sagen:die_drei_juffern_von_morken
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| ====== Die drei Juffern von Morken ====== | ====== Die drei Juffern von Morken ====== | ||
| - | Abend war es. Der Nebel stieg aus den Wiesen, wallte und wogte wie weiße Schleier und hob und senkte sich wieder in seltsamen Gebilden. Das Mondlicht schimmerte silbern auf den Wassern der [[region: | + | M. Cremer: Was sich die Leute an der Erft erzählten. In: Erftbote 1951 |
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| + | Abend war es. Der Nebel stieg aus den Wiesen, wallte und wogte wie weiße Schleier und hob und senkte sich wieder in seltsamen Gebilden. Das Mondlicht schimmerte silbern auf den Wassern der [[region: | ||
| Plötzlich sah der Wanderer in einiger Entfernung drei verhüllte Frauengestalten. Was taten die Frauen auf dem einsamen nächtlichen Weg, so weit noch vom Dorf? Da bemerkte er, dass die eine die Arme hob und wie segnend – oder bittend? – breitete. Weiterschreitend dünkte es dem Mann, die Gestalten seien Nebelgebilde. Aber sie blieben am Weg, wichen nur etwas zur Seite. Als er näher kam, hoben nun alle drei mit heftigen Bewegungen die Arme und winkten ihm schweigend zu. Es schien dem Mann immer mehr, als liege ein banges Flehen in ihren Gebärden, und dann sah er, dass die Gestalten manchmal einander stützen mussten wie Menschen, die von einem weiten Weg ermüdet sind. | Plötzlich sah der Wanderer in einiger Entfernung drei verhüllte Frauengestalten. Was taten die Frauen auf dem einsamen nächtlichen Weg, so weit noch vom Dorf? Da bemerkte er, dass die eine die Arme hob und wie segnend – oder bittend? – breitete. Weiterschreitend dünkte es dem Mann, die Gestalten seien Nebelgebilde. Aber sie blieben am Weg, wichen nur etwas zur Seite. Als er näher kam, hoben nun alle drei mit heftigen Bewegungen die Arme und winkten ihm schweigend zu. Es schien dem Mann immer mehr, als liege ein banges Flehen in ihren Gebärden, und dann sah er, dass die Gestalten manchmal einander stützen mussten wie Menschen, die von einem weiten Weg ermüdet sind. | ||
| - | Da dauerte es den Mann, dass er weder [[typ:Brot]] noch [[typ:Milch]] oder [[typ:Obst]] oder andere Labung bei sich hatte, und er ging in verlegenem Schweigen vorüber. Künftig werde er - so nahm er sich in einer plötzlichen Aufwallung vor - auf dem Tisch vor seinem Haus abends einen [[typ:Krug]] mit [[typ:Milch]] und ein Stück | + | Da dauerte es den Mann, dass er weder Brot noch Milch oder Obst oder andere Labung bei sich hatte, und er ging in verlegenem Schweigen vorüber. Künftig werde er - so nahm er sich in einer plötzlichen Aufwallung vor - auf dem Tisch vor seinem Haus abends einen Krug mit Milch und ein Stück Brot bereitstellen, |
| Nach der Begegnung mit den drei seltsamen Frauen ging der Bauer nachdenklich weiter. Es war ihm ganz eigen zumute, so als müsse er jetzt inmitten der nächtlichen Landschaft sein augenblickliches Leben und Schaffen überdenken. Nichts stach als Besonderes aus dem Ablauf seiner Jahre hervor. Ein Tag reihte sich, mit Arbeit angefüllt, an den andern, ab und zu von einem frohen Fest unterbrochen, | Nach der Begegnung mit den drei seltsamen Frauen ging der Bauer nachdenklich weiter. Es war ihm ganz eigen zumute, so als müsse er jetzt inmitten der nächtlichen Landschaft sein augenblickliches Leben und Schaffen überdenken. Nichts stach als Besonderes aus dem Ablauf seiner Jahre hervor. Ein Tag reihte sich, mit Arbeit angefüllt, an den andern, ab und zu von einem frohen Fest unterbrochen, | ||
| - | Am anderen Morgen erzählte der Bauer seiner Frau von der seltsamen nächtlichen Begegnung und dem unterwegs gefassten Vorsatz. Verwundert lauschte die Frau, doch war sie bereit, diesen Vorsatz mitzuerfüllen. Hinfort stand allabendlich vor des Bauern Haus ein [[typ:Krug]] [[typ:Milch]] und ein Stück | + | Am anderen Morgen erzählte der Bauer seiner Frau von der seltsamen nächtlichen Begegnung und dem unterwegs gefassten Vorsatz. Verwundert lauschte die Frau, doch war sie bereit, diesen Vorsatz mitzuerfüllen. Hinfort stand allabendlich vor des Bauern Haus ein Krug Milch und ein Stück Brot für hungrige nächtliche Wanderer bereit. Und seltsam war’s, jeden Morgen war der Krug leer und das Brot verschwunden und ein Apfel lag auf dem Tisch, obwohl lange Zeit keiner vom Gesinde von der bereit gestellten Wegzehrung wusste, also auch keiner sich einen üblen Scherz damit erlauben konnte. |
| - | Noch seltsamer aber schien es dem Mann, dass sein Garten und seine Felder seit jenem Tag reichere Frucht brachten als je zuvor, und auch seine Frau war anders geworden, war von jenem Tage an wie umgewandelt und so heiter und fröhlich wie früher als Mädchen. Als dann das für die beiden so Beglückende sich wirklich erfüllte und nach Monaten ein Kind in der Wiege lag, war auch der Bauer von tiefer Freude erfüllt. Und wenn er später mit seiner Frau von dieser Zeit und dem sich seither mehrenden Segen in Feld und Haus sprach, so erinnerte er sie immer an die Begegnung mit den drei stillen Gestalten und daran, wie er den Vorsatz gefasst, allabendlich für nächtliche | + | Noch seltsamer aber schien es dem Mann, dass sein Garten und seine Felder seit jenem Tag reichere Frucht brachten als je zuvor, und auch seine Frau war anders geworden, war von jenem Tage an wie umgewandelt und so heiter und fröhlich wie früher als Mädchen. Als dann das für die beiden so Beglückende sich wirklich erfüllte und nach Monaten ein Kind in der Wiege lag, war auch der Bauer von tiefer Freude erfüllt. Und wenn er später mit seiner Frau von dieser Zeit und dem sich seither mehrenden Segen in Feld und Haus sprach, so erinnerte er sie immer an die Begegnung mit den drei stillen Gestalten und daran, wie er den Vorsatz gefasst, allabendlich für nächtliche Wanderer eine Wegzehrung bereit zu stellen. |
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