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sagen:deutschemaerchenundsagen114

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-====== Die Kastenlinde zu Auweghem ======+====== Das Schloss von Vinderhouthem ======
  
-Zwischen Huysse und Auweghem steht eine uralte Linde, die in der ganzen Gegend unter Jung und Alt nur unter dem Namen Katzenlinde bekannt istEinem Bauer aus Auweghem begegnete daselbst Folgendes. Er hatte sich nach langem Arbeiten an einem heißen Sommertag abends neben die Linde gesetztum ein wenig auszuruhen. Langsam fiel er in Schlaf. Daraus wurde er erst tief in der Nacht durch süße Laute geweckt, die ihm aus der Luft zu kommen schienenEr rieb sich die Augen und sah einmal nach obenDa bemerkte er denn zu seinem großen Erstaunen, dass die Linde von Katzen wimmelte, und erkannte zugleich, dass diese es waren, die jene liebliche Musik machtenErschrocken wollte er auf und davon eilen, aber das ganze Feld war mit Katzen bedeckt, von denen einige Teig bereiteten, andere Kuchen backten und wieder andere, in weiten Kreisen umtanzend, die Kuchen lustig verzehrten.+Einer der Herren von Vinderhouthem hatte keine KinderDa wandte er sich nach langem und vergeblichem Hoffen und Harren endlich an die heilige Mutter Anna und gelobtefalls er Kinder bekäme, dieselben bis zum siebenten Jahr in Ordenskleider zu kleiden, die Knaben als Minderbrüder, die Mädchen als Nonnen und außerdem der Heiligen auch noch eine Kapelle zu bauenBald darauf war die Gräfin gesegneten Leibes und sie schenkte ihm einen Sohn und eine TochterDeren Bildnisse sieht man noch zu beiden Seiten des Altars der AnnenkapelleZu dieser kehrt jedes Jahr am Vorabend vom Sankt Annentag auch des Grafen Geist zurück.
  
-Während der Bauersmann noch verwundert auf all das sonderliche Treiben hinstarrtekam ein artig weißes Kätzchen auf ihn zu und fragte ihn mit sanfter Stimme»Bäuerleinmöchtet Ihr nicht ein Küchelchen mitknappeln?«+Ein anderer Herr von VinderhouthemGraf Walther genannt, lag in seinem Sterbestündlein neben einem großen Fenster, welches auf den Schlossgraben ausging. Als er nun seinen Tod nahen fühlte, befahl er einen vollen Sack Korn in das Fenster zu stellen. Als das geschehen war, erhob er sich und stieß daran, dass der Sack hinausfiel, sprach»So viel Körnchen Kornwie da ins Wasser fallen, so viel Seelenmessen sollt ihr für mich lesen.« Andere sagen, er habe befohlen, den Graben mit Korn zu füllen und so lange dessen zuzutragen, bis dass es mit den Fenstern des Saales, in welchem er sich befand, gleich stände, und dann gesagt habe, dass man so viel Messen für ihn lesen sollte, wie Körnchen in dem Haufen wären.
  
-Der Bauer dankte höflich zu dreien Malen. Da das Kätzchen ihn aber so sehr nötigte, nahm er es endlich an. Man brachte ihn bald einen mit Kuchen hochbeladenen Teller und er machtenach löblichem christlichen Brauch sein Kreuzchen; doch im selben Augenblick waren all die Katzen verschwunden, jammerten und miauten gräulich auf ihrem Abzug durch die Luft. Der Bauer aber fand sich auf der Spitze des Baumes wiederEr kletterte schnell herunter und eilte dem Dorf zu. Als er auf der Schwelle seines Hauses standda schlug die Kirchenuhr eins. Er erzählte seiner um ihn in Sorgen wachenden Frau den wunderbaren Vorfallstand am folgenden Tag nicht vom Bett auf und starb am Morgen des dritten Tages.+Allen Grafen dieses Geschlechtes wurde ihr Tod vorher verkündet durch ein klagend und seufzend Lichtwelches sich an einem Moor in der Nähe des Schlosses zeigteDie Stellewo das Moor einst warheißt davon noch Meersch van Zuchten.
  
-Einige sagen, der Mann habe nach dem ersten Biss in einen der Kuchen in Gottes Namen um ein wenig Salz gebetenworauf die Katzen verschwunden wären.+Eine Nebenlinie der Grafen hatte die Verpflichtungdas Öl für die Gotteslampe der Kapelle zu liefern und außerdem jährlich gewisse Messen lesen zu lassen. Eine Gräfin von C. hatte dies vernachlässigt. Da sah man während drei Tagen eine Kutsche, mit schneeweißen Rossen bespannt, ganz nahe am Schloss immer hin und her fahren. Zur selben Zeit wollte ein Bauer abends auf das Schloss gehen und fand auf der Türschwelle einen prächtig gekleideten Herrn, der ganz steif und unbeweglich dasaß. Der Bauer wünschte ihm freundlich guten Abend, aber der Herr antwortete nicht. Da wiederholte der Bauer seinen Gruß, aber er bekam ebenso wenig Antwort. Als dasselbe aber auch fürs dritte Mal stattfandwurde der Bauer böse und schrie: »Sprecht, Herrschaft, oder ich schlage Euch nieder!« Und damit schwang er seine Schaufel ums Haupt, dass es sauste, aber keine Antwort. Da schlug der Bauer zu, als hätte er dem Herrn den Kopf gespalten, aber die Schaufel fuhr durch den ganzen Herrn durch und der war verschwunden
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 +Nun sieht man wenig mehr da, nur von Zeit zu Zeit gewahrt man noch ein weißes Kaninchen, welches klagend um die Bäume und Hage irrt und, nähert man sich ihm, plötzlich verschwindet.
  
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