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sagen:deutschemaerchenundsagen146

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-====== Das Zauberweib zu Assenede ======+====== Dukaten verloren ======
  
-Vor längerer Zeit lebte zu Assenede ein altes Zauberweib, vor der ein jeder Angst hatte. Eines Tages ritt ein junger Bursche zu einem nahen Dorf und fand sie unterwegs.+Zu Tielt in Flandern lebte ein Bauer; der war einmal ausgegangen, um Vieh zu verkaufen, hatte es auch zu guten Preisen losgeschlagen und kam mit gut gefüllten Taschen zurück nach Hause. Unterwegs hatte er da und dort einmal angehalten und so war er nicht ganz nüchtern mehr, doch noch so gut bei Sinnen, dass er wusste, er habe außer seinem Silbergeld auch einen Dukaten in der Tasche. Den verwahrte er auch aufs Beste und sah oft nach, ob er ihn nicht verloren hätte.
  
-Er fragte sie im Scherz: »Aha, wie steht es? Ihr lauft wie ein Mädchen von achtzehn Jahren.«+Zu Hause hing er die Hosein der das Geld steckte, an dem Bettpfosten auf, nachdem er sich vorher noch einmal überzeugt hatte, dass sein Dukaten nicht mangele. Des anderen Morgens war sein erster Gedanke an das Geld und den Dukaten besonders, aber wie er auch suchen mochte, der war verschwunden. Niemand war in der Kammer gewesen als sein Sohn; somit fiel sein Verdacht auf diesen, doch der leugnete und sprach, er habe die Hose nicht angerührt. Wie er aber immer leugnen und was er auch sagen mochte, der Alte blieb dabei, er habe den Dukaten. Dessen müde, machte der Bursche sich gegen Abend auf, ging zu einem zwei Stunden entfernt wohnenden Zauberer, fragte den, ob er nicht wisse, wo seines Vaters Dukaten sei.
  
-Sie sah ihn einmal an und sprach mit ihrer rostigen Stimme: »Lasst die in Ruhe, die Euch in Ruhe lassen+»Diesen Abend kann ich Euch das nicht sagen«, antwortete der Zauberer, »aber kommt morgen früh wieder, dann will ich Euch schon darüber Rechenschaft geben.« Der Weg nach Hause und wieder zurück und noch einmal nach Hause schien dem Burschen doch zu mühsam. Darum gedachte er in der Nähe von der Wohnung des Zauberers zu bleiben, um am anderen Morgen gleich bei der Hand zu sein, und legte sich in eine Scheune, die nahe beim Haus stand. Gegen Mitternacht öffnete sich das Tor der Scheune und der Zauberer trat ein, ein Laternchen in der einen und eine Weidenrute in der anderen HandMit der Rute schlug er dreimal auf die Erde, indem er rief: »Minnekens hier! Minnekens hier! Minnekens hier!«
  
-Der Bursche lachte sie aus und ritt seines Weges weiter. Als er aber abends nach Hause zurückkehren wollte und kaum das Dorf verlassen hatte, da siehe, kam ihm eine große Katze entgegen, die stellte sich vor sein Pferd und schrie dreimal ihr Miau, aber das mit einer Stimme, dass sich dem Burschen die Haare auf dem Kopf in die Höhe richteten. Dann lief sie weg. Ein paar Schritte weiter kam eine zweite und die machte es ebenso, schrie auch dreimal Miau und lief weiter. So ging es über den ganzen Weg bis nach Assenede, wo der Bursche mehr tot als lebendig ankam.+In demselben Augenblick wimmelte es von Katzen um den Zauberer herum.
  
-Ein anderer kam abends spät noch über Feld und wollte nach Hause zuals er plötzlich eine rostige Stimme neben sich hörte, die fragte: »Wie spät ist es+»Kann mir keine von euch sagenwo des Bauers M. Dukaten geblieben ist?«, fragte er dann.
  
-Er schaute sich umsah das altekrüppelhafte Weib und lieft was er konnte, um das Dorf zu erreichen. Ein paar hundert Schritte weiter dachte er, nun könne er wohl langsamer gehen, denn das Zauberweib schlich nur mit Mühe stets an ihrem Stab fort.+Doch die Katzen sprachen: »Nein, das können wir nicht sagenes ist jemand nahebei.«
  
-In demselben Augenblick aber hörte er ihre allzu bekannte Stimme neben sich die Frage wiederholen: »Wie spät ist es?«+»Ei, so brecht ihm den Hals,« sprach der Zauberer.
  
-Kalten Todesschweiß auf der Stirnbegann er zum anderen Mal zu laufen und ruhte auch nichtbis er an seiner Tür ankamAls er jedoch kaum den Schlüssel eingesteckt und dieselbe geöffnet hatte, stand das Weib zum dritten Mal neben ihm und fragte: »Wie spät ist es?«+Und die Katzen antworteten: »Jadas täten wiraber er hat sich gezeichnetDer Bursche hatte nämlich ein Kreuz gemachtehe er sich in die Scheune zum Schlaf gelegt hat.«
  
-Man braucht wohl nicht zuzufügendass er in aller Eile ins Haus schlüpfte und froh warvon ihr erlöst zu sein.+So konnten die Katzen ihm nichts anhaben, verschwanden und der Zauberer ging auch weg. Dass der Bursche nicht lange mehr in dem Stroh bliebbegreift sich leicht. Er lief gleich nachher, was er konntedem nahen Wald zu und erwartete da den Morgen. Als dieser eben dämmerte, klopfte er an des Zauberers Tür und fragte den Teufelskünstler, ob er denn nun wisse, wo der Dukaten sei. 
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 +»Jawohl«, sprach der Zauberer. »Es hat mir nicht wenig Mühe und Arbeit gekostet, aber ich kann es Euch doch sagen. Euer Vater schläft im Stall und neben seinem Bett steht ein Tränktrog, woraus das Vieh säuft. Dahinein ist der Dukaten gefallen, als Euer Vater seine Hose am Bett aufhing. Sucht darin und Ihr werdet ihn finden.« Die Antwort hinterbrachte der Bursche alsbald seinem Vater, sie suchten beide im Trog und der Dukaten lag in der Tat darin.
  
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