sagen:die_feurige_kroete
Unterschiede
Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.
| Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende ÜberarbeitungNächste Überarbeitung | Vorhergehende Überarbeitung | ||
| sagen:die_feurige_kroete [2022/10/26 10:57] – ewusch | sagen:die_feurige_kroete [2025/01/30 17:47] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1 | ||
|---|---|---|---|
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
| + | [[sagen: | ||
| + | |||
| ====== Die feurige Kröte ====== | ====== Die feurige Kröte ====== | ||
| - | Es kam einmal ein [[typ:Schneider]] nach [[geo: | + | Es kam einmal ein Schneider nach [[geo: |
| - | Das Untier kam langsam immer näher und näher auf ihn zu. Natürlich bekam unser Schneider denn doch nicht gerade geringe | + | Das Untier kam langsam immer näher und näher auf ihn zu. Natürlich bekam unser Schneider denn doch nicht gerade geringe Angst. Ein Schneider war ohnehin nicht beherzt. Was wollte er aber machen, er konnte nicht weg. Der Angstschweiß trat ihm auf den Leib, denn das Tier glühte über und über und sperrte den Rachen weit auf. Den heißen Atem konnte man sogar sehen, und die Augen glotzten ihn an. Na, dachte er, die will dir zu Leibe, die macht dich kalt. Noch zwanzig Schritt ungefähr war sie von ihm, da schlägt es zwölf Uhr auf dem Turm des Glockenbergs. Als es den letzten Schlag tat, da war alles verschwunden auf einmal, und der Berg schwarz und finster. Die Sterne guckten hier und da aus den Wolken und jenseits, dort wo Morgen liegt, ging der Mond auf. Der Schneider konnte auch aufstehen und machte sich gleich nach Andreasberg hinein. Da begegnete ihm der Wächter, der blies zwölf. Der Schneider bat ihn, er möchte ihm doch ein Nachtlager verschaffen. Der brachte ihn hin zu seinem Nachtwächterquartier, |
| Ja, sagte der Schneider, er wolle alle seinen Mut zusammennehmen. Es wäre die Kröte aber ein scheußliches Ungetüm. | Ja, sagte der Schneider, er wolle alle seinen Mut zusammennehmen. Es wäre die Kröte aber ein scheußliches Ungetüm. | ||
| Zeile 11: | Zeile 13: | ||
| Des Abends halb elf gingen sie miteinander zu der Stelle, setzten sich nebeneinander auf die Erde. | Des Abends halb elf gingen sie miteinander zu der Stelle, setzten sich nebeneinander auf die Erde. | ||
| - | Der Pastor sagte nochmals zum Schneider: »Wenn ich nun in diesem | + | Der Pastor sagte nochmals zum Schneider: »Wenn ich nun in diesem Buche lese, so bist du ganz still, lässt kommen, was kommt, wenn dich die Kröte auch halb tot macht. Du sollst sehen, es ist dein und mein Glück, auch der Kröte ihres, dann sind wir alle reich. Dahinter steckt sicher etwas.« |
| - | Der Schneider versprach auch, dem Rat zu befolgen. So warteten sie, bis es elf schlug. Mit dem Schlag elf wurde der Berg nach und nach hell und heller und diesmal noch viel heller als das vorige Mal. Sie sahen schon die Kröte, wie sie am Berg langsam herauf kroch. Diesmal war sie auch viel feuriger und abscheulicher, | + | Der Schneider versprach auch, dem Rat zu befolgen. So warteten sie, bis es elf schlug. Mit dem Schlag elf wurde der Berg nach und nach hell und heller und diesmal noch viel heller als das vorige Mal. Sie sahen schon die Kröte, wie sie am Berg langsam herauf kroch. Diesmal war sie auch viel feuriger und abscheulicher, |
| - | Der Pastor las und sah ihn scharf an, als wollte er sagen: »Du, halt aus, zieh nicht weg.« Am Ende kam sie ihm fast an den Mund, ihr Hauch roch nach [[typ:Schwefel]], es dämpfte ihm bald den Atem ab. Da wollte sie ihn küssen. Aber nun konnte er es nicht mehr aushalten. Voll Abscheu wandte er das Gesicht weg und da schlug es zwölf. So wie es den ersten Schlag tat, da war alles verschwunden. | + | Der Pastor las und sah ihn scharf an, als wollte er sagen: »Du, halt aus, zieh nicht weg.« Am Ende kam sie ihm fast an den Mund, ihr Hauch roch nach Schwefel, es dämpfte ihm bald den Atem ab. Da wollte sie ihn küssen. Aber nun konnte er es nicht mehr aushalten. Voll Abscheu wandte er das Gesicht weg und da schlug es zwölf. So wie es den ersten Schlag tat, da war alles verschwunden. |
| Der Pastor sagte voll Verdruss und Ärger: »Nein, so ein Narr, solch eine Memme, wie der Schneider wäre, gäbe es nicht weiter. Nur noch einen Augenblick hätte er aushalten sollen, so wäre alles geschehen.« | Der Pastor sagte voll Verdruss und Ärger: »Nein, so ein Narr, solch eine Memme, wie der Schneider wäre, gäbe es nicht weiter. Nur noch einen Augenblick hätte er aushalten sollen, so wäre alles geschehen.« | ||
| Zeile 23: | Zeile 25: | ||
| Alles kam wieder so. Der Berg wurde aber diesmal so hell, dass es wie Tag gewesen war, und die Kröte brannte über und über. Der Schneider nahm sich vor, er will es diesmal besser machen. Hielt auch aus bis dahin, dass ihn die Kröte fast mit ihrem Rachen berührte. Da verließ ihn aber der Mut und er wandte das Gesicht wieder ab, und in dem Augenblick schlug es wieder zwölf und alles war verschwunden. Nun hörte man in der Ferne ein Heulen und Schreien, als wenn ein Mädchen heftig weint. | Alles kam wieder so. Der Berg wurde aber diesmal so hell, dass es wie Tag gewesen war, und die Kröte brannte über und über. Der Schneider nahm sich vor, er will es diesmal besser machen. Hielt auch aus bis dahin, dass ihn die Kröte fast mit ihrem Rachen berührte. Da verließ ihn aber der Mut und er wandte das Gesicht wieder ab, und in dem Augenblick schlug es wieder zwölf und alles war verschwunden. Nun hörte man in der Ferne ein Heulen und Schreien, als wenn ein Mädchen heftig weint. | ||
| - | Da sagte der [[typ:Pastor]]: »Jetzt ist alles vorbei und unsere Angst und Mühe war vergeblich, und das Geschöpf muss verwünscht bleiben.« | + | Da sagte der Pastor: »Jetzt ist alles vorbei und unsere Angst und Mühe war vergeblich, und das Geschöpf muss verwünscht bleiben.« |
| Von der Zeit an hatte man nichts wieder davon gesehen und der Berg war nie wieder rot geworden, außer am Abend, wenn die Sonne recht rot unterging, dann hatte auch wohl noch einmal der Berg etwas rot ausgesehen. | Von der Zeit an hatte man nichts wieder davon gesehen und der Berg war nie wieder rot geworden, außer am Abend, wenn die Sonne recht rot unterging, dann hatte auch wohl noch einmal der Berg etwas rot ausgesehen. | ||
| Zeile 29: | Zeile 31: | ||
| Der Schneider war weitergegangen, | Der Schneider war weitergegangen, | ||
| - | // | + | //Quelle: [[buch: |
| ---- | ---- | ||
| - | {{tag> | + | {{tag> |
sagen/die_feurige_kroete.1666774664.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)
