Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:deutschemaerchenundsagen118

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
sagen:deutschemaerchenundsagen118 [2024/03/21 23:13] – ewuschsagen:deutschemaerchenundsagen118 [2025/01/30 17:47] (aktuell) – Externe Bearbeitung 127.0.0.1
Zeile 3: Zeile 3:
 [[sagen:deutschemaerchenundsagen119|nächste Sage >>>]] [[sagen:deutschemaerchenundsagen119|nächste Sage >>>]]
  
-====== Der Spielmann auf dem Galgen ======+====== Des todten Wucherers Speise ======
  
-Im Jahre 1649 hatten einige Fräulein eines gewissen gräflichen Schlosses in Deutschland, dessen Namen wir hier nicht gern nennen wollen, einen Spielmann ersucht, des folgenden Sonntags in der Nacht bei einem Tanz aufzuspielen, den sie anstellen wollten. Er versprach ihnen zu kommen, wenn sie ihn zur festgesetzten Stunde, nämlich abends um neun Uhr, wollten holen lassen. Dies geschah; es kam jemand zu ihm und führte ihn dahin, wo er sein musste, in das gräfliche Schloss – so meinte er – und in einen großen Saal, in welchem ein herrliches Bankett bereitet war. Da spielte er viele Tanzweisen und so schön, wie er nur konnte. Als er nun schon lange gespielt und niemand ihm einen Trunk zubrachte, sprach er laut genug, dass männiglich es verstehen konnte: »’s ist doch besser, Bauern und Bäuerinnen aufzuspielen, als für Junker und Fräulein; zum Geringsten geben die Bauern einem Spielmann genug zu trinken.«+Ein Ritter starb und setzte seinen Sohn zum Erben all seiner durch Wucher und Betrug gewonnenen Güter ein. In einer Nacht hörte ein Diener des Hauses plötzlich stark an das Tor klopfen. Er lief schnell hinzu und fragte: »Wer klopft da?«
  
-Kaum hatte er das gesagt, als ein vermummter Herr zu ihm trat und ihm einen trefflichen silbernen Becher mit Wein anbot. Vergnügt legte der Spielmann seine Geige aus der Hand und tat einen guten Zug. Dann sprach er: »Gott segne es, das ist ein kostbarer Wein.«+Darauf antwortete ihm eine Stimme: »Lass mich herein, denn ich bin der Hausherr.«
  
-Doch im selben Augenblick verschwand die ganze Gesellschaft mit dem Schloss und er saß auf dem Galgen, neben dem einige Tage zuvor mehrere Hexen verbrannt worden waren. Den Becher aber hielt er noch in der Hand. Nachdem er sich ein wenig von seinem Schrecken erholt hatte, steckte er denselben in die Tasche, ließ sich an einem Strick nieder und ging nach Hause. Am anderen Morgen sah er sich das Geschirr genauer an und fand das Wappen einer vornehmen Person aus der Gegend darauf. Es sind viele Leute, die den Becher gesehen und denen der Mann die ganze Geschichte erzählt hat.+Das wunderte den Diener. Er bückte sich und sah durch eine Ritze unter der Schwelle, erkannte auch den verstorbenen Herrn, wollte ihn aber nicht einlassen, sondern sprach: »Mein Herr ist gestorben und ich lasse Euch nicht ein.« 
 + 
 +Als der Geist nach mehrmals noch wiederholtem Klopfen sah, dass alles nicht nütze, sagte er endlich: »Dann bring diese Fische, welche mir nun zur Speise dienen, deinem Herrn. Ich hänge sie hier an der Tür auf.« 
 + 
 +Am Morgen aber, als der Diener die Tür öffnete, fand er dort ein großes Bund Kröten und Schlangen.
  
 //Quellen:// //Quellen://
sagen/deutschemaerchenundsagen118.1711059224.txt.gz · Zuletzt geändert: (Externe Bearbeitung)