [[typ:Glocke]] vom Rathsthurme Ein Uhr, die Hähne krähten in den benachbarten Gehöften und der Glückliche eilte mit seiner Beute nüchternern Sinnes, als er den Ort betreten hatte, froh und zufrieden nach Hause. 
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-Die Goldstücke waren größtentheils aus des Königs Maximilian und Matthias und einiger ihrer Nachfolger, Zeitalter. Welchen Gebrauch er von dem Schatze gemacht und ob er Heil oder Unheil bringend für ihn gewesen sey, ist nicht laut geworden.  
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-//Quelle: Heinrich Gottlob Gräve: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz. Reichel, Bautzen 1839, Seite 86; [[https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Volkssagen_und_volksthuemliche_Denkmale_der_Lausitz_086.jpg&oldid=-|Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource (Version vom 1.8.2018)]]// 
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sagen/die_goldquelle.1689152843.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)